Caroline Stolz inszeniert Michael Cooneys überdrehte Farce „Cash – Und ewig fließen die Gelder“.

Theater : Klamauk auf der Bühne, Wehmut bei der Arbeit

Caroline Stolz inszeniert Michael Cooneys überdrehte Farce „Cash – Und ewig fließen die Gelder“.

Melvin Hayes ist ein britischer Schauspieler, der auf der Insel durch zahlreiche Fernsehserien bekannt geworden ist. Auch im Kino und auf der Bühne ist er in Erscheinung getreten – unter anderem in der Farce „Cash on delivery“ von Michael Cooney. Als er sich darauf vorbereitete, gestand der Künstler in einem Interview, habe er das Stück dreimal gelesen – aber keinmal verstanden.

Ist es einem der Schauspieler oder der Schauspielerinnen, die in Trier in „Cash – Und ewig rauschen die Gelder“, so der deutsche Titel, auftreten, ebenso ergangen? „Ich selbst habe die Erfahrung gemacht“, gesteht Caroline Stolz, die Regisseurin der Komödie. „Das Stück ist wirklich so verwickelt, dass man jeden Moment denkt, verwickelter kann es nicht werden. Und dann wird es tatsächlich doch noch verworrener. Aber so verwirrt wie zu Anfang der Proben sind wir glücklicherweise nicht mehr.“ Dennoch: Die Schauspieler müssten sich ungeheuer konzentrieren, und das werde auch vom Zuschauer verlangt: Wer nicht am Ball bleibt, wird handlungsmäßig leicht abgehängt.

„Aber gerade durch diese Chaotik entsteht auch eine wahnsinnige Komik“, sagt Stolz, deren zweite – und letzte – Regiearbeit in der laufenden Trierer Spielzeit diese Komödie ist. Schon bei ihrer ersten Arbeit hat sie ihre leichte Hand für die schwere Arbeit am Humor bewiesen, und zwar mit dem im Studio erfolgreich laufenden Vierpersonenstück „Hinter der Fassade“, wo der innere mit dem äußeren Monolog aller vier Darsteller für Schreck- und Komikmomente sorgt.

In „Cash …“ geht es um einen Mann, der seiner Frau verschweigt, dass er seit zwei Jahren arbeitslos ist. Trotzdem haben die beiden keine finanziellen Sorgen, denn Eric Swan kassiert für ein fiktives Heer Hilfebedürftiger, die angeblich in seinem Haus leben, unter anderem Alters-, Invaliden-, Unfall- und Frührente, Schlechtwetter-, Kranken-, Wohn- und Kindergeld und vieles mehr. Der Schwindel droht jedoch aufzufliegen, als ein Mitarbeiter vom Sozialamt vorbeischaut, um sich die vom Staat Gepäppelten einmal genauer anzusehen. Prompt wird ein Karussell aus Lügen, Vortäuschungen, Verwandlungen, Tricks und Finessen in Gang gesetzt, das sich immer schneller bewegt, bis zum Schluss allen Beteiligten – inklusive der Zuschauer – ordentlich schwindlig ist.

Blickt man genauer durch die doppelten und dreifachen Böden der Komödie, wird man feststellen, dass die Grundidee dieser überdrehten Lustbarkeit alles andere als lustig ist: Sozialbetrügerei ist schließlich kein Kavaliersdelikt. Trotzdem will Caroline Stolz den moralischen Zeigefinger in der Tasche lassen. „Es ist ja nie komisch, wenn es nicht auch ernsthaft ist“, erklärt sie. „Für mich ist das höchste Gebot bei einer Komödie, dass sich die Komik an der Ernsthaftigkeit brechen muss. Deshalb gibt es natürlich auch diese ernsthafte Seite – zum Beispiel immer dann, wenn die Figuren in Not geraten. Und Komik entsteht in dem Moment, wenn sie sich aus dieser Notlage herauszuschwindeln versuchen.“ Gespielt wird ohne Pause – auch deswegen, um den humoristischen und gagreichen „flow“ der Farce nicht abreißen zu lassen. „Die Verwicklungen sind so groß“, begründet die Regisseurin ihre Entscheidung, „dass die Zuschauer nach zwanzig Minuten Unterbrechung vermutlich nicht mehr wissen, wer denn nun wer war.“

Eine auf sekundengenaue Pointensetzung angelegte Inszenierung fordert auch den Schauspielern eine Menge ab. Wie kann man da mit einem frisch zusammengesetzten Ensemble, wie es am hiesigen Theater in dieser Saison auf der Bühne schon öfter zusammengekommen ist, eine „homogene“ Spielweise entwickeln? „Es klappt sogar ausgezeichnet. Ich war sehr überrascht, und zwar positiv, als sich herausstellte, dass die Kollegen auf Anhieb wunderbar miteinander spielen konnten. Da ich viel als Gastregisseurin unterwegs bin, habe ich da auch schon ganz andere Dinge erlebt …“

„Cash …“ ist Stolz‘ vorerst letzte Inszenierung in Trier, die als Interims-Intendantin an der Seite von Alexander May das Theater am Ende der Spielzeit verlassen wird. Auch die meisten Schauspieler werden wieder in alle Winde zerstreut, wenn das Stück abgespielt ist. „Und das macht uns trotz allem Jux bei unserer Arbeit auch ein kleines bisschen wehmütig.“

Aber zunächst darf gelacht werden, und zwar am Samstag, 3. März, 19.30 Uhr, im Großen Haus. Karten unter 0651/718-1818.

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