Das Angebot der Philharmonie wandelt sich – Die Veranstaltungen im März.

Veranstaltungen : Jenseits der Traditionsprogramme

Das Angebot der Philharmonie wandelt sich – Die Veranstaltungen im März.

Der Monat beginnt auf dem Kirchberg mit Orchester und großem Tanz. Ballett-Diseuse Anne Teresa de Keersmaker hatte 2014 eine Ballett-Version von Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht“ erarbeitet. Im großen Saal der Philharmonie ist ihre Choreografie nun erstmals mit Live-Musik zu erleben, gespielt von Musikern des „Orchestre Philharmonique“ (OPL) unter Alain Franco und produziert im Rahmen des „red-bridge“-Projekts, in dem Grand Théâtre, Philharmonie und Mudam unterschiedliche Gattungen zusammenbringen wollen (2. März). Gewissermaßen als Ausgleich spielt das OPL dann in der neuen Produktion von Rossinis „Barbier“ im Grand Théâtre (29. Februar und 2. März, 20 Uhr, 4. März, 17 Uhr).

Täuscht der Eindruck, oder bewegt sich das Philharmonie-Programm tatsächlich weg vom traditionellen Konzertbetrieb hin zu einer multikulturellen Performance? Jedenfalls entwickelt es eine Vielfalt, die längst den vergleichsweise engen Horizont der Traditions-Konzerthörer übersteigt? Immerhin 13 Veranstaltungen sind im März-Programm in Grün signiert. Was bedeutet: Es sind Veranstaltungen, die sich gerade nicht an die Traditionshörer wenden, sondern Experimente wagen – mit Kindern, mit lernbegierigen Musikfreunden. Wer Musik für einen fremden Kontinent hält, den es zu entdecken gilt, der ist bestens aufgehoben in Workshops wie „Sang Mat Family“ (16., 17., 18. März, 10 Uhr und 17 Uhr, „für Besucher von 6 bis 106 Jahren“) oder bei der musikalischen Fantasie „Chapeau, Chapeau!“ mit Clownerie und Akrobatik (17. und 18. März, 11, 15 und 17 Uhr). Oder auch der bei „musikalischen Schatzsuche“ für Sechs- bis Neunjährige (25. März, 10.30 Uhr und 15 Uhr, auf Deutsch). Schließlich präsentieren die „Ciné-Concerts“ den jungen Marlon Brando in „On the Waterfront“ (7. März, deutsche Version: „Die Faust im Nacken“) und hat mit „White Fang“ (9. März) und „Croc Blanc“ (10. März, 11 Uhr) zwei brillante Animationsfilme parat – selbstverständlich mit dem OPL und Live-Musik. Schließlich gehört auch die kommentierte Aufführung von Messiaens Orchesterwerk „De Canyons aux etoiles“ mit dem Ensemble Intercontemporain unter Matthias Pintscher zu den Höhepunkten im März – auch diese Veranstaltung ist Teil des „red bridge“-Projekts („Dating: Messiaen“, 21. März, 19 Uhr).

Klar ist dabei: Die Philharmonie gibt ihr traditionelles Publikum nicht auf. Auch im März-Programm lockt sie mit klangvollen Namen. Das „Orchestre de Paris“ reist an und spielt unter Daniel Harding Kompositionen von Schumann sowie Jörg Widmanns brandneues Violakonzert (12. März, Solist: Antoine Tamestit). Die Solistes Européens bieten für Bachs Klavierkonzert BWV 1056 immerhin Jungstar Kit Armstrong auf (19. März). Das Gustav-Mahler-Jugendorchester unter Vladimir Jurowski bringt zu Bartoks Konzert für zwei Klaviere die Star-Solisten Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich mit (28. März). Und das OPL präsentiert am 22. März ein britisch-französisches Programm mit Benjamin Brittens „Illuminations“ (nach Rimbaud) und der Liebesszene aus „Romeo et Juliette“ von Berlioz mit Anna Prohaska und Ida Aldian.

Manche mögen sich für das Kammermusikprogramm eine deutlichere Linie wünschen. Aber auch ohne ein erkennbares Konzept locken die Konzerte im wunderbaren Kammermusiksaal der Philharmonie einfach durch ihre Qualität. Das Dänische Streichquartett hat die Jagd-Quartette von Mozart und Jörg Widmann im Programm, außerdem Haydn und Brahms (13. März). Ein sechsköpfiges Ensemble mit Geigerin Isabelle Faust an der Spitze widmet sich einen ganzen Abend lang der Musik von Franz Schubert (20. März). Universal-Künstler Jean-Francois Zygel brilliert mit Klavier und wechselnder Beleuchtung (28. März, 19 Uhr). Star- Geiger David Garrett musste aufgrund eines Bandscheibenvorfalls sein Konzert am 10. März absagen. Ein Ersatztermin ist in der Planung. „Reine-Elisabeth“-Laureat Lukas Vondracek kommt und bringt Musik von Mozart und Schumann mit (23. März, 19 Uhr). Und als „rising stars“ erscheinen diesmal Trompeter Tamas Palfalvi und Pianist Marcell Szabo im Kammermusiksaal und bringen unter anderem Musik von Bartok und Schostakowitsch mit (6. März).

Speziell zu Ostern hat die Philharmonie dann ein anspruchsvolles Präsent parat: Die „Petite Messe solennelle“, Rossinis Alterswerk. Im traditionellen „Ousterconcert“ musizieren die Wiener Singakademie, die Solisten Eleonora Buratti, Sara Mingardo, Kenneth Tarver und Luca Pisaroni – und selbstverständlich das OPL unter seinem Chef Gustavo Gimeno (29. März)

Beginn, wenn nicht anders angegeben: 20 Uhr. Karten: (00352) 2632 2632. www.philharmonie.lu

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