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"Das gehört schon ins Virtuosenfach"

"Das gehört schon ins Virtuosenfach"

Dekanatskantor Johannes Klar hatte eingeladen, und Eberhard Lauer, Kirchenmusikdirektor in Hamburg, war nach Schweich gekommen. Auch dank der Teilnehmer fand sein Orgel-Workshop in St. Martin auf einem erstaunlich hohen Niveau statt.

Schweich. Wann hat die Pfarrkirche St. Martin so etwas zum letzten Mal erlebt? An die drei Stunden lang tönte im ehrwürdigen Gotteshaus Orgelmusik - stark und füllig, hell und kräftig, manchmal auch zart-verhalten, und immer absolut professionell. Es war ein Workshop, der am Freitag auf der Orgel-Empore in Schweich stattfand - durchgeführt vom Hamburger Kirchenmusikdirektor und Lübecker Orgelprofessor Eberhard Lauer. Und arrangiert von Lauers Studienkollegen, dem Schweicher Dekanatskantor Johannes Klar.
Es war mit fünf Kursteilnehmern eine kleine Gruppe, die am Freitagabend in Schweich antrat. Aber mag die Quantität auch gering gewesen sein, die Qualität der Teilnehmer überzeugte rundweg. "Ich bin erstaunt, welch anspruchsvolle Stücke hier gespielt werden" sagt Lauer. Keiner der Kursteilnehmer ist hauptberuflich Organist. Und doch spielten sie Kompositionen, die zum Anspruchsvollsten in der Orgelliteratur gehören. Lauer ganz offen: "Das gehört schon ins Virtuosenfach".
Da stellt ein Koblenzer Gymnasiallehrer den "94. Psalm" des Max-Reger-Zeitgenossen Julius Reubke mit enormer Sicherheit und künstlerischer Überzeugungskraft hin. Da gibt ein 68-jähriger Pensionär Bachs großer "dorischer" Toccata Wucht und Lebendigkeit zugleich mit.
Da brilliert ein Lehrer und nebenberuflicher Organist mit dem ersten Stück aus Marcel Duprés "Préludes". Ein junger Mann, noch Schüler, zeigt sich erstaunlich sattelfest auf Manualen und Pedal. Und ein Bankangestellter, der in Kürze die sogenannte D-Prüfung für nebenamtliche Kirchenmusiker absolvieren will, erweist sich bei Musik von Bach und dessen Vetter Johann Gottfried Walther als sensibler Interpret. Eberhard Lauer steigt auf diesem hohen Niveau in die Kursarbeit ein. Es geht dabei zunächst nur um Details: Wie und wann soll das Tempo modifiziert werden? Wo sollen Töne gebunden werden und wo voneinander getrennt? All das zu entscheiden und umzusetzen ist gelegentlich ein zeitraubender Prozess.
Für Lauer ist klar: Bei Workshops sind die Ergebnisse begrenzt. "Wir können in wenigen Stunden nichts Grundsätzliches ändern, aber wir können Anregungen geben, neue Wege aufzeigen." Die freilich müssen von den Kursteilnehmern eigenständig eingeschlagen werden.
Mit dem Workshop am Freitag war Lauers Gastaufenthalt in Schweich noch nicht abgeschlossen. Der Hamburger Organist, der aus Rheinland-Pfalz stammt, gab tags darauf ein Orgelkonzert in St. Martin. Lauer spielte außerdem zur Sonntagsmesse an der Orgel. mö