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Comedian Kurt Krömer beim Auftritt in der Europahalle Trier

Comedy : Kurt Krömer in Trier: Cholerisch, schamlos, witzig

Knapp 1000 Gäste in der Europahalle amüsieren sich mit Comedian Kurt Krömer.

Kurt Krömer (bürgerlich Alexander Bojcan) im Fernsehen zu erleben, wie er kippenrauchend seine prominenten Gäste der Reihe nach mit seiner anarchisch-schlagfertigen Berliner Schnodder-Schnauze in die Pfanne haut, ist herrlich: Man kann auf dem Sofa die Füße hochlegen und genüsslich zelebrieren, wie selbst rhetorisch versierte PR-Profis vom vielfach preisgekrönten Comedian (und Schauspieler) vorgeführt und mitunter auch mal böse bloßgestellt werden. Schadenfreude pur aus sicherer Entfernung!

Wenn man aber bei Krömers Liveprogramm wie am Wochenende in der mit fast 1000 Leuten vollbesetzten Europahalle in seinen Fokus gerät, ist es schnell Schluss mit lustig – zumindest für den oder die Betroffenen. Bei allen anderen gilt das Sofa-Prinzip: Schadenfreude und  Schenkelklopfen. Und das Überlebensmotto: rasch genug wegducken!

In Trier (zunächst) im Fokus: die erste Reihe. Eigentlich ja ein begehrter Platz, weil: tolle, hindernisfreie Sicht auf die Bühne. Das gilt aber auch umgekehrt. Und so begrüßte der mit biederem Vertreter-Anzug mit roten Lackschuhen und rosa Strümpfen ausgestattete Comedian das Publikum mit: „Boah, seid ihr hässlich! Vor allem die erste Reihe. Bin ich hier im Altersheim gelandet?“ Das zieht er – selber nicht mehr ganz frischer Mittvierziger mit hoher Stirn und Glatzenansatz – noch eine Weile durch und lässt sich auch von den ersten Protesten („Jetzt reicht’s aber!“) nicht davon abbringen. Dann greift er sich den Security-Mann am Bühnenrand. Als nächste ist die Fotografin dran, die sich nach getaner Arbeit aus der Schusslinie (Stichwort: erste Reihe) bringen will – doch von Krömer angehalten und vor 1000 Leuten blöde angemacht wird.

Zu dicke? Was soll da Björn aus dem Saarland sagen, der sich auf Krömers Einladung hin auf die Bühne traut – und für sein Kommen viele Worte des Dankes erfährt. Und Händeschütteln. Minutenlang. Eine Umarmung bekommt. Eine nicht mehr enden wollende Umarmung. Beinahe ein Klammergriff. Und dann auch  noch Küsschen. Und zum krönenden Abschluss noch ein Abschlecken des Comedians. Brrrrrr.

Doch genau das sind die Situationen, die Krömers Witz ausmachen. Wenn er weitermacht, wo bei anderen die Scham Einhalt gebietet. Er sich über Konventionen hinwegsetzt und auf der Bühne qualmt („Klar, in der Garderobe darf ich ja nicht“), Grenzen überschreitet (Mal eben neben sich rotzt oder das Provosorium aus dem Mund nimmt und minutenlang darüber referiert – und das, was so alles anhaftet). Wenn er sich Leute rauspickt, sie anschnauzt: „Halt’s Maul“, „Bist du noch ganz dicht?“, „Hör auf zu klatschen, sonst hau ich dir eine rein!“ Das ist böse und liebenswürdig zugleich, da sich dahinter immer auch ein Schmunzeln des Comedians verbirgt. Dann erinnert er stark an den französischen Komiker Louis de Funès, der ihn schon früh inspiriert hat: „Leute anschnauzen, cholerisch sein und abends glücklich nach Hause gehen. Das wär doch was!“

Für die Betroffenen sind das dann zwar meist „Stresssituationen“, aber irgendwoher muss das Motto der aktuellen Tour ja kommen. Ein sehr unterhaltsamer Abend. Nur bei der Ticketauswahl sollte man vorsichtig sein – und bei Gewinnspielen mit Freikarten für die erste Reihe.