Chemie und Wahnsinn

In jedem Monat stellt TV-Reporter Andreas Feichtner Konzerte in der Region vor. Im Januar wundert er sich über seltsame Bandnamen und freut sich auf eine wundervolle Musikerin aus der Schweiz.

(AF) Leicht zu merken, kreativ, intelligent und total individuell: Für viele Bands soll so der perfekte Bandname klingen. Denn ob man es will oder nicht - dem Namen wird von Fans und vor allem den Medien immer mehr Bedeutung gemessen, als er eigentlich haben dürfte. Deshalb geht's hier auch nur ausnahmsweise um Schall und Rauch, genauer: um bescheuerte Namen. Manche Künstler legen es schließlich darauf an. Okay, bei halbwegs bekannten Spaßprojekten wie "Die Angefahrenen Schulkinder" oder "Eisenpimmel" ist die Satire kaum zu übersehen. Und wer im Internet nach der Gruppe Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs fahndet, wird zumindest weniger Spreu bekommen als beim Recherchieren nach den englischen Bands "A" oder The Music. Es ist auch alles eine Sache der Zeit. Wer heute eine Band nach einem dürftigen Wortspiel aus Beat und Käfer benennen würde, bekäme die volle Ladung Gift und Galle, aber sicher keinen Plattenvertrag. Keine These ohne Gegenbeispiel. The Killers wurden berühmt, obwohl ihr Name nach drittklassigem Dauerwellen-Metal müffelt, sie musikalisch zuletzt aber eher bei SWR 4 nach Opfern jagen.

Apropos Killer: Wer eigentlich die "Toten Crackhuren im Kofferraum" neben Verbandskasten und Warndreieck gepackt hat, verrät der Bandname nicht. Platz wäre ja noch gewesen. Die Kurzform The TCHIK sei jedenfalls nur für Weicheier, sagen die Berlinerinnen. Die Elektro-Pop-Band ist am 18. Januar im Exhaus zu Gast. Musikalisch wühlt sich die Band durch die Genres: Pop-Refrains, die an die Neue Deutsche Welle erinnern, Elektrobeats, dazu textlich eine Gratwanderung zwischen Trash und Parodie ("Ich und mein Pony"). Ob das live funktioniert, wird sich im Exhaus zeigen. Ganz ohne Parodie kommen The Chemical Brothers aus, die am 13. Januar in der Rockhal Esch zu Gast sein werden. Die Liveshows des britischen Duos mit den XXL-Beats gelten als legendär. Regungslos dazustehen, das dürfte selbst für Tanzflächen-Allergiker schwer werden.

Der Januar hat aber längst nicht nur Elektro-Fans was zu bieten. So wird sich am 27. Januar der Weg nach Esch nicht nur für Indiepop-Fans lohnen: Dann ist Sophie Hunger zu Gast, eine 27-jährige Sängerin, Gitarristin und Pianistin aus der Schweiz, die inzwischen glücklicherweise nicht mehr nur im Feuilleton hoch im Kurs steht. "Ein kleines Stück vom Paradies" schwärmte "Titel, Thesen, Temperamente". Zu erleben in der Kulturfabrik. Weiterer Songwriting- und Folk-Tipp: Imaginary Cities, ein Duo aus dem Umfeld der kanadischen Band The Weakerthans, geht erstmalig auf Europa-Tour. Am 21. gastieren die Kanadier im Exhaus.

Zugabe!

Festival: Am Samstag, 8. Januar, spielen 16 Bands auf drei Exhaus-Bühnen bei "Bunker Bebt". Hardcore: Deez Nuts (10. Januar, Exhaus), Metal: Festival mit Ichor etc. (22. Januar, Exhaus). Jazz: Helge Schneider mit Big-Band (14. Januar, Atelier, Lux). Blues: Hamburg Blues Band & Chris Farlowe (8. Januar, Freudenburg, Duc)