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Collegium musicum führt "Misa Tango" bei Konzerten in Trier und Paris auf

Klassik : Eine monumentale Tango-Messe

Das Collegium musicum in Trier bringt ein besonderes südamerikanisches Werk auf die Bühne der Universität, am nächsten Tag geht es damit nach Paris.

Zum 50. Jubiläum der Gründung der Universität hat das Collegium Musicum, das musikalische Ensemble dieser Hochschule, im frisch renovierten Auditorium Maximum (Audimax) ein besonderes Musikprogramm aifgeführt. Am 16. Februar wird das Orchester sinfonische Werke aufführen, den Anfang jedoch machte am Freitagabend ein Werk aus der südamerikanischen Heimat des seit 2010 amtierenden Musikdirektors Mariano Chiacchiarini: die „Misa Tango“ des Komponisten Martin Palmeri (*1965 in Buenos Aires). Es war die europäische Uraufführung in der Originalversion mit vier Bandoneons.

Eine Messe, der die katholische Liturgie zugrunde liegt und die im Stil des Tangos komponiert ist. Wahrlich ein Werk im Spannungsfeld des als verrucht geltenden Tango und einer sakralen Messe. Besonders ist, dass hier (am Samstag ging es dann zum zweiten Konzert nach Paris in die Église de la Madeleine) die Originalversion mit vier Bandoneons gespielt wird, dieses Harmonika-Instrument wird im Unterschied zum größeren Akkordeon im Sitzen auf einem Bein abgelegt und gespielt, es erzeugt den für den Tango so typischen warmen, tiefen Klang, aber auch scharfe, akzentuierte, hohe Töne. Sie gehören zum Pariser Orchester La Grossa, einem sogenannten Orquesta Tipica, das sich auf Tangomusik spezialisiert hat.

Die zwölf jungen Musiker unter der Leitung von Federico Sanz an der ersten Violine beginnen den Abend vor weit über 500 Besuchern im proppenvollen Audimax mit drei Tangos von Plaza, Pugliese und dem Begründer des Tango Nuevo, Astor Piazolla. Dann betritt der Chor die Bühne, über 140 Sängerinnen und Sänger aus der Studentenschaft und anderen Musikbegeisterten der Region, verstärkt durch einige veritable Profis und die Sopran-Solistin Agnes Lipka. Mariano Ciacchiarini steht davor, auf einem kleinen Podest, ohne Pult, ohne Noten, ohne Taktstock. Dennoch hält er kraft seiner Autorität den Laden zusammen, führt mit spürbarer Konzentration und Begeisterung, versprüht seinen Charme und musikalischen Esprit, die Musiker folgen bereitwillig jeder Geste. La Grossa spielt famos, treibend, rhythmisch und voller Melancholie.

Die Bandoneons setzen die Tango-Akzente, Klavier und Bass legen den Klangteppich für die Streicher, setzen aber auch eigne Akzente. Dazu der Chor, klangvoll, seelenvoll, engagiert. Dass die einzelnen Stimmen an den Rändern bisweilen etwas zerfasern störte den Gesamteindruck nicht, überwiegend sind sie einzeln unterscheidbar und denn auch gut beieinander. Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei heißen die Stationen der lateinischen Messe, das Gefühl ist aber eher lustvoll als sakral. Agnes Lipkas glasklarer und glockenheller Sopran strahlt vor allem im Credo und im Sanctus. Zum Ende ein erhebender Kanon, der sich steigernd zum Kulminationspunkt bewegt und dann im zartesten Piano fast schon zärtlich schließt. Begeisterte Ovationen des Publikums, die kaum den letzten Ton verhallen lassen.