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Buchstaben, Edelsteine und Gold

Buchstaben, Edelsteine und Gold

Um Bücher und Schreibkunst vergangener Jahrhunderte ging es am Wochenende bei der ersten Kinderführung durch die Schatzkammer der Stadtbibliothek Trier. Geboten bekamen die neun kleinen Teilnehmer kindgerechte und fachkundige Informationen. Später konnten sie selbst kreativ werden.

Trier. Die verschnörkelten Buchstaben sind wie im Farbenrausch gemalt. Manchmal nehmen sie eine ganze Seite eines Buches ein. Bei der ersten Kinderführung in der Schatzkammer der Stadtbibliothek Trier können sich junge Besucher solche Kunstwerke unter fachkundiger Leitung ansehen. Fasziniert stehen sie vor den hell erleuchteten Glasvitrinen. Elmar Bach, einer von insgesamt 45 Ehrenamtlichen, die sich in der Schatzkammer engagieren, weist sie immer wieder auf spannende Details in den Initialen hin, die am Anfang eines Textes oder Buches stehen. Manchmal sind die Buchstaben so verschnörkelt, dass man sie kaum erkennen kann. Aber Bach hat es heute mit aufgewecktem Publikum zu tun, das sich die Werke aus dem mittleren und hohen Mittelalter genau ansieht. Dass beispielsweise im Strich des Buchstaben Q ein Mensch abgebildet ist, entdecken die Kinder gleich. "Der Maler und Schreiber des Buches heißt Engelbert", erklärt Elmar Bach und berichtet, dass er sich mit dem kleinen Bild selbst verewigt hat. Die Drachenköpfe, die aus einem A entspringen und bunt gestaltet sind, beeindrucken die Kinder besonders. Doch das Interessanteste für die kleinen Entdecker ist der Deckel des Ada-Evangeliars, denn es ist mit Gold und Edelsteinen besetzt. Zuerst können die Kinder kaum glauben, dass es tatsächlich echte Edelsteine sind, mit denen das Buch verziert ist. Wie viel es wert ist, kann ihnen Elmar Bach nicht sagen, aber er weiß, dass der Wert der gesamten Bücher der Schatzkammer bei 500 Millionen Euro liegt und dass einige der ausgestellten Bücher so viel kosten würden wie ein Einfamilienhaus. "Ein so tolles Buch hat man auch nicht einfach nur zu Hause in der Vitrine stehen lassen, sondern es wurde auch zu Prozessionen mitgenommen und den Menschen gezeigt", berichtet er. Jede Menge Handarbeit

Nach dem Besuch der Schatzkammer erklärt Mechthild Bach den Kindern, wie ein Buch damals gemacht wurde: Dass es aus Scharf- oder Ziegenhaut gefertigt wurde und 75 Tiere nötig waren, um ein mittelgroßes Werk herzustellen. Eine Wachstafel, auf der die Mönche vorgeschrieben haben, können die Kinder anfassen, und Gänsefedern, die früher als Stifte gedient haben, hat Mechthild Bach auch dabei. "Es gab sogar ein Rezeptbuch, in dem stand, wie man Farben herstellen konnte, um die prächtigen Initialen zu malen", erklärt sie den Kindern. "Mit Hilfe von Schlehen, Grünspan, Purpurschnecken oder gemahlenen Steinen wurden sie hergestellt", erfahren die erstaunten jungen Zuhörer. Zum Abschluss der Veranstaltung können die Kinder dann selbst ein reich verziertes Initial ausmalen und ihren Namen in einer alten Schriftart schreiben.Die Kinderführungen finden an jedem ersten Samstag im Monat statt. Sie sind kostenlos und richten sich an Kinder zwischen acht und vierzehn Jahren. Sie haben unterschiedliche Schwerpunkte wie beispielsweise "die Fabeln des Äsop", "Initialen" oder die Gutenberg-Druckphase.Extra

... Michael Embach, Leiter der Stadtbibliothek Trier: Wie bewerten Sie das erste Jahr der Schatzkammer Trier? Michael Embach: Es war ein spannender Prozess mit einem vielschichtigen Ergebnis. 5000 Besucher waren da. Für so ein kleines Museum ist das eine ordentliche Zahl. Aber nur Vitrinen mit kostbaren Büchern ausstellen, reicht nicht. Es ist eine organisatorische Aufgabe, die Leute einzuladen und zu betreuen. Dazu konnten wir 45 Ehrenamtliche begeistern. Wer besucht die Schatzkammer? Embach: Wir haben viele Besucher aus dem Saar-Lor-Lux-Raum. Zudem haben wir ein breitgefächertes Programm für Familien und Kinder. Gerade Kinder sind oft fasziniert von den Büchern, die sie hier sehen, weil es ihnen ein Portal in andere Zeiten öffnet. Zudem freut uns, dass viele Trierer schon hier waren, und wir haben das Gefühl, dass sie stolz auf die Schatzkammer sind. Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen? Embach: Die Zustimmung ist insgesamt ungebrochen, aber wir würden uns freuen, wenn die Bus-Touristikanbieter uns noch mehr wahrnehmen und in ihre Programme aufnehmen würden. chb