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CD-Kritik: Joseph Moog spielt Liszt

Musik : Musik der Engel – Musik der Teufel

Die h-Moll-Sonate von Franz Liszt gehört zu den pianistischen Schlachtrössern. Unzählige Male wurde sie gespielt, aufgenommen, gedruckt, analysiert. Unzählige Male erntete sie Lobreden oder Verrisse.

Unzählige Pianisten haben sich an dieser Sonate versucht – mal mit mehr, mal mit weniger Glück. Ist diese Musik abgespielt – ein Fall nur noch für das x-te Konservatorienkonzert? Joseph Moog zeigt auf seiner neuesten CD: Aus dieser Sonate und generell aus Liszts Klavierwerk lassen sich immer noch neue Nuancen, neue Zwischentöne gewinnen. Moog, der Pianist mit Wohnsitz in Wincheringen und einer internationalen Karriere, sucht und findet neue Aspekte in dieser reichen Musik. Er schärft die für Liszt charakteristischen Gegensatzpaare. Liszts Musik bleibt Musik von Himmel und Hölle, von Engeln und Teufeln, von religiöser Emphase und freigeistiger Offenheit. Und dazu mit einem pianistischen Anspruch, der sich ins Riesenhafte auswächst.

Aber Moog geht noch einen Schritt weiter. Er bezieht zum traditionellen Virtuosenbild deutlich Distanz.  Da spielt nicht mehr der Klavierlöwe, der den Flügel donnern und die Herzen der Damen höherschlagen ließ. Moog legt über Liszts Musik eine Aura von Noblesse und Eleganz. Diese Aura adelt nicht allein die Interpretation der h-Moll-Sonate, sondern auch die beiden pianistischen Legendenbilder und die „Fantasia quasi Sonata“ nach Dante. Und weil Moog mit äußerster Sorgfalt jedes Detail der Kompositionen ausspielt, wirken auch die ätherischen Pianissimi in seiner Interpretation nicht matt und gekünstelt, sondern ungemein präsent und intensiv. Für alle, die Liszt mögen, und für alle, die ihn besser kennenlernen wollen, ist diese CD ein großer Gewinn.

Unter der künstlerischen Leitung von Joseph Moog wird im Spätsommer 2010 wieder die Konzert Sommerakademie stattfinden. Das Spektrum der Kursangebote wird erweitert um den Bereich Kammermusik. Die Kurse richten sich an professionelle Musiker, aber auch an junge Talente. Als Dozenten haben unter anderem zugesagt:  Haoxing Liang, Konzertmeister des Luxemburger Orchestre Philharmonique, der Pianist Kai Adomeit und der Cellist Moritz Reutlinger. Und selbstverständlich ist auch Joseph Moog als Dozent aktiv.  Martin Möller

Joseph Moog: Zwischen Himmel und Hölle. Klaviermusik von Franz Liszt. Sonate h-Moll, Searle-Verzeichnis, (S.) 178,  „Zwei Legenden“ S. 175, „Dante-Fantasie“ aus den „Années der Pèlerinage“, S.161, Csárdas obstinée, S. 225/2. ONYX 4159 (CD)