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Bülent Ceylan mit Luschtobjekt in Trier: So lustig ist die Lust

Kostenpflichtiger Inhalt: 3500 Zuschauer : Bülent Ceylan begeistert in Trier: So lustig ist die Lust

Bülent Ceylan begeistert mit „Luschtobjekt“ in Trier. Dabei zeigt er sich überraschend offen, was Familie, Ängste und Sex angeht. Der Comedian nimmt kein Blatt vor den Mund – auch in Bezug auf die AfD.

Plötzlich ist es leise in der Arena Trier. Auch wenn der Spruch mit der fallenden Stecknadel ziemlich abgedroschen ist, hier passt er. Auf der Bühne steht er, der Türke. Langes schwarzes Haar, ein schmaler Bart von der Unterlippe zum Kinn, ganz in schwarz. Er lacht nicht, sondern scheint Tränen in den Augen zu haben: „Ich bekomme Angst“, sagt er, „wenn ich sehe, was politisch in diesem Land passiert. Meine Kinder sind nicht zu einhundert Prozent Deutsche, ich bin halb Kanacke.“

Gemeint sind der AfD-Politiker Björn Höcke „und diese ganze Scheiße“, wie Ceylan sie nennt. Dann singt er gegen die Angst an. Freiheit von Marius Müller-Westernhagen. „Freiheit ist das Einzige, was zählt“, stimmen die 3500 Zuschauer in der Arena Trier ein. „Genau das hier sind die Momente, in denen ich weiß, dass ich richtig in diesem Land bin“, sagt der in Mannheim geborene Halb-Türke, der sich selbst „de Türk“ nennt.

Es sind allerdings nicht die Momente, wegen denen die Zuschauer sich eine Karte gekauft haben. Sie wollen den „Türken“, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Und den bekommen sie, tabuloser als je zuvor. Denn die Erwartungen, die der Name des neuen Programms „Luschtobjekt“ (und nicht, wie laut Ceylan viele Frauen lasen „Lutschobjekt“) weckt, werden übertroffen.

„Habt ihr Lust?“, schreit der 44-jährige Mannheimer am Anfang. Dann zieht er sich aus, präsentiert seinen trainierten Körper, bei dem deutlich wird, dass er wie angekündigt acht Kilo abgenommen hat. Dann geht die Reise durch das Reich der Lust los. Ceylan erklärt Orgasmen in verschiedenen Sprachen. Beispiel: Deutsche Männer (mit Ausnahme der Trierer) würden nach 30 Sekunden sagen: „Ich komme“, und die Frauen erwidern: „Ich gehe“.

Außerdem präsentiert er dem Publikum Sex-Fakten, die an sich schon so lustig sind, dass es nicht Bülent Ceylan selbst ist, der für die Lacher sorgt. So darf man in Bhutan erst Sex haben, wenn der größere Bruder keine Jungfrau mehr ist. In Tallinn (Estland) ist es per Gesetz verboten, während des Geschlechtsaktes Schach zu spielen.

Eine von Ceylans Kunstfiguren, Dauersingle Harald, bringt ein Thema in die Halle, das sich an diesem Abend mehrfach wiederfindet: gleichgeschlechtliche Ehe. „Das mit der Ehe für alle ist ja gut, aber mir hat niemand gesagt, wie man das Recht durchsetzt, wenn man eine Frau sieht“, klagt Harald.

Zurück in der Rolle des Original-Bülent, kommt das Thema bei der neuartigen Aufklärung wieder auf den Tisch. „De Türk“ erklärt Sex anhand eines Smartphone-Weibchens, das sich mit einem Ladekabel paart. Oder, wenn es keine Lust auf einen Mann hat, sich eine Ladeschale sucht. Das klingt witzig und gleichzeitig sinnvoll – und zieht einen tosenden Applaus nach sich.

Auch Ceylans bekannte Figuren, der Proll Hassan, die Pelzmantel-Fetisch­istin Anneliese und Hausmeister Mompfred feiern jeweils Kurzauftritte – ebenso wie die neue Figur des Donnergottes Thor. Vom Auftritt in Trier bleibt aber vor allem, dass sich Bülent Ceylan extrem natürlich zeigt. Auch wenn er Hallen fülle, seien sein größter Erfolg seine Familie und Kinder. Er nimmt die Fans mit in sein Zuhause und zeigt ein Foto, auf dem seine Kleinen ihm Zöpfe geflochten haben – herrlich lustig. So persönlich hat man „de Türk“ selten erlebt.

Und so musikalisch ebenfalls selten. Denn Ceylan beweist, warum er es im vergangenen Jahr bei der ProSieben-Serie „The Masked Singer“ bis ins Finale schaffte und warum er sich zutraut, im August auf dem Wacken Open Air aufzutreten. Mit seiner Version von „Nothing Else Matters“ von Metallica rührt er die Fans zu Gänsehaut, mit „Atemlos“ (Helene Fischer) bringt er sie zum Tanzen – und mit „Freiheit“ erinnert er sie daran, wie wichtig und wie wenig selbstverständlich diese ist.

Vor dem Auftritt hat volksfreund.de mit Bülent Ceylan über sein Programm, seine Diät und seine ganz persönlichen „Luschtobjekte“ gesprochen. Das Interview lesen Sie hier.