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Bunte Farben, zerbrechliche Distanz

Bunte Farben, zerbrechliche Distanz

Fotografien, Plastiken, Malereien - die Gesellschaft für Bildende Kunst Trier hat in der Tufa ihre Jahresausstellung eröffnet. Sie zeigt einen breiten Querschnitt der Arbeiten ihrer Mitglieder, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auch Werke von Gästen sind dabei zu sehen.

Trier. (alo) "Darf ich Ihren Fahrschein sehen?" Die Besucher der Tuchfabrik sind verblüfft. Fahrschein? Das hier ist doch eine Vernissage! Die Lösung steckt in einem Kunstwerk: Laas Koehler hat eine Bushaltestelle errichtet, mit der "weiten Welt" als Ziel. "Schließlich beginnt ja jetzt der Kultursommer Rheinland-Pfalz, der sich mit Grenzen beschäftigt", sagt er. Seine Bushaltestelle lädt dazu ein, die Vielfalt der Region zu erkunden, ohne den Ursprung endgültig zu verlassen.

Koehler ist zwar kein Mitglied der Gesellschaft für Bildende Kunst in Trier, doch auf der Jahresausstellung des Vereins ist er einer von mehreren Gästen, die ihre Werke zeigen dürfen. Der Fokus der Ausstellung liegt jedoch auf den Mitgliedern des Vereins. "Damit zeigen wir einen Querschnitt des künstlerischen Schaffens aus Trier und der Region", sagt Lydia Oermann, erste Vorsitzende des Vereins.

Im zweiten Stockwerk der Tufa sind 99 Werke von rund 60 Künstlern zu sehen: Fotografien, Collagen, Plastiken bis hin zu Malereien. Sie alle unterscheiden sich teilweise gravierend voneinander, auf ein gemeinsames Motto hat der Verein verzichtet. "Jeder Künstler sollte selbst entscheiden, was er ausstellen will", sagt Oermann. Auch sie hat ein Werk beigesteuert, das sofort die Blicke auf sich lenkt: Ein Postkartenständer mit kunterbunten, farblich abgestimmten Plexiglas-Postkarten. Die enthüllen erst beim genaueren Hinsehen ihre wahre, kritisierende Absicht - wenn zum Beispiel das Bild eines armen Wasserträgers mit der Urlaubsbotschaft "Jeden Tag ans Meer" verknüpft wird.

Pure Lebensfreude ist dagegen bei Pia Müllers "Puppenstunde" zu sehen - eine Serie von Fotos, bei der eine Frau eine Erdbeere genüsslich zermatscht und verspeist, dem inneren Kind freien Lauf lässt. Das genaue Gegenteil ist bei den "Distanz"-Bilden von Daniel Schieben zu sehen: Er hat eine Schauspielerin vom Fernseher abfotografiert und so weit aufgelöst, dass auf einem weißen Bild nur aus der Entfernung ein Hauch ihrer Gesichtszüge zu erkennen ist, der nun sehr zerbrechlich erscheint. EXTRA Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist bis zum 23. Mai zu sehen. Dienstags, mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 17 bis 20 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 15 Uhr. (alo)