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Blick aus zwei Perspektiven: Sein Deutschland - ihr Deutschland

 Tom Buhrow und seine Frau Sabine Stamer begeistern bei ihrer Lesung in Prüm. TV-Foto: Stefanie Glandien
Tom Buhrow und seine Frau Sabine Stamer begeistern bei ihrer Lesung in Prüm. TV-Foto: Stefanie Glandien
Prüm. 540 Zuschauer erleben in Prüm beim Eifel-Literatur-Festival einen unterhaltsamen Abend mit ARD-Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow und seiner Frau Sabine Stamer. Ihre Erkenntnisse über Deutschland nach zehn Jahren Aufenthalt in den USA sind interessant, oft amüsant und stimmen nachdenklich.

Prüm. Ganz so schlimm kann es um Deutschland nicht bestellt sein, denn gelacht wird viel an diesem Abend, den Festivalorganisator Josef Zierden in Kooperation mit dem Eifelverein ausrichtet. Als Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow und seine Frau Sabine Stamer nach zehn Jahren USA-Aufenthalt nach Deutschland zurückkehren, hat sich ihre alte Heimat verändert. In ihrem Buch "Mein Deutschland - dein Deutschland" fassen sie ihre Erfahrungen zusammen.
Den Spiegel, den sie den Deutschen und an diesem Abend ihrem Publikum vorhalten, stimmt nachdenklich. Das Einzige, was im Land der Schnäppchenjäger zählt, scheint der Preis zu sein, Service zählt nicht dazu, beobachtet Sabine Stamer. "Lässt man sich in Deutschland nicht gerne bedienen?", fragt Tom Buhrow. Es gebe keine Parkplatzwärter, keine Schuhputzer, wo immer es möglich ist, übernehmen Automaten die Arbeit. Und nicht unbedingt Geiz sei der Grund dafür: "Die Deutschen wollen eine Ebene, kein vorne und hinten, kein oben und unten." Das sei zwar sympathisch, verhindere aber jede Menge Jobs, sagt er.
Beim Thema Schule kommt Tom Buhrow richtig in Fahrt. Schon in der Schulzeit würden Kinder aus Frust über vergebliche Anstrengung den Mittelweg wählen. Und das Verhalten setzen die Erwachsenen fort: Bloß nicht zu erfolgreich werden, bloß nicht zu reich.
"Meine Frau bremst mich, ich rede mich gerade um Kopf und Kragen", sagt Buhrow zwischendurch, erhält aber viel Zwischenapplaus. Dem Publikum gefallen die klaren Worte.
Das kulturelle Phänomen, dass Deutschland sich am liebsten kleinmacht und interessanterweise die Schweiz als Vorbild sieht, haben die Deutschen gar nicht nötig, meint Buhrow. "Wir übersehen, wie weit es dieses Land gebracht hat." So lautet das gemeinsame Fazit von Sabine Stamer und Tom Buhrow auch, dass die Deutschen allen Grund hätten, zuversichtlich und guten Mutes zu sein. sn