Chef weg à la Broadway

Merzig · Kurz vorm Burn-out, scheidungsgeplagt, Bürodrachen - der Arbeitsalltag von Violet, Judy und Doralee könnte wahrlich schöner sein. Aber selbst ist die Frau: Die Damen kidnappen kurzerhand den Chef und krempeln den Büroalltag um. In der deutschen Erstaufführung des Musicals "9 to 5" können Zuschauer sich das muntere Spielchen ab heute Abend im Zeltpalast Merzig anschauen.

 Die Damen meinen's ernst – der Chef muss einfach weg. Wenn nur Bürodrachen Roz nicht wäre (links), die muss natürlich dazwischenfunken. Foto: Musik & Theater Saar

Die Damen meinen's ernst – der Chef muss einfach weg. Wenn nur Bürodrachen Roz nicht wäre (links), die muss natürlich dazwischenfunken. Foto: Musik & Theater Saar

Foto: -lo- ISDN/Mail (g_kultur

Merzig. "Warum eigentlich bringen wir den Chef nicht um?” lautet der Untertitel der Musical-Komödie "9 to 5". Diese Frage stellen sich drei Frauen jeden Morgen im Büro: Violet ist Chefsekretärin des Unternehmens und steht vor lauter Stress kurz vor dem Burn-out. Judy ist zusätzlich zum Ärger im Büro auch noch schwer mitgenommen durch die Trennung von ihrem untreuen Ehemann. Doralee kann zwar mit viel Sex-Appeal punkten, das ändert aber leider nichts an den ungünstigen Arbeitsbedingungen. Chef Franklin Hart jr. kommandiert seine Sekretärinnen ständig herum. Doch die Frauen haben es satt und entführen ihren Boss kurzerhand. Während seiner Abwesenheit krempeln sie die Arbeitsbedingungen gründlich um - und gleichzeitig ihr Privatleben.
Heute Premiere


Die Show um die Hauptdarstellerinnen Edda Petri (Violet Newstead), Sabrina Harper (Judy Bernly) und Sarah Bowden (Doralee Rhodes) feiert heute Abend Premiere. Seit Wochen laufen die Proben in dem großen Theaterzelt in Merzig:
Der Anschlag des Metronoms klingt leise durch den leeren Merziger Zeltpalast. Die Scheinwerfer sind auf die Bühne gerichtet. Die Schauspieler des Musicals "9 to 5" warten still auf ihren Einsatz. Dann schlägt der musikalische Leiter Hans Christian Petzoldt den ersten Ton auf seinem Keyboard an - und sofort sind alle in ihrer Rolle.
"Es ist Zeit für ein paar Veränderungen im Büro", beginnt Sarah Bowden als aufreizende Sekretärin Doralee Rhodes ihren Text. Sie trägt einen grauen Kapuzenpullover, um ihre Hüfte hat sie ein kariertes Hemd geschlungen.
Proben in bequemer Kleidung


Bei der Probe an einem Freitagvormittag tragen die Protagonisten bequeme, sportliche Kleidung. Keine Kostüme, keine Schminke. Das kommt erst am Nachmittag.
An einem Schreibtisch vor der Bühne sitzen Regisseur Alex Balga und Choreograph Danny Costello. Balga beißt sich immer wieder auf die Lippen. Seine Hände hat er verkrampft in einander gefaltet. Konzentriert verfolgt er die Darbietungen auf der Bühne. Costello hält es nicht lange auf seinem Stuhl: "Upside down and up and down", ruft er dem Ensemble entgegen und tanzt die Bewegung selbst vor.
Wenn nötig, klettert der Choreograph schnell auf die Bühne, um die Schritte mit den Schauspielern noch einmal durchzugehen. Der Österreicher Alex Balga ist nicht zum ersten Mal in Merzig, 2006 inszenierte der Theaterregisseur "Fame" im Zeltpalast.
Zuletzt führt er bei der europäischen Erstaufführung des Rockoratoriums "Messiah rocks" im Raimund Theater in Wien Regie.
Der Amerikaner Danny Costello ist für die Choreographie zuständig, der Tänzer und Sänger hat unter anderem am Broadway gearbeitet. Musikalischer Leiter Hans Christian Petzoldt dirigierte kürzlich in Düsseldorf die Produktion "Shrek - Das Musical".
Auch eine Woche vor Aufführungsbeginn hat der österreichische Regisseur Balga noch Kleinigkeiten im Ablauf der einzelnen Szenen geändert.
Alles muss sitzen



Jeder Schritt, jeder Gesichtsausdruck, jede Wortbetonung muss stimmen. "Bleib weiter hinten, das sieht doch blöd aus, wenn du dich im Gespräch einmischst", weist er April Hailer an, die die Rolle des Bürodrachen Roz Keith spielt.
Ob auf der Bühne oder hinter den Kulissen, die Anspannung ist förmlich spürbar.
Heute Abend muss nun alles sitzen. Denn es ist zudem die Premiere der deutschsprachigen Aufführung des Musicals von Dolly Parton und Patricia Resnick. Das Musical basiert auf dem gleichnamigen Film mit Jane Fonda, Lily Tomlin und Dolly Parton aus dem Jahr 1980 und feierte 2008 zuerst in Los Angeles Premiere, 2009 am Broadway, 2012 war die Show in Großbritannien zu sehen.
Extra

Die Vorstellungen des Musicals "9 to 5" im Zeltpalast beginnen freitags und samstags um 20 Uhr, sonntags um 16 Uhr. Premiere ist am Freitag, 12. August, letzte Vorstellung ist am Sonntag, 18. September. Am 3., 10. und 17. September findet jeweils zusätzlich eine Show um 14 Uhr statt. Karten gibt's ab 29 Euro, Plätze auf dem Parkett kosten 65 Euro. red

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort