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Buchkritik: Journalist Bernard Bernarding rechnet mit der Bibel ab

Religionskritik : Respektlose Fragen an einen gar nicht so lieben Gott

Journalist Bernard Bernarding verreißt die Bibel.

Es ist schon eine seltsame Geschichte, die uns die Bibel da erzählt. Von einem allmächtigen, allwissenden Gott, der aber die Geschöpfe, die er zu schaffen beliebte, nicht unter Kontrolle bekommt. Der sie daher ständig mit Plagen aller Art geißeln muss, seine Gunst willkürlich verschenkt, oft kleinlich, eifer- und rachsüchtig ist. Ein nach unseren „christlich-abendländischen“ Maßstäben oft bösartiger, brutaler, herzloser, sogar rassistischer Kriegsgott.

Viele Christen nehmen das Alte Testament pragmatisch als interessantes Stück Kulturgeschichte und halten sich am gütigen, verzeihenden Jesus der Bergpredigt fest. Bernard Bernarding will es ihnen und den Kirchen nicht so einfach machen. Die Theologie von Erbsünde, Erlösung, Gnade, die ganze kirchliche Sicht auf den Kreuzestod Jesu macht ohne das Alte Testament keinen Sinn. Das weiß der einstige Messdiener Bernarding. Und so legt sich der Journalist, der es als Korrespondent und stellvertretender Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung bis zu seinem Ausscheiden vor zwei Jahren gerne mit den Herrschenden in Politik und Wirtschaft aufnahm, beherzt mit dem Allmächtigen an. In seinen Buch „Und Anna seufzte zum Himmel empor“ seziert er die Bibel von der Schöpfungsgeschichte über den Exodus bis ins Neue Testament, arbeitet sich an den „fragwürdigen Helden“ Abraham, Moses und David ab und zeichnet die Erfindung der christlichen Lehre durch Paulus und die Entstehung kirchlicher Dogmen mit ihren teils aberwitzigen Argumentationsketten kritisch nach. Ein mutiges Projekt für einen bekennenden Nichttheologen, bei dem Vertreter der Zunft sicher methodische Einwände haben mögen. Bernarding geht nicht penibel mit Sekundärquellen um und zitiert auch schon mal einen Spiegel-Artikel als Beleg. Nicht immer wird klar, warum jene Bibel-Aussage als Produkt der Fantasie, eine andere wörtlich zu nehmen ist oder warum etwa die strittigen Textstellen beim Römer Flavius Josephus unhinterfragt als Beleg für die historische Existenz Jesu gelten? Und die etwas leichthin formulierte These, der Holocaust sei ein Religionskrieg gewesen, verdient energischen Widerspruch.

Bernarding stellt aber erfrischend respektlos ganz einfache Fragen, auf die er wohl schon als Klosterschüler unbefriedigende Antworten bekommen haben dürfte. Warum vernichtet Gott in Sodom und Gomorrha auch Schuldlose? Warum liebt er David, den lüsternen Leichenschänder, der nur „in euphemistischer Verdrehung der Fakten“ als Vorbild glorifiziert werden könne? Was im Ernst soll es uns lehren, dass Abraham seinen Sohn heimtückisch zu schlachten bereit ist und Lot seine Töchter zum Missbrauch anbietet? Und „warum um Himmelswillen sollten Sünder in aller Welt plötzlich von ihrem Joch befreit sein, wenn in Jerusalem jemand ans Kreuz genagelt wird?“

Ein Verriss der Bibel. Für Gläubige eine Zumutung, für Glaubensskeptiker ein Vergnügen.

Bernard Bernarding: Und Anna seufzte zum Himmel empor – Warum der liebe Gott manchmal böse und die Bibel schier unglaublich ist. Tectum Verlag, 246 S., 28 Euro.