Bückware und andere famose Frivolitäten

Bückware und andere famose Frivolitäten

Freizügige Bilder, fantastische Berichte, fabelhafte Musik: Götz Alsmann und seine Band haben bei ihrem "Herrenabend" im Lokschuppen in Gerolstein rund 300 Gästen besondere Einblicke in die Nachkriegszeit - und deren Herrenmagazine - gewährt.

Gerolstein. Ob\'s an der expliziten Einladung lag oder doch schlicht an der Person des Künstlers? Sei\'s drum. Jedenfalls haben auch viele Damen Götz Alsmanns "Herrenabend" beigewohnt. Schätzungsweise die Hälfte der rund 300 Gäste. Ob sich so etwas gehört? In den ersten Nachkriegsjahren, in die der eloquente Entertainer in schwarzem Smoking mit weißem Hemd und schwarzer Fliege das Publikum entführte, vermutlich nicht - wollte man nicht als Dame vom Fach abgestempelt werden. Da galt es einerseits (das Land) aufzuräumen, andererseits im Haushalt und an der Seite des Mannes seine Frau zu stehen. Fleißig, ordnungsliebend, sittsam.
Doch auch bei den Herren galten unumstößliche Grundsätze korrekten Verhaltens - allen voran Pflichtbewusstsein.
Und doch gab es auch andere Seiten. Sehnsüchte, die durch den aufkommenden Jazz oder den Blick rüber ins Nachbarland Frankreich aufkamen.
Und es gab eben solche, in denen Mann blätterte und mehr über derart zwielichtige, ruchbare und selbstverständlich verwerfliche, aber dann doch durchaus interessante Entwicklungen erfuhr.
"Bückware" nannte Alsmann sie treffend. Und jeder wusste Bescheid. Also die Heftchen, die nicht auslagen, sondern erst unter der Ladentheke hervorgeholt werden mussten. Magazine mit den eindrucksvollen Namen wie "Toxi", "Gondel", "Neue Wiener Melange" und eben das scharfe "Paprika". Das waren aber beileibe keine Pornomagazine oder Schmuddelheftchen, wie aus den 60er und 70er Jahren bekannt, sondern: Herrenmagazine. Zeitschriften nicht für den ewig Junggebliebenen, sondern den gestandenen Lebemann. Und die brachte Alsmann dem Publikum näher - indem er daraus vortrug oder eben Bilder der Schönheiten dieser Zeit auf die Leinwand projizieren ließ. Beides ein Genuss.
Das Lächeln auf dem Gesicht so manches älteren Herren im Publikum ließ aber durchaus darauf schließen, dass hier kein Neuland betreten wurde. Vielmehr wurden alte Erinnerungen beim Blick auf die Pinup-Fotos freigelegt. Und während Mann dahinschwelgte, tippte Frau bei den von der famosen Band (Altfrid Maria Sicking: Vibrafon, Michael Müller: Bass, Markus Paßlick: Percussion, Rudi Marhold: Schlagzeug) dargebotenen Cha-Cha-, Swing- oder Samba-Rhythmen und Liedklassikern wie "Ich küsse Ihre Hand, Madame" oder Dizzy Gillespies "Tin Tin Deo" beschwingt aufs Knie.
Unanständige Meisterinnen



Da wurde es vielen warm ums Herz. Und erst bei den von Alsmann vorgetragenen Berichten! Berichte von den französischen Frauen, die einen Ruf als "gefährliche Meisterinnen der Unanständigkeit" genossen. Von ausschweifenden Tanzveranstaltungen mit Jazzmusik oder von den Auswirkungen des Konsums beliebter Rauschmittel wie Alkohol, Äther, Kokain oder Opium auf das Liebesleben. Also Sex & Drugs & Rock \'n\' Roll. Aber so hieß das ja erst später.

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