Buchkritik: Düsternbrook von Axel Milberg

Literatur : Fakt und Fiktion

Düsternbrook“ heißt der Debütroman von Axel Milberg, der sich damit in die Riege der schreibenden Schauspieler einreiht. Der geborene Kieler, der dem Fernsehpublikum als Tatort-Kommissar Klaus Borowski bekannt ist, hat einen Roman geschrieben, in dem Fakt und Fiktion verschwimmen.

In kurzen Episoden erzählt der Ich-Erzähler von seiner Kindheit und Jugend im Kieler Villenviertel Düsternbrook. Doch oft beschleicht den kleinen Axel das Gefühl nicht dazuzugehören. Ob es sich dabei um echte Erinnerungen des Autors handelt, bleibt dabei unklar.

Milbergs Roman liest man am besten mit einer großen Kanne Tee. Denn bei diesem Erstlingswerk heißt es abwarten, dass irgendwas passiert. Und es passiert – nicht viel.

Die Beobachtungen aus den Augen des jungen Protagonisten wirken verträumt, fast wie in einem Märchen. So reiht sich Anekdote an Anekdote, Spannung will jedoch nicht wirklich aufkommen. Milberg erzählt vom Einkaufsbummel mit seiner Mutter im Kieler Karstadt, der ihm eine völlig neue Welt bietet. Diese Erzählungen sind für waschechte Kieler interessant, die sich selbst an die Stadt und ihre Läden in vergangenen Jahrzehnten erinnern können. Doch einige Chancen, der Handlung eine spannende Wendung zu verpassen, lässt der Autor ungenutzt. So die Episode über den jungen Mann aus dem Lebensmittelladen, der möglicherweise Kinder entführt: nichts als ein Nebenstrang, der im Sande verläuft. Auch die Liebesgeschichte über Axels erste Liebe zu der hübschen Französin Francesca ist nicht mehr als eine weitere Anekdote.

Es dauert einige Seiten, bis man sich mit Milbergs Erzählstil vertraut gemacht hat. Doch so gewöhnungsbedürftig sein Stil auch ist, so unverwechselbar ist er auch. Wer den verschrobenen Kommissar Borowski kennt, hat über das gesamt Buch unwillkürlich Milbergs Stimme im Kopf. Er erzählt, wie er selbst ist: Etwas merkwürdig, aber humorvoll, sensibel und kreativ. Hier ist bestimmt das Hörbuch spannender. Wenn Milberg sein Werk selbst liest, zieht es den Hörer tiefer in die pseudo-realistischen Kindheitserinnerungen.

Michaela Hellmann

Axel Milberg „Düsternbrook“, Piper Verlag, 288 Seiten, 22 Euro.

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