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Coronapause in Landesausstellung in Mainz: Gibts eine Verlängerung ?

Landesausstellung : Eine Schau ohne Publikum

Still ruhen „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“. Die große Landesausstellung in Mainz mit über 300 hochkarätigen Exponaten über die Welt des Mittelalters darf seit Wochen von niemandem angeschaut werden.

Es muss ein Desaster sein. Mehr als zwei Jahre haben Experten des Mainzer Landesmuseums, der Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) und weitere Fachleute an der Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ gearbeitet. Sie sollte – so stand es im Oktober im TV – rund 50 000 Besuchern die Welt des Mittelalters nahebringen, das Leben von päpstlich gesegneten Kaisern, selbstbewussten Bischöfen, Fürsten, Rittern und den aufstrebenden Städtern. Von der Eröffnung am 8. September an musste der Zugang  fürs Publikum jedoch wegen der coronabedingten Hygiene-Auflagen stark eingeschränkt werden. Bis das Landesmuseum am 2. November komplett geschlossen wurde. „Es ist hochbedauerlich“, sagt nicht nur Professor Michael Embach, Direktor der Trierer Schatzkammer, aus der insgesamt neun äußerst wertvolle Handschriften ans Mainzer Landesmuseum ausgeliehen wurden, darunter der Codex Egberti als im Land einziges Unesco-Weltdokumentenerbe. Mehr als 300 hoch- bis höchstkarätige kunsthistorische Exponate stehen oder liegen nun in Vitrinen, in die keiner schauen darf. Außer dem Sicherheitspersonal.

In den zwei Monaten ihrer Öffnung  war die Schau fast immer ausgebucht, sagt Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseums Mainz. „Nach der medial äußerst positiv begleiteten Eröffnung wurde der Zugang nach den jeweils gültigen Corona-Regeln ermöglicht, hier gab es eine nahezu volle Auslastung der Zugangszeiten.“ So konnten insgesamt 12 234 Gäste die Ausstellung besuchen. Zudem, ergänzt GDKE-Sprecher Michael Bonewitz auf TV-Nachfrage, seien zeitweise „alle buchbaren Zeitslots rund einen Monat im Voraus ausgebucht“ gewesen und zahlreiche Gruppenbuchungen auf die Zeit nach dem Lockdown verschoben worden. „Mehr ging gar nicht“, so Bonewitz.  Nichtsdestotrotz blieb dem Museum nach der Schließung Anfang November nichts anderes übrig, als Kartenbestellungen rückabzuwickeln. Das schmerze natürlich, sagt Heide, die nun darauf hofft, dass sich die Ausstellung über den geplanten Termin 18. April hinaus verlängern lässt.

Eine große Ausstellung zu verlängern ist laut der Vorsitzenden des rheinland-pfälzischen Museumsverbandes, Dr. Elisabeth Dühr, allerdigs ein sehr komplexes Unterfangen. Alle Leihgeber müssten einzeln befragt werden, mit allen müssten im Falle einer Ausstellungsverlängerung neue Verträge abgeschlossen werden – und das in der Sprache der Leihgeber.  Zudem bringe jeder Leihgeber seine eigenen Konditionen mit, was Lagerung, Klimatisierung, Beleuchtung und Versicherung anbetrifft. „Das alles schafft zusätzliche Kosten, die man nicht unterschätzen darf“, so Dühr. Die Museumsexpertin nimmt jedoch auch eine große Solidarität von Museumsrepräsentanten während der Corona-Zeit wahr. „Viele Leihgeber sind sehr entgegenkommend und freundlich und selbst daran interessiert, dass ihre Leihgaben zu sehen sind“, sagt auch die Mainzer Museumsdirektorin Heide. „Leider sind auch einige Exponate in ihrer Ausleihe noch fraglich, weil gerade die ausländischen Partner coronabedingt nicht reisen dürfen, weswegen auch die Exponate nicht reisen dürfen.“

„Wir wären bereit, unsere Exponate länger in Mainz zu lassen“, sagt Embach für die Leihgaben der Trierer Schatzkammer. Der Codex Egberti ist – wie von Anfang an geplant – bereits zurück in Trier, in der Mainzer Vitrine liegt nun ein Faksimile. Auch der kostbare Deckel des Ada Evangeliars ist zurück in Trier, er wurde in der Ausstellung durch das Original der Handschrift ersetzt. „Es ist immer noch eine erlesene Sammlung von Trierer Stücken“, so Embach, der eine Verlängerung um deutlich mehr als acht Wochen aber für unrealistisch hält. „Wenn viele nicht mitspielen, haben Sie zu viele leere Vitrinen“, gibt er zu bedenken und weist auch auf die hohen Versicherungssummen hin, die bei einer Verlängerung der Ausstellung fällig würden. Denn nicht jeder Leihgeber ist mit einer Landesbürgschaft einverstanden. Viele bestehen auf eigene Versicherungen.  „Das Ausstellungswesen ist eine hochkomplizierte Sache“, so Embach.

Auch die Sicherheit der Exponate spielt eine große Rolle. Wie der TV im November berichtete, stehen in der Mainzer Ausstellung speziell auf die Einzelstücke abgestimmte „gläserne Tresore“, die kaum zu knacken sind. Das teuerste und am höchsten zu sichernde Exponat wird den Verantwortlichen aber keine Sorge mehr bereiten: Der Codex Manesse, die berühmte mittelalterliche Liederhandschrift aus Heidelberg, war ohnehin nur für die ersten sechs Wochen ausgeliehen.