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"Da ist ein Bedürfnis nach der deutschen Sprache"

"Da ist ein Bedürfnis nach der deutschen Sprache"

Mit ihrem Album "Die Mathematik der Anna Depenbusch" hat die Hamburger Sängerin im Frühjahr einen Senkrechtstart hingelegt. Am 16. Dezember singt sie in Wittlich in der ehemaligen Synagoge und begleitet sich dabei auf dem Klavier. Der TV präsentiert das Konzert.

Wittlich. Mit frech-ironischen Texten und pfiffigen Melodien hat Anna Depenbusch frischen Wind in die deutsche Liedermacherszene gebracht. Im Frühjahr 2011 konnte sie sich in den Top 20 der deutschen Charts platzieren. TV-Redakteur Hans-Peter Linz sprach mit der 1977 geborenen Sängerin."Tim liebt Tina, doch Tina liebt Klaus," so beginnt eines Ihrer Lieder und beschreibt ein chaotisches Beziehungshin- und -her, die Wirrungen der Liebe. Woher erhalten Sie Ihre Inspirationen zu diesen oftmals mehrdeutigen, ironischen Texten, die Sie selbst schreiben?Anna Depenbusch: Man muss sich ein bisschen im Freundeskreis umsehen. Es ist schon mein Umfeld, das mich inspiriert. Ich versuche, eine Mischung aus persönlichen Themen und allgemeinen Themen zu finden. Natürlich kommt da die Fantasie dazu, es darf ja nicht zu privat werden. Die "Tina" hat Ihnen nach dem Erfolg dieses Songs also nicht die Freundschaft aufgekündigt?Depenbusch (lacht): Nein, wir sind noch Freunde. Gerade bei diesem Lied schmettern die Leute immer mit. Es ist eine völlig unschuldige Melodie, fast wie ein Kinderlied, mit einem total brisanten Thema, dem Fremdgehen.Ich glaube, es gibt ein Bedürfnis nach Geschichten, die teilweise lustig, aber auch ergreifend sind. Da ist auch ein Bedürfnis nach der deutschen Sprache, damit man Lieder verstehen und auch fühlen kann. Wer inspiriert Sie?Depenbusch: Die Chanson-Sängerin Edith Piaf ist für mich ein ganz großes Vorbild. Aber auch Rufus Wainwright ist ein toller Typ. Und natürlich die deutschsprachigen Künstler wie Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer. Manche Ihrer Lieder laden zum spontanen Mitsingen ein - können Sie sich vorstellen, dass sie beim Wandern gesungen werden?Depenbusch: Bei "Tim liebt Tina" oder "Glücklich in Berlin" könnte ich es mir absolut vorstellen! Wenn ich mit meiner Musik dafür sorge, dass jemand den Berg schneller hoch läuft, dann ist das doch eine gute Sache!Wie würden Sie einem Leser unserer Zeitung, der Ihre Musik noch nicht kennt, diese beschreiben?Depenbusch: Es kommen Liebeslieder auf ihn zu, aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Was überraschend sein wird, ist, dass es ein kurzweiliger Abend wird. Ich sitze am Klavier und singe meine Lieder. Dabei passiert ständig was. Auf meiner aktuellen Solotournee ist das Konzerterlebnis für mich sehr intensiv. Es gibt nur zwei: das Publikum und mich - das ist ein ganz besonderes Gefühl. Jede kleine Bewegung wirkt. Wenn eine Band mitspielt, ist viel mehr Unruhe auf der Bühne.Was gefällt Ihnen in Ihrem Job am allermeisten?Depenbusch: Das Schönste ist die Abwechslung. Jeder Konzertabend ist anders, das Publikum ist anders. Ich bleibe dadurch wach, muss mich immer wieder öffnen. Sobald man aber für sich selbst eine Masche entdeckt, ist man verloren. Bei Livekonzerten hat man nicht die Chance, es sich gemütlich zu machen, und das finde ich toll.Ist schon ein neues Album in Planung?Depenbusch: Ja, und dabei werden wieder ein paar Musiker mitspielen. hplAnna Depenbusch, Freitag, 16. Dezember, 20 Uhr, Wittlich, Synagoge, Karten: TV-Service-Center Trier, Bitburg, Wittlich.Extra

Anna Depenbusch ist am 17. Oktober 1977 in Hamburg geboren. Sie ist Solokünstlerin und hat bislang drei eigene Alben veröffentlicht: "Ins Gesicht" (2005), "Die Mathematik der Anna Depenbusch" (2011) und "Die Mathematik der Anna Depenbusch in Schwarz-Weiß" (2011) hpl