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Dankbares Ende und erhabener Start

Dankbares Ende und erhabener Start

Die Konzerte zum Jahreswechsel in der Basilika St. Paulin sind in Trier eine Institution. Auch in diesem Jahr war es mühsam, noch einen Platz in dem Gotteshaus zu finden. Erleben konnte man einen festlichen Abend, der kaum musikalische Wünsche übrig ließ.

Trier. Es war eine imponierende Kulisse, wenn man vom Chorraum der Basilika St. Paulin ins Kirchenschiff blickte. Überall, wo es nur möglich war, hatte man Stühle platziert, und jeder Stuhl fand auch seinen dankbaren Besitzer. Man musste gar die Menschen, die sich in den Kirchenbänken niedergelassen hatten, auffordern, ein wenig enger zusammen zu rücken, damit alle, die das traditionelle Silvesterkonzert miterleben wollten, noch einen Platz fanden. Seit 15 Jahren veranstaltet Regionalkantor Joachim Reidenbach seine Konzerte zum Jahreswechsel und die Anziehungskraft ist, nach wie vor ungebrochen.Für dieses Jahr hatte Reidenbach auf das vorbereitete, aber dann krankheitsbedingt ausgefallene Programm des letzten Jahres zurückgegriffen, wodurch es auch 2007 noch einmal eine Hommage an Wolfgang Amadeus Mozart gab. Eine Sinfonie (D-Dur, KV 141a), die große Credo-Messe, KV 257 und Teile aus der "Vesperae Solennes de Dominica", KV 321, sollten zur Aufführung kommen, ergänzt durch das Gloria aus der Missa in d von Johann Adolf Hasse und das Orgelkonzert in C-Dur, Hob XVIII Nr. 1, von Joseph Haydn. Ein opulenter Abend also, der dem Publikum bereitet werden sollte. Mitwirkende waren wie gewohnt der Basilikachor und das Vokalensemble St. Paulin sowie das Basilikaorchester mit Claudia Kussmaul am ersten Pult. Dazu Domorganist Josef Still und die Vokalsolisten Sabine Zimmermann (Sopran), Claudia Glesius (Alt), der Tenor Marc Dostert und Vinzenz Haab als Bassist.Wer die Silvesterkonzerte in St. Paulin schon öfter besucht hat, weiß, dass er sich oft, vor allem was die Tempi angeht, auf Überraschungen einstellen muss. Oftmals war das, was man zu hören bekam, geradezu ungestüm, hinterließ den Eindruck eines vorweg genommenen Feuerwerks. Wie anders in diesem Jahr. Frisch und lebendig, aber nirgendwo überzogen ließ Reidenbach die Musiker agieren, vergnüglich die Sinfonie und ehrfurchtsvoll die große Messe des Salzburger Meisters. Bögen wurden ausmusiziert, Zusammenhänge zwischen Text und Musik kamen zu ihrem Recht. Nur einmal, im letzten Agnus Dei, wollte der exzellent vorbereitete Chor, der kaum einmal Schwächen aufwies, doch etwas ins alte Fahrwasser abgleiten. Aber beim nachfolgenden Magnificat aus der Vesper war dies wieder vergessen, konnte man sich wieder großer und strahlender Musik erfreuen.Zum überragenden Erfolg des Abends trug nicht zuletzt das Solistenquartett sein gerüttelt Maß bei. Homogenität zeichnete das Ensemble aus, bei dem Glesius und Haab mit kraftvoller Tiefe ein sicheres Fundament boten, Zimmermann und Dostert mit brillanten Höhen glänzen konnten. Strahlend gelang Zimmermann das Laudate Dominum, besonders ihr Dialog mit der Orgel, deren akzentuierten Vorgaben sie glockenklar, virtuos und absolut sauber beantwortete. Einziger Schwachpunkt des Abends war, obschon über alle Zweifel erhaben musiziert, das Haydnsche Orgelkonzert, das zum einen Längen aufwies, dem zum anderen dadurch, dass Still an der Hauptorgel musizierte, das Orchester aber am Altar blieb, etwas die innere Geschlossenheit fehlte.Ein begeistertes Publikum honorierte ein Konzert, das von seiner Anlage und seiner Durchführung tatsächlich zu einem Dankgottesdienst für das zu Ende gehende Jahr geriet und einen erhabenen Start in ein neues markierte.