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Blues in der Stimme, Pavarotti im Herzen

Blues in der Stimme, Pavarotti im Herzen

Der große italienische Blues-Rocker Zucchero hat beim Konzert in der Rockhal zu Esch mehrere Tausend Menschen mit einem optisch und musikalisch beeindruckenden Auftritt in seinen Bann gezogen.

Trier. "Blues will never die", so verabschiedet sich, zwei Tage vor seinem 56. Geburtstag, der weltbekannte Musiker Zucchero nach einem schweißtreibenden Konzert in der Rockhal zu Esch (Luxemburg) von mehreren Tausend hingerissenen Fans.
Vorausgegangen war ein zweistündiges, episches Spektakel, bei dem der Blues des Italieners allerdings erst in der zweiten Hälfte des Konzertes wirklich zündete. Zu sehr weichgespült kamen die ersten Lieder daher, reinrassige Popsongs, die dem neuen Album "Chocabeck" (klappernder Schnabel!) entstammten, von Blues keine Spur.Ein Welthit nach dem anderen


Adelmo Fornaciari, so der zivile Name des Mannes aus der Reggio Emilia im Herzen Italiens, wäre jedoch nicht der große Zucchero geworden, wenn er seine seit dreißig Jahren treuen Anhänger mit ihren hohen Erwartungen im Stich gelassen hätte. Im zweiten Teil des Konzertes zog er das Tempo an, brachte mit seinem pompösen zwölfköpfigen Kammerorchester einen Welthit nach dem anderen.
"Ich wusste gar nicht, dass das von Zucchero ist", raunt eine blonde Mittvierzigerin.
Baila, Dune Mosse, Con le mani, Domenica, und Nazione catolica bringen das Volk zum Tanzen. Es herrscht allerdings keine rasende Begeisterung; eher spürt der geneigte Beobachter eine stille, verhaltene Freude im bunt gemischten Publikum: Überwiegend Pärchen zwischen 30 und 50, die sich vergnügt schmachtend aneinander festhalten und entspannt im Takt der Musik wiegen.
Zum Staunen ist das pompöse Beiwerk auf und um die große Bühne in der doch eher schlichten Rockhal im Luxemburger Industriezentrum Esch. Zu Beginn des Gigs öffnet sich - wohl als Symbol für die lange Lebensreise Zuccheros - ein riesiger Koffer und gibt den Blick auf den begnadeten Musiker und seine opulent besetzte Band frei, selbst Streicher und Blechbläser fehlen nicht. Im Hintergrund läuft eine dreidimensionale Projektion, mal flattern Vögelchen durch italienische Landschaften, mal fällt das Laub, mal hängt der Himmel voller Geigen, pardon, Glocken.
Die Scheinwerfer blitzen, die Szenerie ist mal ganz in Gelb, mal in Lila, Rot oder Blau getaucht. Großes Kino für Augen und Ohren. Zuccheros Bariton klingt bis zum letzten Ton kräftig und frisch, 30 Jahre Vollgas fordern keinen Tribut. Seinen bekanntesten Hit, Senza una donna von 1991 (leider in der englischen Version) gibt er als Zugabe.
Richtig sentimental wird Mr. Bluesugar bei Miserere, seinem berühmten Duett mit dem verstorbenen Luciano Pavarotti, dessen Part über Video eingespielt wird. "Er bleibt in unseren Herzen", flüstert er und sieht, ohne den obligatorischen Hut, plötzlich ganz entblößt aus, eben wie ein Mann von 55 Jahren, der auf der Reise durch das Leben viel gesehen hat. Viele Zuschauer empfinden ähnlich, großer Beifall, der Koffer schließt sich: A Wonderful World - eine wunderbare Welt.