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Coole Sau spielt heißen Blues

Coole Sau spielt heißen Blues

Einen der besten Gitarristen der Welt, fetzigen Blues-Rock und eine erstklassige Begleitband erlebten die Besucher in der Arena in Trier. An der Qualität des Auftritts kann es nicht gelegen haben, dass das Konzert bei weitem nicht ausverkauft war.

Trier. Funktioniert heißer Blues-Rock in einer bestuhlten Arena mit großem Abstand zur Bühne? Oder kann diese Musik nur in verrauchten Clubs mit viel Nähe zum Künstler ihre Wirkung entfalten? Joe Bonamassa, der sein Instrument seit dem fünften Lebensjahr spielt, zählt zu den besten Gitarristen der Welt.
Er füllt inzwischen Hallen, keine Clubs. Und er ist pünktlich: Um 20 Uhr betritt der Gitarrengott die Bühne, während einige Gäste hektisch im Dunkeln ihre Plätze suchen und andere noch in der Schlange am Getränkestand stehen. Bonamassa, eine coole Sau mit gegeltem Haar und Sonnenbrille, die er während des 135 Minuten dauernden Konzerts nicht ablegt, macht keine großen Worte. Neben seiner Gesangsstimme lässt er die Saiten seiner im Laufe des Abends wechselnden Gitarren sprechen - und die sagen alles, was die begeisterten Fans hören wollen.
Eines der ersten Stücke ist "Blues of Desperation" aus dem am 25. März erscheinenden gleichnamigen Studioalbum. Verzweiflung (Desperation) dürfte jetzt allenfalls bei anwesenden Gitarristen ankommen, die das spielerische Niveau von Bonamassa in diesem Leben nicht mehr erreichen.
Pfeifen, Johlen und Jubel


Auch die Begleitband besteht aus Spitzenmusikern: Reese Wynans (Keyboard), Anton Fig (Schlagzeug), Michael Rhodes (Bass), Lee Thorburg (Trompete) und Paulie Cerra (Saxofon) liefern perfekt ab. Bei "I gave up everything for you" kommen die Bläser zum Einsatz, beim rockigen "Going Down" zeigt Reese Wynans, was er am Flügel kann.
Immer wieder kommen aus dem Publikum mitten in den Songs anerkennendes Pfeifen, Johlen, Jubel und Applaus. Zwischendurch holen sich bärtige, langhaarige Männer eine neue Ladung Bier vom Getränkestand - ein bisschen Clubgefühl muss sein. Bonamassa scheint durch seine Instrumente zu kommunizieren, verbal richtet er erst nach etwa der Hälfte des Konzerts ein paar knappe Begrüßungsworte an seine Gäste. Er habe sich die Stadt angeschaut ("real beautyful") - doch dann gibt er zu: Nein, er habe bis drei Uhr geschlafen, das sei auch der Grund, warum er Musiker geworden ist. Von der Stadt habe er nichts gesehen. Na und: Die Besucher auf den hinteren Rängen bekommen ja mangels Großleinwand auch nicht zu sehen, wie virtuos Joe Bonamassa mit seinen Fingern die Saiten sprechen lässt.
Pünktlich um 22.15 Uhr endet der Auftritt eines Weltklasse-Künstlers - doch lag es nun am mangelnden Club-Ambiente, dass nur knapp 1800 Zuschauer den Weg in die Arena gefunden haben? Oder doch eher an den Ticketpreisen zwischen 75 und 95 Euro? Das bleibt ungeklärt. kap