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Blech von Bach bis Basin Street

Kurze Wege von Bach bis zum Basin Street Blues: das Rennquintett im Innenhof des Kurfürstlichen Palais. Foto: Mosel Musik Festival
Kurze Wege von Bach bis zum Basin Street Blues: das Rennquintett im Innenhof des Kurfürstlichen Palais. Foto: Mosel Musik Festival
Trier. Die "Toccata" wird zum Blues, "The Saints" zum "Halleluja": Wenn das Rennquintett loslegt, fließen Musikstücke und Stile ineinander. Mit ihren extravaganten Arrangements und ihrem Mix aus Klassik und U-Musik haben die fünf Blechbläser ihre 400 Zuhörer beim ersten Open-Air-Konzert im Rahmen des Mosel Musikfestivals im Kurfürstlichen Palais mitgerissen. Mechthild Schneiders

Trier. Drei Töne - Bachs "Toccata" ist unschwer zu erkennen. Mit Luft erzeugt, stammen die Klänge jedoch nicht von einer Orgel, sondern von fünf Blechbläsern. Die Tuba (Ralf Rudolph) kümmert sich um die Basis, Posaune (Jochen Scheerer) und Horn (Uwe Tessmann) sorgen für die mittleren Lagen, und obendrauf tanzen die Trompeten (Uwe Zaiser und Peter Leiner) mit ihren schnellen, hohen Läufen. Scheinbar ohne Übergang, für die 400 Zuhörer im Innenhof des Kurfürstlichen Palais kaum nachvollziehbar, sind die Musiker des Rennquintetts mitten im "Basin Street Blues". Ganz nach dem Motto "Von Bach bis Blues" lassen sie 250 Jahre auf 2,5 Minuten zusammenschrumpfen.
"Hummelflug" auf der Tuba


Immer wieder setzen sich die fünf über stilistische Grenzen hinweg, mischen munter Händel und Gospel zu "The Saints Halleluja". Auf die ersten vier Töne von "Oh when the Saints" folgt das "Halleluja"; mehrmals wechseln die Bläser zwischen den Stücken bis sie zum schallenden Finale. Das alles klingt mühelos und spielerisch - immerhin gibt es das Rennquintett seit 27 Jahren, fast so lange wie das Mosel Musikfestival, bei dem sie regelmäßig zu Gast sind. Und so gerät die Vorstellungsrunde der Musiker äußerst humorvoll. Dabei darf Bachtrompeter Zaiser auf der Piccolotrompete brillieren. Tessmann spielt das Rondo von Mozart für Horn und Streich-… - ähm - Rennquartett, wie Conférencier Leiner sagt. Und Rudolph übernimmt beim "Hummelflug" das Thema - auf der Tuba. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Ausmaße ein Insekt haben muss, das so tief brummt …
Das Rennquintett beantwortet auch die nie gestellte Frage: Was wäre wenn … Johann Sebastian Bach das Münchener Volkslied "Solang der alte Peter" neu arrangiert hätte? Es würde festlich klingen, hätte aber auch leise, gefühlvolle Passagen. Mozart hätte es, mit vielen Verzierungen gespickt, verspielt komponiert, während Wagner ihm eine dramatische Note verliehen und Strauss einen Walzer daraus gemacht hätte. Wie so was klingt? Abgefahren! Besonders, weil das Rennquintett noch eine Schippe drauf legt und eine Avantgarde-Version hinterherschickt: dissonant, mit kratzenden, schrillen Tönen und Geräuschen, bevor das Stück zum bayerischen Schunkellied verkommt.
Zu einem bunten Mix gerät auch Schostakowitschs Walzer, in den Rudolph unter anderem Schunkler, Schlager und ein Stück aus dem "Dschungelbuch" hineinarrangiert hat. "That\'s a plenty" spielen die fünf als Zugabe, den Zuhörern reicht‘s noch nicht an diesem lauen Sommerabend. Und so spendieren die Musiker ihnen eine sinfonische Version des Beatles-Hits "Yesterday". Denn klassisch ist, so Leiner, was bleibt.