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Comedian Carolin Kebekus hat für 4400 Zuschauer in Trier eine Überraschung

Comedy : Kebekus im Zweierpack

Carolin Kebekus hatte für das Trierer Publikum in der ausverkauften Arena eine Überraschung im Gepäck

Carolin Kebekus polarisiert: Sie sei zu „sexuell“ (was immer das heißen mag) und zu vulgär, behaupten ihre Kritiker. Doch harmlose Kritik reicht vielen Zeitgenossen nicht: Im Netz grassieren pornografische Fotomontagen und auch die  Aussage, sie gehöre nur mal „ordentlich durchgef...“, scheint bei Hatern ein Therapievorschlag gegen zu viel Aufsässigkeit zu sein. Ja, Carolin Kebekus ist direkt und nimmt auch bei intimen Themen kein Blatt vor den Mund. Doch während männliche Kollegen wie Ingo Appelt seit Jahrzehnten das böse F-Wort geradezu inflationär benutzen, wird im Jahr 2020 noch immer zusammengezuckt, wenn „Unflätiges“ aus dem Mund einer weiblichen Künstlerin kommt. Doch Anfeindungen Ewiggestriger, die Angst davor haben, dass Frauen zu viel Macht bekommen, wenn man sie selbstständig denken lässt, hebelt die 39-Jährige elegant aus. „Googelt mal ‚Carolin Kebekus nackt‘“, schlägt sie den 4400 Besuchern ihrer Show „PussyNation“ vor. „Das ist wirklich sehr lustig. Ich will das gar nicht löschen, ich habe zu viel Respekt vor der Kunst“ – und macht so die Urheber der Fake-Bilder zum Gespött.

Auch zum oben erwähnten Hinweis auf ihr Sexualleben liefert sie einen Denkanstoß. Sie findet, jeder gehöre doch schließlich, pardon!, „durchgefickt“. „Oder würde jemand freiwillig behaupten, ‚och nö, bei Geschlechtsverkehr bin ich raus‘?“ Ihr Sexualleben sei ganz hervorragend, sagt sie, und die Arena tobt. Gegner auszulachen, statt sich einschüchtern zu lassen, lautet ihre Devise. Wer Carolin Kebekus für eine Flachwitz-Erzählerin hält, hat nichts verstanden. Daher ist es auch kein Zufall, dass die Frauen an diesem Abend eindeutig in der Überzahl sind. Mit Energie und Leidenschaft appelliert Carolin Kebekus, die Solidarität unter Frauen zu stärken, selbstbewusst zu sein und sich nicht von Influencern und Rollenklischees beeindrucken zu lassen. Immer wieder gibt es Zwischenapplaus für die zierliche Frau im eleganten Hosenanzug, die rotzfreche – und ja, auch vulgäre und alberne – Scherze macht, hinter denen eine klare Botschaft steht: Frauen, lasst Euch nicht unterkriegen! Dieses Coaching in Sachen Feminismus ist dank gutem Timing und der richtigen Mischung aus Albernheit und Intelligenz Balsam für die Seelen der fast ununterbrochen lachenden Frauen. Für die Trierer („ich mache das nicht in jeder dahergelaufenen Stadt“) packt sie noch einen weiteren Programmpunkt auf die Bühne: Ihr vier Jahre jüngerer Bruder David Kebekus ist ebenfalls Comedian. Bis Anfang 2019 trat er noch unter dem Namen David Kebe auf und ist seit 15 Jahren als Autor für Formate wie „Switch Reloaded“ und „Ladykracher“ tätig. In Trier erzählt er unaufgeregt und mit rabenschwarzem Humor über seinen jüngsten Besuch in der Kirche. Er sei zuletzt als Kind dort gewesen. Umso erstaunter sei er neulich gewesen. „Die machen ja alles immer noch genauso wie vor 30 Jahren! Die Kirche braucht mal ein Update.“ Bei den Zuschauern kommt der Kurzauftritt gut an, sie belohnen den „kleinen“ Bruder für seine scharfzüngigen Gags mit reichlich Applaus. Die große Schwester indes behauptet nach David Kebekus‘ Auftritt, dass sie aufgeregt hinter der Bühne gelauscht habe, wie er wohl beim Trierer Publikum ankomme. Ob das stimmt oder nicht, ist egal, die Zuschauer haben längst beide „Kebeküsse“ ins Herz geschlossen. Als Carolin Kebekus zum Abschluss ein Lied singt, sitzt keiner der 4400 Menschen in der Arena mehr auf den Stühlen. Auf der Bühne fällt ein pinkfarbener Vorhang und verwandelt Trier in eine „PussyNation“.