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Buchkritik: Elizabeth Gilbert, City of Girls

AUFGESCHLAGEN - NEUE BÜCHER ELIZABETH GILBERT, CITY OF GIRLS : Ein Leben wie im Rausch

Elizabeth Gilbert kennt man vor allem von dem mit Julia Roberts verfilmten Buch „Eat,  Pray, Love“. Nun ist ihr neuer Roman „City of Girls“ in Deutschland erschienen.

Emanzipierte Frauen, freier Sex, ein unkonventionelles Leben – das gab es in den 1940er Jahren auch schon. Jedenfalls in New Nork City. Elizabeth Gilbert hat ein Buch geschrieben, in dem Frauen keine Opfer beherrschender Männer sind, sondern ihr Leben selbst bestimmen und Tabus überschreiten. Was allerdings nicht immer ohne Konsequenzen bleibt.

Vivian, Tochter aus gutem Hause, ist 19 Jahre alt und kümmert sich lieber um ihr gutes Aussehen als um die Schule. Zum Leidwesen ihrer Eltern. Als sie durch alle Prüfungen fällt, schicken sie Vivian im Sommer 1940 nach New York City zu ihrer unkonventionellen Tante Peg.

Ausgerechnet! Denn wenn sie gewusst hätten, was für ein turbulentes Leben ihre lebenshungrige Tochter dort fortan führen würde, hätten sie es sich sicher anders überlegt.

Während die deutsche Luftwaffe England bombardiert und Amerika noch überlegt, in den Zweiten Weltkrieg einzugreifen, tobt in New York das Nachtleben.

Mittendrin: Tante Peg, die das etwas in die Jahre gekommene, von der Fachwelt wenig beachtete Theater Lily Playhouse führt. Dort zeigt sie Shows für die Arbeiterklasse aus der Nachbarschaft. „Ich zeige lieber hübsche Beine statt schlechten Shakespeare“, lautet ihr Motto.

Vivian, die von ihrer Großmutter das Nähen gelernt hat, kümmert sich um die Kostüme der Revuegirls und Tänzerinnen. Schon bald wird aus dem schüchternen Landei eine selbstbewusste Frau, die in vollen Zügen das wilde Partyleben genießt.

Als Schauspielerehepaar Edna und Arthur Watson bei einem deutschen Luftangriff ihr Londoner Stadthaus verlieren, suchen sie Unterschlupf bei Tante Peg. Vivian ist fasziniert von der charismatischen, warmherzigen Frau. Doch dann begeht Vivian einen schweren Fehler, der einen öffentlichen Skandal auslöst und ihr Leben erneut in völlig neue Bahnen lenkt.

Sie kehrt zurück in die Provinz, um nach einer Zeit der Reue und Zurückgezogenheit erneut in ihre Lieblingsstadt zu ziehen, um diese nicht mehr zu verlassen. Als betagte Frau erzählt sie Angela, der Tochter ihrer einzigen wirklichen Liebe, was deren Vater für sie bedeutet hat und wie sie ihr Leben rückwirkend bewertet. Was für ein umwerfendes Buch. Und was für eine sympathische Heldin. Gierig stürzt sie sich ins Leben, genießt ihre Freiheit und knüpft Freundschaften fürs Leben. Dreh- und Angelpunkt ist das Lily Playhouse, ein ganz eigener Kosmos mit glamourösen Revuegirls, charismatischen Darstellern und der großherzigen Tante Peg, die mit allen Mitteln versucht, ihr angestaubtes Theater am Leben zu erhalten.  Elizabeth Gilbert, die selbst sowohl Männer als auch Frauen liebt, hat ein Buch über Lust und Verlust, Freundschaft, Erfolg aber auch gesellschaftlichen Absturz geschrieben. Es ist ein mitreißender, spritziger Unterhaltungsroman, der sich auch gut auf der Kinoleinwand machen würde. „Der Roman funkelt wie Diamanten im Champagner“, urteilt die Washington Post. Anders gesagt und um im Bild zu bleiben: Er liest sich so gut, wie ein süffiger Rosé mit Eiswürfeln an einem schwülwarmen Sommerabend auf der Terrasse bei Sonnenuntergang schmeckt.

Stefanie Glandien

Elizabeth Gilbert, City of Girls, S. Fischer Verlag, Paperback, 496 Seiten, 16,99 Euro