Bombastische Besetzung in der Basilika

Bombastische Besetzung in der Basilika

Generalmusikdirektor Victor Puhl freut sich auf das nächste Sinfoniekonzert in der Konstantin-Basilika am Donnerstag, 23. Juni. Im Zusammenspiel der Trierer Philharmoniker mit fünf Chören und zwei Solistinnen steht eine der größten Kompositionen der Orchesterliteratur auf dem Programm.

Trier. Wenn Victor Puhl von Gustav Mahler spricht, leuchtet eine spezielle Leidenschaft in seinen Augen. Spätestens seit der heutige Trierer Generalmusikdirektor (GMD) als 18-jähriger Yehudi- Menuhin-Preisträger in der bedeutenden, gotischen Kathedrale von Reims die monumentale 2. Sinfonie dirigieren durfte, ist der Franzose ein glühender Verehrer des österreichischen Komponisten (1860-1911).
Voller Stolz und Ehrfurcht sei er gewesen, berichtet Puhl im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund anlässlich seines insgesamt dritten Dirigates von "Mahler Zwo" (das zweite nach Reims fand in Jena statt) beim 8. Sinfoniekonzert, das am Donnerstag, 23. Juni, 20 Uhr, in der Konstantin-Basilika stattfindet.
Ebendort treffen wir Puhl beim Studium der Partitur vor der neuen, von ihm bewunderten Eule-Orgel, dem Instrument, das Puhl unbedingt in seine fünfte Aufführung von Mahlers Sinfonien in Trier einbauen wollte.Vertrag endet 2018

Eigentlich wollte der aus Metz stammende Franzose in seiner Trierer Zeit alle zehn Mahler-Sinfonien aufführen, geschafft hat er bis dato dann 1 bis 5 und die neunte. All das waren hörenswerte und denkwürdige Auftritte, in der nächsten Spielzeit steht dann das Adagio (1.Satz) der 10. an. Im Sommer 2018 endet sein Vertrag in Trier, man darf gespannt bleiben.
"Ich bin sehr dankbar und froh, dass ich in der besonderen Atmosphäre der Basilika mit "Hausherr" Martin Bambauer an der Orgel konzertieren darf", sagt Puhl.
Wie es sich für diese Sinfonie gehört, dirigiert der GMD eine ganz große Besetzung, über 220 Mitwirkende gestalten das 80-minütige Konzert: Das Philharmonische Orchester der Stadt Trier (plus Gastmusiker), der Bachchor, der Speechor, der Chor des Theaters, der Domchor inklusive seiner Jugendabteilung sowie zwei hochkarätige Solistinnen treten an.
Nathalie de Montmollin übernimmt den Sopran-Part, und die Altistin Ceri Williams wird im vierten Satz auch die berühmten Verse "Der Mensch liegt in größter Not, der Mensch liegt in größter Pein" intonieren. Die sogenannte Auferstehungs-Sinfonie ordnet Puhl heute - nach den Verrissen der ersten Aufführungen 1894 - als eine der erfolgreichsten Sinfonien von Mahler (mit über 100 CD-Aufnahmen) ein.Alle Stimmungen abbilden

Alle Stimmungen von der Totenfeier bis zur Auferstehung werden musikalisch abgebildet, vor allem der bombastische fünfte Satz soll optimistisch klingen.
Auf die problematische Akustik der großen Basilika angesprochen, lächelt Victor Puhl: "In der Kathedrale von Reims ist der Hall noch viel schlimmer gewesen, und die Aufführung war dennoch ein großer Erfolg".
Damals brauchte Puhl nur zwei Proben für das Konzert, diesmal haben die Musiker immerhin acht Repetitionen zur Einstudierung. Es wird ein großer musikalischer Abend in Trier werden.Extra

Victor Puhl über Gustav Mahlers 2. Sinfonie: "Insgesamt besteht die Sinfonie aus fünf Sätzen, zunächst einem langsamen Satz, nach dem Mahler eigentlich eine fünfminütige Pause vorschreibt. Dann ein gemächlicher Tanzsatz, wie bei Schubert, gefolgt von einem wunderbar und ohne Worte vertonten Lied über Sankt Antonius' Predigt an die Fische. Das ist sehr humorvoll gedacht, ich hoffe, dass wir das rüberbringen, sozusagen als Parabole. Der vierte Satz enthält das berühmte Alt-Solo und ist sehr feierlich. Im fünften Satz werden die Elemente der anderen Sätze zitiert, bis zu dem Punkt, an dem - inspiriert durch Beethovens Neunte - der Chor wieder in die Sinfonie eingebracht wird. Er beschreibt die Auferstehung, bis zum Moment des letzten Gerichtes, mit dem Ansatz, dass alle Menschen wiederauferstehen, erlöst werden." DT

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