Britisch cool, aber nicht unterkühlt

Sehr britisch ging das 22. Mosel Musikfestival diesmal in Kooperation mit dem Kultursommer Rheinland-Pfalz an den Start. Für das traditionell im Kloster Machern angesetzte Konzert war "The English Vocal Consort" unter der Leitung von Simon Halsey an die Mosel gereist.

Bernkastel-Wehlen. Ein bisschen wundern musste man sich schon, als man das Programm des offiziellen Eröffnungskonzerts des diesjährigen Mosel Musikfestivals durchlas. Da war nur von einem Vokal-Ensemble mit gerade einmal 17 Mitgliedern und einer Pianistin die Rede und trotzdem fand man im Programmablauf das Halleluja von Georg Friedrich Händel. Das kennt man doch anders, mit großem Orchester, Pauken und Trompeten.

Schlicht und nüchtern



Neben dem "Hear my prayer, O Lord" von Henry Purcell war aber der berühmte Chor aus dem Messias das vielleicht Beste, was das English Vocal Consort unter der Leitung von Halsey im ersten Teil des Abends, in dem die Barockmusik zentral stand, zu bieten hatte.

Frei von Pathos, überhaupt nicht aufgeblasen zu einem Klangkoloss, wie man es so oft hört, sondern schlicht, fast schon nüchtern erklang das Werk, ohne dass die darin steckende Ehrfurcht verloren ging. Lediglich den Klavierpart, ausgeführt von Zeynep Özsuca, hätte man sich ein wenig leichter gewünscht. Nach Purcell, Händel, William Byrd und Thomas Tallis widmete sich das Ensemble im zweiten Teil des Konzertes der Romantik und der tonalen zeitgenössischen Musik mit Werken von Edward Elgar, Hubert Parry und natürlich auch John Rutter.

Hier fühlte sich das Consort, das sich in dieser Form extra für dieses Konzert zusammen gefunden hatte, offensichtlich wohler, hinterließ einen geschlossenen, einen überzeugenderen Eindruck. Häufig wird das berühmte "Greensleeves" mit all zu viel Romantik überzogen. Im Arrangement von Ralph Vaughan Williams klang es sachlich schön. Wirklich britisch und patriotisch wurde es am Ende des Konzertes, das nach dem diesjährigen Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz unter der Überschrift "Cool Britannia" stand.

Mit "The British Grenadiers" in der Fassung von Rutter hatte Halsey einen Marsch in sein Programm aufgenommen, der auf den Britischen Inseln in seiner Beliebtheit direkt nach "Land of Hope and Glory" und "Rule, Britannia!" kommt. Jubelnder Applaus zeigte an, dass die unterhaltsame und überhaupt nicht unterkühlte Eröffnung des Festivals ein Erfolg war.

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