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"Blockbuster-Ausstellung": Nero-Ausstellung in Trier eröffnet (Fotostrecke)

"Blockbuster-Ausstellung": Nero-Ausstellung in Trier eröffnet (Fotostrecke)

Vor rund 700 geladenen Gästen in der Konstantin-Basilika ist die große Ausstellung „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ eröffnet worden. Mit rund 700 Exponaten auf 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche in den drei großen Trierer Museen sollen rund 150.000 Gäste nach Trier gelockt werden.

"Die große Ausstellung "Nero - Kaiser, Künstler und Tyrann" wird in den kommenden Monaten das Kulturereignis in Trier sein - dank der guten Zusammenarbeit des Rheinischen Landesmuseums, Stadtmuseums Simeonstift und des Museums am Dom." Mit diesen Worten würdigte Ministerpräsidentin Malu Dreyer als Schirmherrin die Ausstellung.

Noch nie habe es in Mitteleuropa eine Ausstellung über Nero gegeben, der zu den bekanntesten Herrschern der Antike zähle. "Nachdem viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in den vergangenen Jahren Zweifel an der rein negativen Sichtweise auf den Kaiser angemeldet haben, wirft das einmalige Ausstellungsprojekt in Trier einen neuen, differenzierten Blick auf sein Leben und seine Herrschaft", unterstrich Dreyer.

Sie dankte der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, den Projektleitern, allen beteiligten Museumsmitarbeitern und Kooperationspartnern für ihr außerordentliches Engagement für die Ausstellung. "Durch das gute Zusammenspiel und Zusammenwirken so vieler Personen ist eine großartige Ausstellung entstanden, auf die wir stolz sein können", sagte die Ministerpräsidentin als Schirmherrin des Projektes zur Eröffnung. "Nero war ein ziemlich unsympathischer, grausamer Typ", sagte Dreyer, aber er habe es verdient, dass man sich näher mit seiner Person beschäftige. "Nero, der große Auftritte liebte, hätte ganz sicher seine Freude an dieser Ausstellung gehabt."

Leibe: Nero ist eine "Blockbuster-Ausstellung"

Auch der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe lobte die Ausstellungsmacher. "Es ist genial, wie es den Ausstellungsmachern gelungen ist, den Bezug zwischen Nero und Trier herzustellen." Nero sprach angesichts des großen Interesses und der Größe der Ausstellung von einer "Blockbuster-Ausstellung", die - wie schon die Konstantinausstellung 2007 - wieder Maßstäbe im Ausstellungswesen setze.

Die Nero-Ausstellung wird vom 14. Mai bis zum 16. Oktober 2016 in Trier zu sehen sein. Das Rheinische Landesmuseum beschäftigt sich mit den originalen Zeugnissen von Kaiser Nero und präsentiert hochkarätige Exponate. Das Museum am Dom widmet sich der Frage, wie es tatsächlich um das Verhältnis des Kaisers<span style="display: none;">&nbsp; zu den Christen bestellt war . Das Museum Simeonstift beleuchtet das schillernde Nachleben des Imperators in der Literatur , der Malerei, der Oper und im Film - vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Trier erhofft sich von der Ausstellung einen Schub für den Tourismus. Über 1700 Führungen sind schon gebucht, die Ausstellungsmacher hoffen auf rund 150.000 Besucher. Bei der letzten vergleichbar großen Ausstellung in Trier, der Konstantin-Ausstellung 2007, wurden 360.000 Tickets verkauft. 83 Prozent der Gäste reisten damals von außerhalb der Region an, jeder Zehnte sogar aus dem Ausland. Damals gaben die Gäste rund 40 Millionen Euro in der Stadt aus, wie Untersuchungen zeigten.Superintendent Dr. Jörg Weber von der Evangelischen Kirche hatte am Abend zunächst die Gäste in der Basilika begrüßt. "Wo einst der Kaiser saß, steht heute das Kreuz", sagte Weber, um zu begründen, warum die Basilika ein passender Ort für die Ausstellung sei. Das Kreuz stehe theologisch gesehen für die Freiheit der Menschen. "Religionsfreiheit ist unverzichtbar" - und damit sei man beim Thema Nero und dem Bezug zur Aktualität.

Auch Bischof Stephan Ackermann würdigte die hohe Aktualität der Ausstellung. Die Hinrichtungen Neros hätten tiefe Spuren im Gedächtnis der Christen hinterlassen. Man dürfe aber auch nicht verschweigen: "Christen wurden in der Folgezeit oft genug selbst zu Verfolgern."

Professor Christian Witschel von der Universität Heidelberg warf als Festredner einen Blick auf das kurz nach seinem Tod gezeichnete, äußerst negative Bild von Nero, das heute nicht mehr zu halten sei. Man müsse keine Sympathie für einen Muttermörder und häuslichen Gewalttäter haben, aber man dürfte sich die einseitige Sicht auch nicht zu eigen machen. Er habe breite Volksschichten für sich einnehmen können. Man könne ihn mit einigem Recht als Volkskaiser bezeichnen, der sein ganzes Leben als Theater inszeniert habe. Nero sei in jedem Fall eine historische Figur, die einen auch nach 2000 Jahren nicht kalt lasse.