Daphne de Luxe bei den Eifelkulturtagen in Minderlittgen

Kultur : Über die dicken Mädchen zum Pariser Tango

Daphne de Luxe hat in der ausverkauften Bürgerhalle in Minderlittgen gezeigt, wie man humorvoll mit Schwächen umgeht und deftig draufhaut.

Manchmal reicht das Hochziehen einer Augenbraue, um die Zuschauer zum Lachen zu bringen. Aber das muss man können, und Daphne de Luxe ist eine Meisterin. Sie war mit ihrem Programm „Comedy in Hülle und Fülle“ in Minderlittgen bei den Eifel-Kulturtagen zu Gast. Vor ausverkauftem Haus zeigte die Wahlhannoveranerin, wie man mit einem Blick Herzen erwärmen oder schockfrosten kann. Zu Beginn zieht sie, die auch auf vielen Karnevalsbühnen der Republik zu Hause ist, mit „Dicke Mädchen“ von den Höhnern ein. Der Comedystar braucht nur eine Aufforderung zum Schunkeln und schon ist das Publikum dabei. Sie kommt auch deshalb so gut an, weil sie eine Person schonungslos auf die Schippe nimmt – sich selbst. Wenn sie erklärt, dass sich wegen ihr noch kein pubertierendes Kind zu Tode gekotzt habe oder dass sich die Würmer nach ihrem Ableben freuten. Kaum zu halten ist das Publikum, wenn sie von sich selbst als kleine, zarte Dame spricht.

Daphne de Luxe zeigt sich facettenreich. Zum einen kann sie sehr deftig und schadenfroh sein, wenn sie erklärt, dass die Abscheu, die dünne Menschen häufig gegenüber Dicken  haben, auf Gegenseitigkeit beruhe, oder dass es Verkäuferinnen gebe, die den Tod verdient hätten, weil sie übergewichtigen Frauen Leggings in Zartrosa anbieten. Auch ihre Schwiegermutter kriegt es ab. Wenn diese jammert über ihr Leben, weiß sie Abhilfe zu schaffen: „Gib mir ein Kissen und fünf Minuten, dann ist das erledigt“. Man nimmt es ihr ab. Sie ist authentisch. Wenn sie im roten Samtsessel sitzt und aus ihrem Leben erzählt, meint man, eine alte Freundin spreche. Sie beschreibt Situationen, die man kennt, Personen, die einem bekannt vorkommen.

Neben Deftigem bietet sie auch stille, nachdenkliche Momente. So ruft sie Frauen auf, nicht traurig zu sein, wenn sie nicht dem Schönheitsideal entsprechen, sondern Frieden zu schließen mit sich selbst und offen, locker und selbstbewusst mit Schwächen umzugehen. Sie sagt: „Das mache ich auch. Bevor jemand fragen kann ,hast du etwas zugelegt?’, trete ich in die Garderobe und rufe ,Hach, ist der Raum schon wieder kleiner geworden?’.“ Auch das Thema Einsamkeit geht sie tiefgründiger an, indem sie es in einem melancholischen Lied verpackt, in dem es heißt: „Man braucht eine Illusion, um nicht allein zu sein.“

Politische Themen kommen in ihrem Programm nur am Rande vor, Parteispenden an die AfD nennt sie „Braunkohle“.

Sprachlich kann sie auf allen Niveaus mithalten. Sie kann feinsinnig-elegant genauso wie ordinär-direkt und vor allem kann sie sächsischen Dialekt. In diesem singt sie den Pariser Tango. Mit „ö“ am Ende und jedem Ton an der passenden Stelle, mit einer angenehm tiefen, samtigen Stimme. In diesen Momenten brauchte es noch nicht einmal eine hochgezogene Augenbraue, um Besucher in die passende Stimmung zu versetzen.

Die nächsten Termine der Eifel-Kulturtage: Andrea Volk „Büro und Bekloppte“, Büro-Comedy, Bernkastel-Kues, 25. Mai, Johannes Flöck „Verlängerte Haltbarkeit“, Comedy, 15. Juni, Pickließem, Benni Stark „The-Fashionist-Tour“, Mode-Comedy, 22. Juni, Wittlich-Lüxem, Norbert Lammert „Europa? Europa!“, Lesung/Gespräch 23. August, Klausen

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