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Buchkritik zu Andrew Cartmel, Killer Rock

Rezension : Typisch britischer Humor

Die schwarzen Vinylscheiben drehen sich wieder. Doch diesmal sind es nicht nur die großen LPs, sondern auch die kleinen Singles. Die mit 45 Umdrehungen pro Minute. Gerade auf sie macht der Vinyl-Detektiv mit seinem Team jetzt Jagd.

Denn er hat einen neuen Auftrag bekommen. Der führt ihn zurück in die Sechzigerjahre – Sex & Drugs & Rock‘n‘Roll halt, aber auch eine Zeit, in der es noch keine mp3-Player gab. Im Roman geht’s zwar zunächst um die Suche nach dem kleinen Sohn einer bekannten englischen Musikerin, doch dabei auch um eine ihrer Singles. Die Rockmusikerin Valerian hatte eine verführerische Stimme: Die Männer verfielen ihr reihenweise, und jetzt will ihr Bruder – über den Vinyl-Detektiv – herausfinden, was damals tatsächlich geschah: Wer das Kind womöglich entführte und warum seine Schwester höchstwahrscheinlich Selbstmord beging. Der – übrigens namenlose – Vinyl-Detektiv, seine Freundin Nevada, sein verfressener Kumpel Tinkler sowie Taxifahrerin Clean Head machen sich auf die Suche nach der selbstverständlich kniffligen Lösung.

Dabei begegnen sie jeder Menge verschrobener, äußerst spleeniger Typen – so etwa Freddie 45, der in einer riesigen Scheune Herr über Zehntausende Singles ist, einem kauzigen Ex-Gitarristen von Frank Zappa, einem arroganten Promi-Fotografen und einem seltsamen Psychologen. Äußerst skurril das alles – very British eben. Der Roman – ständig gespickt mit den (Un)Taten der beiden Katzen Turk und Fanny – schließt in seiner Schrägheit beinahe nahtlos an das erste Abenteuer „Murder Swing“ (st 4937) des Vinyl-Detektivs an, in dem es um den Jazz der Dreißiger- bis Fünfzigerjahre geht.

Die Skurrilität des Krimis kommt nicht von ungefähr: Autor Andrew Cartmel (Jahrgang 1958) gilt als Meister seines Fachs. Er ist unter anderem script editor für die Kult-Reihe „Doctor Who“ sowie Drehbuchschreiber für weitere Fernsehserien und auch Romanautor. „Killer Rock“ ist im Übrigen dem britischen Top-Autor Ben Aaronovitch gewidmet, dem auch schon im ersten Band gedankt wird. Fazit: ein spannender und auch witziger  Krimi, in dem nicht nur reichlich spleenige Charaktere vorkommen, sondern in den auch leicht lesbar viel musikalisches Fachwissen eingearbeitet ist. Sehr unterhaltsam! In Großbritannien liegen bereits zwei weitere Krimis mit dem Vinyl- Detektiv vor. Für Lesenachschub auch im deutschen Sprachraum ist also bald gesorgt. Jörg Lehn

Andrew Cartmel: Killer Rock. Thriller. Aus dem britischen Englisch von Susanna Mende, Suhrkamp, 442 Seiten, 10,95 Euro.