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Das Genie kommt still und leise

Das Genie kommt still und leise

Trier. Durch die Werbung werden die Erwartungen für die Konzerte des Gitarristen Aldo Lagrutta sehr hoch geschraubt. Das er diese auch erfüllen konnte, zeigte sich bei seinem Soloabend im Kurfürstlichen Palais, zu dem mehr Interessierte gekommen waren, als der Raum fassen konnte.

Man sollte skeptisch sein, wenn ein Musiker als das "Nonplusultra" auf seinem Instrument angekündigt wird, wenn mit Vokabeln wie "Genie", "unvergleichlich" und "perfekt" um sich geworfen wird. Vorsichtig sollte man werden, wenn jemand mit 15 Jahren sein erstes Instrument bekommt und ihm schon mit 17, vor Abschluss seines Studiums, ein Professoren-Titel zuerkannt wird - nach deutschem Hochschulrecht immerhin die höchste Lehrbefähigung, die man erhalten kann. Das Ganze hinterlässt den Eindruck von überzogenem Werberummel. Der Gitarrist Aldo Lagrutta wird so beworben, ihm wurden gar die Prädikate "Paganini" und "Chopin der Gitarre" verpasst. Zum Auftreten von Lagrutta passt diese Werbemaschinerie gar nicht. Bescheiden und unscheinbar betrat er seine kleine Bühne. Und auch sein Programm passte so gar nicht zum Nimbus eines Superstars, eines Virtuosen, wie man ihn erwarten konnte. Mit sechs Etüden des Gitarrenklassikers Fernando Sor startete er in seinen Solovortrag und schaffte es, auch den Skeptiker zur Aufmerksamkeit zu bewegen, die Zweifel an der Garderobe abzugeben und sich dem zu öffnen, was Lagrutta zu bieten hatte.Handwerklich feinste Arbeit

Das Ergebnis war handwerklich feinste Arbeit, gepaart mit künstlerisch sehr anspruchsvoller Aussage, wie man sie in der Tat nicht häufig erlebt. Da war nichts Lautes, nichts augenfällig Feuriges, dem man sich nicht entziehen konnte. Man musste schon die Ohren spitzen, um die feine Kunst dieses Mannes in vollem Umfang genießen zu können. Ob in Francisco Tárregas "Gran Jota Aragonesa" oder in Moreno Tórrobas "Castillos" oder auch in Joaquin Malatz "Serenata Española", der Zuhörer entdeckte einen Musiker, der mit reinem und schönem Ton verschiedene denkbare und auch undenkbare Klangfarben aus seinem Instrument hervorlockte. Verständlich, dass bereits vor dem Ende des Konzertes "Bravissimo" gerufen wurde.