Das Al-Khayyat-Quartett spielt in der Tuchfabrik Trier

Konzert : Neue Kompositionen, alte Rhythmen

Das Al-Khayyat-Quartett hat sich mit arabischer Klassik, moderner Musik und Bach mit orientalischem Charme in die Herzen der Zuhörer in der Tufa gespielt.

(mehi) Der Trommelrhythmus klingt fremd – und doch vertraut. Er fordert das Cello heraus,  Flöte und Oud schließen sich an. Eine akustische Rarität bekommen die knapp 100 Zuhörer im ausverkauften kleinen Saal der Tufa zu hören, einen 17/8-Takt – ungewohnt für europäische Ohren. „Wir haben uns von den Rhythmen inspirieren lassen“, erklärt Nora Thiele. Die Percussionistin im Al-Khayyat-Quartett brilliert mit einem virtuosen Solo. „Es gibt nur eine überlieferte Melodie des ägyptischen Komponisten Sayyed Derwish (1892-1923) zu diesem Rhythmus. Wir haben uns gedacht, wir fangen an, das zu ändern.“

Es ist nicht das einzige selbst komponierte Stück des Trierer Musikers Saif Al-Khayyat. Die Passion des gebürtigen Irakers: „Wir würdigen die Tradition der arabischen Musik. Aber ich möchte nicht nur die Überlieferung erhalten, ich nehme die alten Rhythmen und Skalen und schreibe neue Melodien dazu.“ Das  darf auch gerne modern klingen, wie beim ersten Stück „Lamasat“. Sinnliche Berührung heißt das auf Deutsch – es ist eine musikalische, die Geist und Seele streichelt. „Inspiration from Orient“: Die Musik ist Programm.

Viele Werke haben Anleihen aus der arabischen Klassik wie „Alham Babiliyya“ (Babylonische Träume). Die Idee dazu habe er gehabt, als er im Pergamonmuseum in Berlin die Exponate aus der Nähe seiner Heimatstadt Bagdad gesehen habe. Einiges ähnelt auch der europäischen Klassik.

Die „Samai Nahawand“ etwa ist ein Musikstück ähnlich eines Rondos, in dem sich verschiedene Melodien und Tempi, aber auch Rhythmen abwechseln. Auch ein irakisches Volkslied spielt das Quartett, mit Oud, der arabischen Laute, Ney, der arabischen Flöte, Cello und Trommeln. Die 17/8- oder 10/4-Rhythmen sind zwar ungewohnt, gehen aber wohlklingend ins Ohr, in die Hüften und Beine. Uralt ist das Instrument, das Rageed William zur Taqasim spielt, eine kleine Flöte mit extrem großen Doppelrohrblatt: die armenische Duduk, die schon um 90 v. Chr. bekannt war. Die gehauchten Töne, die aus der Flöte fließen, schweben im Raum. Dazu der immerwährende tiefe Grundton, den Cellistin Nao Sasaki streicht. Eine meditative Musik wie aus einer anderen Zeit. Die Melodie entsteht spontan auf der Bühne – reine Improvisation. Wie so oft an diesem Abend. Und ähnlich dem Jazz gestalten die Musiker immer wieder Soli.

Auch sonst ist das Programm bunt – ruhige Weisen wechseln sich ab mit tanzbaren Songs. Wie „Seven Dances“, der eher spanisch klingt. Oder „Liqa‘“ (Begegnung), ein schneller Tanz, das Thiele mit ihrem Schlagzeug rhythmisch aufpeppt. Aber es gibt auch ganz ungewöhnliche Töne: Bach‘sche Klänge auf orientalischen Instrumenten. „Ich bin ein Fan von Johann Sebastian Bach“, sagt Al-Khayyat, „weil er viel für Laute geschrieben hat.“ Er versuche, mit seiner Oud die Tonalität nachzuempfinden. Die Oud ist rauer, ursprünglicher, die Nay sanfter, gehauchter als die Blockflöte. Und so klingt das Stück vertraut – und doch fremd.

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