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Blonder Brite voller Inbrunst: Bei Tom Odell singen Fans in Trier mit.

Musik : Melancholische Sommernachtsträume

Blonder Brite voller Inbrunst: Bei Tom Odell singen Fans in Trier mit, zücken Handys. Und doch fehlt was.

„Another Love“ – mit diesem Song hat der britische Pop-Sänger und Pianist Tom Odell 2012 seinen großen Durchbruch. Im Radio läuft das melancholische Stück über eine gescheiterte Beziehung und die Trauer darüber hoch und runter. Seitdem ist Odell nicht untätig. Erst im Winter 2018 erscheint das dritte Album „Jubilee Road“. Im Rahmen der dazugehörigen Tour kommt er nach Trier und spielt am dritten Abend vor der Porta Nigra.

Sonnenschein, blauer Himmel, leicht frischer Wind. Das Wetter hält tatsächlich auch an Tag drei des Festivals. Dennoch bleibt der Porta Nigra-Vorplatz recht leer. Melancholische britische Singer-Songwriter scheinen nicht allzu viele Menschen vor die Tür zu treiben – auch wenn sich vor dem abgetrennten Bereich einige Zuhörer sitzend und stehend eingefunden haben. Die knapp 800 Besucher jedenfalls lassen nicht die Stimmung aufkommen, die man an den beiden Abenden zuvor erleben durfte.

Zuerst jedoch tritt Bartleby Delicate aus Luxemburg auf. Der Singer-Singwriter steht mit Gitarre und Loop-Station auf der Bühne und gibt einen ruhigen, aber passenden Einklang für den Abend. Folk trifft Indietronica – und das mit Ohrwurmfaktor und Klanggebilden, die nach mehr als nur einer Ein-Mann-Band klingen. Hinter dem Pseudonym steckt Georges Goerens, der auch mit der Band Seed to Tree unterwegs ist. Bis Tom Odell dann die Bühne betritt, müssen die Fans sich in Geduld üben. Erst nach 21.15 Uhr setzt sich der blonde Brite an sein imposantes Piano, das in der Mitte der Bühne leicht erhöht aufgebaut ist. Mitgebracht hat er seine Live-Band, bestehend aus der klassischen Gitarre-Bass-Schlagzeug-Besetzung. Ist das Debütalbum noch zurückhaltend instrumentiert und der Gesang über weite Strecken nur vom Piano begleitet, schafft Tom Odell auf seinen beiden folgenden Alben einen intensiveren Sound. Live kommt dieser noch mal eindringlicher zur Geltung, denn Odell singt und spielt voller Inbrunst. Die Verzweiflung in seinen Songs über verflossene und gescheiterte Liebe, unerfüllte Sehnsüchte, das Älterwerden (Odell ist Jahrgang 1990) und tiefe Emotionen. Dabei schöpft er aus seinen persönlichen Erfahrungen und transportiert das mit seinem teils verzweifelt klingenden Gesang so, dass der Gänsehautfaktor durchaus keine Seltenheit hat.

Das Publikum zeigt sich teils textsicher, insbesondere die ersten Reihen singen beinahe ebenso inbrünstig mit, wie Odell seine Texte intoniert und in die Tasten schlägt. Eine Mischung aus alten und neuen Songs, kurzen Jam-Sessions der Musiker – auch wenn immer ein melancholischer Grundtenor mitschwebt in den Songs, ergibt sich dennoch eine Mischung mit der Musik, dass Tanzen möglich wäre. Leider machen das nur relativ wenige Besucher – die meisten bewegen sich nur wenig.

Tom Odell spielt bis 22.45 Uhr und bietet zum Abschluss natürlich den Song, auf den alle gewartet haben: „Another Love“ rüttelt die Zuschauer noch mal auf und lässt die Smartphones aus den Taschen schießen. Ein bisschen mehr Publikum wäre wünschenswert gewesen – vor allem aber ein etwas bewegungsfreudigeres.