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"Das Erbe ist nicht von gestern"

"Das Erbe ist nicht von gestern"

MANDEREN. Wie man gebaute Vergangenheit im ländlichen Raum der Großregion zukunftsfähig macht, zeigt die Ausstellung "Denkmäler der Zukunft". Ab Juli kommen die informativen Tafeln auch nach Rheinland-Pfalz.

Wie die Ritterburg aus dem Kinderzimmer sieht sie aus, die stolze Burg Malbrouck im Dreiländereck bei Manderen. Weit reicht der Blick über bewaldete Höhen, gelbe Rapsfelder und zersiedelte Tallandschaften. Spätestens beim Anblick der Baugebiete nach Streublumenart ist allerdings klar, dass das Glück auf der grünen Wiese nicht funktioniert, wenn Architektur und Landschaft zur beliebigen Verfügungsmasse werden. Da hilft auch das aufwendig restaurierte Schloss nicht. Regionale ländliche Entwicklung muss ein stimmiges Ganzes aus historischer Substanz und modernem Zugewinn sein. Darüber war sich die Gesellschaft aus Architekten, Denkmalpflegern und Kulturpolitikern einig, die sich im einzigen lothringischen Schloss aus dem 15. Jahrhundert versammelt hatte. Vorgestellt wurde die Ausstellung "Denkmäler der Zukunft", die im Rahmen eines grenzübergreifenden Projekts namens P.R.E.V.E.R.T entstanden ist. Ausgegangen war die Initiative von der Vereinigung "Ländlicher Raum - Umwelt - Entwicklung (R.E.D.), die sich seit 1983 für die Stärkung und Aufwertung der dörflichen Strukturen im Saar-Lor-Lux- Raum einsetzt. 27 Bauten hat eine interregionale Jury aus Fachleuten, der auch Baudirektor Wolfgang Busch von der ADD Trier angehörte, in Lothringen, Wallonien, Luxemburg und Rheinland-Pfalz ausgewählt. "Das ländlich-kulturelle Erbe der Großregion ist nicht von gestern", stellte R.E.D.-Präsident Gérard Peltre fest. Nicht nur schön anzusehen sind die Bauernhöfe, Burgen, Kirchen, Pfarrhäuser, Mühlen und Werkstätten. Als Wohnhäuser, Hotels und Kulturzentren bescheren sie der Region zudem Touristen, Arbeitsplätze und Lebensqualität. Besonders bedroht sind künftig die Kirchen. Wie kirchliche Bauten weiterhin Zukunft haben, zeigte R.E.D.-Mitglied Marie-Luise Niewodniczanska am Beispiel des ehemaligen Klosters in Hornbach. Dort wird heute architektonisch-klösterliche Kargheit mit raffinierter Gastronomie verbunden. Bei aller Freude über die gelungenen Umnutzungen: Anlass zur Sorge bleibt. "Entscheidend ist die Identifikation", so die französische Architektin Nathalie Mezureux. Dieses Ich- oder Wir-Gefühl wird für den ländlichen Raum zur denkmalpflegerischen Bewährungsprobe. Wie kaum anderswo haben sich dort die Strukturen gewandelt. Vie-lerorts sind Dörfer nur noch Freizeit- und Schlafgemeinschaften. Die Pflege von Ort und Denkmal erschöpft sich dann nicht selten in folkloristischem Kunstgewerbe. Der Pendler, der in der Stadt arbeitet, wird auch durch den Erwerb eines alten Bauernhauses kein Bauer, die Bedürfnisse einer modernen Kleinfamilie haben einen anderen Raumbedarf als die einstige bäuerliche Großfamilie mit ihrer Vielzahl kleiner Kammern. Jeder, der ein Denkmal gewerblich nutzen will, weiß, dass die Denkmalseligkeit spätestens aufhört, wo die Verordnung des Feuerschutzes beginnt. Denkmalpflege als Bestandspflege braucht Umsicht und Fingerspitzengefühl. Soll ein Denkmal fort- leben, muss es sich im zumutbaren Umfang auf seine neuen Besitzer einstellen. Apropos Umnutzung: Und warum darf nicht auch ein historisches Gebäude in Würde sterben? Schließlich ist nicht alles gut, was alt ist.