Blaue Pille für die Manneskraft

Blaue Pille für die Manneskraft

Sildenafil ist das Molekül der Woche. Es ist ein Arzneiwirkstoff, der den Blutfluss und die Manneskraft steigert und in Form kleiner blauer Tabletten namens Viagra einen hohen Bekanntheitsstatus genießt.

Trier. "Nein, das haben wir nicht in Pillenform!" Dominik Thimm stellt das gleich mal klar. Ja, er benutze zwar Sildenafil, schmunzelt der Doktorand am Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn. Doch nur für molekulare Laborexperimente. Im nächsten Moment pipettiert Thimm die Substanz in kleine Plastikröhrchen, gelöst in einer klaren Flüssigkeit. Die meisten kennen das pikante Molekül in anderer Form, als kleine blaue Tablette und unter anderem Namen: Sildenafil ist der Wirkstoff von Viagra, dem Megaseller unter den Medikamenten gegen Potenzstörungen beim Mann.Kaum ein Jahr auf dem Markt, setzte der Pharmariese Pfizer damit schon einen Milliardenbetrag um. Nach wie vor verkauft sich das Mittel gegen Erektionsstörungen blendend. Doch geplant war das nicht. UN-Jahr der chemie: das molekül der woche

"Ursprünglich wurde Sildenafil für Bluthochdruck-Erkrankungen entwickelt und auch klinisch an Patienten getestet", erinnert sich Christa Müller, Professorin für Pharmazeutische Chemie an der Universität Bonn. Hoch war dann aber vor allem der Verbrauch des Medikaments unter den männlichen Probanden. Kaum einer wollte es wieder absetzen. "Dann hat man die verstärkte Erektion festgestellt und das dann zur Hauptanwendung gemacht", so die Leiterin des Pharmazentrums an der Bonner Hochschule.Sildenafil ist ein synthetischer Arzneistoff mit einer stickstoffhaltigen Ringstruktur, die der von Koffein nicht unähnlich ist. Wie sich herausstellte, hemmt das Molekül ein Enzym aus der Gruppe der Phosphodiesterasen, das vermehrt im Schwellkörper des Penis vorkommt. Fällt es aus, häuft sich ein Botenstoff im Gewebe an, der dafür sorgt, dass sich die glatte Muskulatur entspannt. Dadurch strömt Blut in den Penis, er versteift sich. "Das heißt, wenn wir dieses Enzym hemmen, können wir die Erektion steuern, verlängern, verbessern", folgert Müller. Genau das ist der Wirkmechanismus von Sildenafil und einigen chemisch ähnlichen Substanzen, die heute als Arzneimittel zugelassen sind. Äußerst praktisch dabei: Der Körper des Mannes produziert den Blutfluss-fördernden Botenstoff nur bei sexueller Erregung.Über den Viagra-Wirkstoff wird noch immer munter geforscht. Die Bonner Arbeitsgruppe etwa fand heraus, dass Sildenafil an einen Zell-Rezeptor bindet, der auch auf Koffein anspricht, was bisher unbekannt war. Inzwischen glaubt man, dass das Molekül vielleicht sogar Schmerzen stillt und die Leber schützt. Es hat aber auch mögliche unangenehme Nebenwirkungen. So inaktiviert Sildenafil laut Christa Müller eine weitere Phosphodiesterase, die im Auge und im Herz eine Rolle spielt. Daher der wohlgemeinte Ratschlag der Bonner Pharmazeutin: "Man kann Sildenafil verwenden für Funktionsstörungen, aber man darf es nicht übertreiben!"Die Beiträge dieser Serie laufen im Deutschlandfunk immer mittwochs um 16.35 Uhr in der Sendung "Forschung aktuell". In der Region empfangen Sie den Deutschlandfunk auf UKW 95,4 und 104,6. Weitere Infos unter www.dradio.de/jahrderchemie

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