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Cooler Jazz bei brütender Hitze

Cooler Jazz bei brütender Hitze

Ein Konzert der niederländischen Sängerin Masha Bijlsma hat die 22. Reihe von Jazz im Brunnenhof eröffnet. Mit ihrer Band und dem ungarischen Saxophonisten Tony Lakatos als Stargast setzte die Künstlerin sommerlicher Gluthitze einen coolen entspannenden Sound aus swingenden Balladen entgegen.

Trier. Masha Bijlsma und ihrer Band gebührt auf jeden Fall eine Tapferkeitsauszeichnung. Während ihre rund 150 Zuhörer das Saunaklima zwischen den aufgeheizten Mauern des Trierer Brunnenhofs mit kühlen Getränken oder Fächern auszuhalten versuchen und doch teils an ihre körperlichen Grenzen stoßen, legen sie unter zusätzlich heizenden Scheinwerfern souverän ein feines Konzert hin.

Es ist eins, das den Puls beruhigt und erfrischt wie eine leichte Brise. Den Auftakt macht ein Blues, mit dem Masha Bijlsma den Nuancenreichtum ihrer angenehm warmen Stimme und besonders deren Soul-Qualitäten vorstellt.

Dem schließt sich ein Repertoire an, das sich durch große Bandbreite auszeichnet. Da steht "Sweet Goodbyes", ein Popsong der niederländischen Gruppe Krezip, neben "It's Over Now", einer Adaption des 1944 von Thelonious Monk komponierten Jazz-Standards "Well, You Needn't" oder dem Kinderlied "From Your Head" aus der Fernsehserie Sesamstraße.

In den Arrangements der mit Henk de Ligt am Bass, Ed Baatsen am Klavier, Mashas Vater Dries Bijlsma am Schlagzeug und Tony Lakatos am Saxophon besetzten Band bekommen sie alle eine eigene Note. Das Quintett interpretiert sie als jazzige Balladen, in denen immer eine große Portion treibenden Grooves mitschwingt.
Masha Bijlsma reizt dabei viele stimmliche Ausdrucksmöglichkeiten aus, singt mal erdig, mal luftig oder scattet rhythmisch. In einem nur vom Bass begleiteten, melancholischen und intimen Stück über Einsamkeit überzeugt sie mit außergewöhnlich ausdrucksstarker Modulation. Sehr harmonisch und punktgenau gestaltet sie auch Unisono- oder Dialog-Gesang mit Tony Lakatos' Saxophon, zum Beispiel in "Brother, Where Are You?", einer Hommage an Jazzsängerin Abbey Lincoln.

Der aus Budapest stammende Tony Lakatos, der unter anderem als Solist der hr-Bigband und Mitwirkender an knapp 300 Tonträgeraufnahmen Karriere gemacht hat, setzt dem entspannten Sound der Band strahlende i Tüpfelchen auf. Er brilliert mit fein ziselierten, melodischen und sehr gefühlvollen Solo-Improvisationen, die vom Publikum mit viel Applaus honoriert werden.

Aber auch die anderen Musiker füllen ihre Parts mit starker Kreativität aus, beispielsweise im rhythmisch mitreißendem "African Roots in Jazz" oder dem schön swingenden "Strollin" von Charlie Mingus. Ein gelungener und zum Sommer passender Auftakt der diesjährigen Jazz-im-Brunnenhof-Reihe.
Die weiteren Termine, immer donnerstags um 20 Uhr:
9. Juli, Braskiri
16. Juli, Peter Bühr and his Flat Foot Stompers
23. Juli, Sehrang
30. Juli, Frank tortiller Quartet
6. August, Regionalabend mit adhoc, Bob Bee und Nakama-Gläser Quartett
13. August, Eric Séva
27. August, Peter Fessler & Peter Weniger mit Band

Detaillierte Informationen unter www.trier.de/Kultur-Freizeit/Konzerte-Events oder
www.jazz-club-trier.de . ae