Fraktale Kunst Das berechnete Chaos: Ausstellung „Fractal Fine Arts“ im Trifolion in Echternach

Echternach · Bernd Preiss vereint Mathematik und Kunst. Ab Dienstag, 14. November, stellt er im Trifolion in Echternach aus.

 „Zephyr“ nennt Bernd Preiss dieses Ergebnis seiner Arbeit mit Fraktalen. Foto: Bernd Preiss

„Zephyr“ nennt Bernd Preiss dieses Ergebnis seiner Arbeit mit Fraktalen. Foto: Bernd Preiss

Foto: bernd preiss (g_kultur

Der Künstler Bernd Preiss malt seine Bilder nicht mit Pinseln auf Leinwand. Seine Leinwand ist der Computer, seine Pinsel sind Formeln, seine Bilder sind Fraktale - abstrakte Strukturen, die sich scheinbar chaotisch ausbreiten. Ein Computer berechnet die Formen und Farben aus Formeln, die Preiss eingibt. "Im Gegensatz zu einem Maler kann ich nicht im Nachhinein etwas Rot in einer Ecke hinzufügen, wenn ich das möchte", erklärt Preiss. Denn dazu müsste er einen Parameter in der Formel ändern, und damit ändert sich das gesamte Bild - ganz egal, wie gering der Unterschied ist.

"Das ist wie mit dem Schmetterling, der in Afrika mit den Flügeln schlägt und in Asien einen Tornado auslöst." Denn wie das Wetter seien Fraktale hochkomplexe Gebilde, auf die extrem viele Faktoren gleichzeitig einwirken, so dass schon eine winzige Änderung das gesamte Gefüge durcheinanderbringen kann. "Natürlich könnte ich theoretisch auch exakt dasselbe Bild in Blau statt in Rot erstellen", sagt Preiss. "Aber ich dürfte nicht einfach einen Wert ändern, sondern müsste an allen Rädern gleichzeitig drehen. Dafür bräuchte ich einen unendlich großen Rechner und unendlich viel Zeit."

Doch was sind überhaupt Fraktale? "Fraktale sind die Architektur der Natur", sagt Preiss. Mit der fraktalen Geometrie lassen sich etwa Wolken, Berge und Bäume berechnen und beschreiben. Die sind für die klassische Geometrie mit Punkten, Geraden, Kreisen und Quadern zu unregelmäßig, zu chaotisch - zu natürlich. Diese Phänomene hat der französisch-amerikanische Mathematiker Benoît Mandelbrot in den 1980er Jahren für die Wissenschaft greifbar gemacht.

Preiss ist selbst Physiker. In den 1980ern hat er sich am Institut für Kernphysik der Goethe-Universität in Frankfurt unter anderem mit dem Aufbau von Molekülen beschäftigt. "Und die machen nicht immer, was man will", sagt er. Dann kam Mandelbrot und hat alles verändert. Plötzlich war exakt berechenbar, was da passiert. Am Computer ließen sich diese Berechnungen visualisieren. "Ich habe damals auf den lahmen Rechnern im Labor mit Fraktalen herumgespielt", erzählt Preiss. "Es hat stundenlang gedauert, bis überhaupt etwas passiert ist, aber die Ergebnisse waren wie aus einem Traum." So begann Preiss' Begeisterung für die Schönheit der Fraktale. "Wenn man das Prinzip einmal erkannt hat, sieht man es überall; es ist, als würde man der Natur ins Handwerk schauen."

Preiss' Bilder sind am Computer entstandene Visualisierungen dieser Berechnungen. Und tatsächlich lassen sich in ihnen mit etwas Fantasie verzerrte, knallbunte Wolken und Pflanzen erkennen. Besonders wichtig ist Preiss: "Ich erfinde nichts, ich entdecke." Seine Faszination für die natürlichen Formen verbietet ihm, die Bilder mit Photoshop nachträglich zu manipulieren. Ehrensache. Aber hat er überhaupt Einfluss darauf, wie die Bilder aussehen? "Wenn ich es mit der klassischen Malerei vergleiche: Es ist so, als könnte ich bestimmen, dass ich eine Seenlandschaft malen will und kein Porträt." Aber nicht, wo genau wie viele Bäume im Bild stehen.

Also ist das Ergebnis zum Teil dem Zufall überlassen? An Zufall glaubt Preiss nicht: "Auch wenn ein Künstler einen Eimer Farbe gegen eine Leinwand wirft, ist das Ergebnis nicht zufällig." Jeder Parameter ändere das Bild: Wie hoch hält der Künstler den Eimer, wie viel Farbe ist darin, wie schnell wird sie geworfen? Das Ergebnis ließe sich theoretisch exakt berechnen. "Bei meinen Fraktalen ist der Unterschied, dass ich diese Parameter genauer beeinflusse", sagt Preiss. Das bis ins letzte Detail zu tun, würde derzeitige menschliche und technische Möglichkeiten sprengen. "Echtes Chaos gibt es gar nicht", sagt Preiss. "Nur unsere Unfähigkeit, die Strukturen zu erkennen."

www.fractal-fineart.de

www.trifolion.de

Die Ausstellung

 Oft wecken die surrealen Formen Assoziationen bei Bernd Preiss, wie dieses Werk, das er „Oracle of Delphi“ getauft hat. Foto: Bernd Preiss

Oft wecken die surrealen Formen Assoziationen bei Bernd Preiss, wie dieses Werk, das er „Oracle of Delphi“ getauft hat. Foto: Bernd Preiss

Foto: Bernd Preiss (g_kultur
 Künstler und Physiker Bernd Preiss. Foto: Yvette Krummel

Künstler und Physiker Bernd Preiss. Foto: Yvette Krummel

Foto: bernd preiss (g_kultur

Die Vernissage von Bernd Preiss' Ausstellung "Fractal Fine Arts" im Trifolion Echternach ist am Dienstag, 14. November, um 19 Uhr. Zur Vernissage spielt die Luxemburger Band Simon's Sound Machine elektronische Musik, und der Trierer Mathematik-Professor Olaf Post hält einen einführenden Vortrag. Der Eintritt ist kostenlos. Besichtigungen sind während Trifolion-Veranstaltungen sowie dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr möglich. Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 10. Dezember.

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