Charmanter Dompteur lässt die Meute springen

Charmanter Dompteur lässt die Meute springen

Erneute Steigerung, erneut musikalische Perlen: Die 33. Auflage des Lott-Festivals in der Nähe des Flughafens Hahn hat nach 7000 Gästen im Vorjahr dieses Mal mehr als 8000 Besucher angelockt. Damit gerät "die Lott", bei der eine israelische und eine französische Combo verzückten, an ihre Grenzen.

Raversbeuren. (mh) "Läuft hier etwa Janis Joplin vom Band?" oder "Wo ist bitteschön die Sängerin?", mag sich so mancher Besucher des Lott-Festivals am Freitagabend gedacht haben, als die israelische Band "The Mojos" auftrat. Aber der, der sich da vorne krümmte, wälzte, sprang und alles, was er hatte, mit Inbrunst ins Mikro ächzte, jammerte, sang und schrie, war keine Frau. Es war der wahnwitzig-geniale Sänger Asaf Avidan, der seiner Band den Namen und dem Publikum einen nachhaltigen Aha-Effekt gab. Es wäre nicht verwunderlich, wenn man von der Truppe, die auf Blues, Folk und Rock setzt, bald noch mehr hören würde.

Das gilt, wenngleich sie bereits bekannter sind und derzeit durch Europa touren, auch für Babylon Circus. Wie schon 2006 begeisterte das bunte Kollektiv aus Lyon ab der ersten Sekunde mit einem energiegeladenen Auftritt. Und das Publikum? Tanzte mit. Unten vor der Bühne, aber auch oben am Hang. Da hatte es mit dem Chillen auf der Isomatte ein Ende. Und was Sänger David Baruchel, der wie ein Zirkusdirektor gekleidet war und sich mitunter auch als solcher gab, in charmantem Deutsch mit französischem Einschlag ankündigte, wurde bereitwillig gemacht: "Wenn wir leise spielen, singt ihr leise, wenn wir laut werden, werdet ihr es auch." Und ab ging die Post. Im Kollektiv. Vom Papa mit dem Kleinkind auf dem Arm bis zum Rockveteran.

Dem Veranstalter, der gemeinnützigen Lott-Gesellschaft, ist es erneut gelungen, auf Bands zu setzen, die zwar keinen großen Namen, aber dennoch einiges drauf haben. Das galt auch für die junge isländische Rockgruppe Mammut um Sängerin Kata oder die Post-Industrial-Rocker The Young Gods aus der Schweiz.

Von Freitag bis Sonntag haben bei Hochsommerwetter mit kleineren Schauern 19 Bands für ein abwechslungsreiches Musikprogramm von Indie bis Reggae, von Pop bis Jazz sowie entspannte Atmosphäre gesorgt.

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