1. Region
  2. Kultur

Chansons und mehr vom chinesischen Sachsen

Chansons und mehr vom chinesischen Sachsen

"Oh Tannenbaum" mit chinesisch-sächsischem Akzent, auf gesanglich hohem Niveau auf die Bühne gebracht? Wem das nicht zu exotisch ist, der sollte Sänger Ming Cheng eine Chance geben. Am Mittwoch, 14. Dezember, gastiert der Leipziger Chinese zum ersten Mal in Trier.

Trier. Braver Maschinenbau-Student in einer chinesischen Provinzstadt: fleißig, konform, ein Leben in Reih und Glied. So ging es Ming Cheng vor zehn Jahren. Bis er sich entschloss, einen ganz anderen Weg zu gehen. "Ich habe die Schnauze voll gehabt", erinnert sich der 30-Jährige. Sein Plan war so einfach wie exotisch: in Deutschland zu studieren. Nichts mit Maschinenbau, sondern Sinologie, tief in Sachsen, in Leipzig. "Ich konnte kein Wort Deutsch, wusste auch nichts über Deutschland. Da fühlt man sich anfangs verdammt fremd. Aber wenn man keine Ahnung hat, hat man auch keine Angst."
Einen leichten Akzent hört man heute noch, wenn man mit Ming Cheng telefoniert. Aber die Sprachbarriere ist längst übersprungen. In Sachsen hat er sich als Chanson-Sänger einen Namen gemacht. So bescheinigte ihm das ARD-Magazin Brisant "das Talent zum großen Star". Die großen Hallen füllt Ming Cheng ("Ich bin ja so was von Ossi, östlicher geht es kaum") zwar noch nicht. Aber für ein ungewöhnliches Konzert ist der Sänger allemal gut: "Isch singen Deutsch (Made in China)" heißt sein Programm, mit dem er am 14. Dezember im Trierer Casino am Kornmarkt gastiert. Dort singt er etwa Stücke von Marlene Dietrich. Das war sein erstes musikalisches Wow-Erlebnis in Deutschland. "Ihre Art zu singen hat mich sofort fasziniert. Diese Traurigkeit, die sie in sich hatte, aber auch die kindliche Freude."
Zarah Leander und Lindenberg


Cheng hat ein Dietrich-Programm auf die Bühne gebracht, er hat die Knef verkörpert, Zarah Leander und Edith Piaf interpretiert, aber auch mal Lindenberg-Stücke. "Ich singe alles, was mich berührt", sagt er. Das kann dann auch mal richtig gewagt sein - etwa, wenn er Weihnachtslieder auf Sächsisch singt, "Oh Danneboom". Das hat dann zwar komödiantischen Charakter. Aber in erster Linie sieht sich der Chinese als Sänger und Entertainer. Und die blöden China-Klischees will Ming Cheng ohnehin nicht erfüllen. Ob er denn wisse, warum durchaus einige Chinesen gerne einen Abstecher in die Trie rer Brückenstraße machen? Da muss er passen. "Ach echt, Karl Marx wurde in Trier geboren? Das wusste ich nicht", sagt er. "Ich weiß nur, dass man an der Universität Trier Sinologie studieren kann."
Ming Cheng, Mittwoch, 14. Dezember, 20 Uhr, Casino am Kornmarkt, Trier. Karten: TV-Service-Center Trier, Bitburg und Wittlich.