Das Karl-Marx-Jahr 2018 in Trier: Was geplant ist

Jubiläum : Marx hier, Marx da!

Wie Trier den 200. Geburtstag des Philosophen feiert, was überrascht und wonach Touristen vergeblich suchen werden.

Werner Rössel muss chinesischen Touristen oft einen Korb geben. Wenn Gäste aus Fernost durch Trier strömen, fragen sie den Domprobst des Bistums häufig, wo im Dom denn das Grab von Karl Marx liegt. „Und dann muss ich sie enttäuschen. Das ist hier nicht“, sagt Rössel mit einem Lächeln im Gesicht. Das Grab von Marx liegt nämlich in London. Das ändert aber nichts daran, dass Touristen aus aller Welt ab dem 5. Mai in Trier so viel zu Marx zu sehen bekommen wie sonst in keinem anderen Land. Und das ganz lebendig. Die Region feiert den 200. Geburtstag des Philosophen mit einem üppigen Programm. Geht es danach, ist das Marx-Jubiläum ...

... schlau: Alleine drei Sonderausstellungen widmen sich dem Philosophen. Die Landesausstellung „Karl Marx 1818-1893. Leben.  Werk. Zeit“ ist vom 5. Mai an im Rheinischen Landesmuseum Trier und dem Stadtmuseum Simeonstift zu sehen. Auf einer Fläche von 1600 Quadratmetern gibt es 400 Leihgabe aus zehn Ländern: wie eine Erstausgabe vom Marx-Werk „Das Kapital“ mit Notizen des Philosophen, eine Radierung von Edvard Munch, Gemälde aus Museen in Paris, Amsterdam und Genf. Erinnern sollen die Ausstellungen auch an die Zeit, in der Marx lebte. „Aus Trier sind aus Armut damals jährlich mehr als 100 Familien ausgewandert“, erzählt Oberbürgermeister Wolfram Leibe. „Daran erinnern wir.“ Dazu kommt eine Sonderschau im Museum am Dom, die sich dem Menschen und der Arbeit widmet. Nicht zu vergessen eine neue Ausstellung im Karl-Marx-Haus, die dauerhaft laufen soll und das Wirken des Denkers bis in die Gegenwart beleuchtet. Nach Kurt Beck, Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung, liegen die Macher im Zeitplan. Die Hausrenovierung werde bis Mitte Februar abgeschlossen. Die Ausstellung werde vielsprachig sein, mit Übersetzungen in Chinesisch, Englisch und Französisch. Es sei auch gelungen, über Nachkommen von Marx dessen Lesesessel zu bekommen, frohlockt Beck.

... überraschend: Wer an Marx denkt, dem fällt meistens das Kapital ein, aber auch das, was kommunistische Diktatoren im 21. Jahrhundert aus seinem Schaffen gemacht haben. Beatrix Bouvier, wissenschaftliche Leiterin der Landesausstellung, hält es für angebracht, „ideologischen Ballast“ über Bord zu werfen. „Wir gehen davon aus, dass der Pulverdampf des Kalten Krieges verflogen ist“, sagt sie und strebt ein „neueres Marx-Bild an als das, was in den Köpfen steckt“. Wolfram Leibe, Oberbürgermeister von Trier, hat es überrascht, dass Karl Marx auch William Shakespeare gelesen hat. Ausstellungsleiter Rudolf Hahn sagt, dass Verwandte von Marx einen Weinberg in der Region hatten. Ulkig: Das Kommunistische Manifest ist zum Jubiläum in 3000 Zeichen und einfacher Sprache zusammengefasst worden.

... bühnenreif: 65 Mal landet Marx auf der Bühne. Joshua Sobol hat das Schauspiel mit dem Arbeitstitel „Marx’ Bankett“ geschrieben, das das Theater Trier am 15. September erstmalig zeigt. Die Tuchfabrik Trier zeigt vom 2. Juni an „Die Karl Marx Revue“. Und dann wäre da noch ein Comedy-Musical zu dem Denker, das ab dem 18. Oktober startet. Mitgeschrieben an dem Stück hat Tobias Künzel, der langhaarige Blondschopf von den Prinzen. Das Mosel Musikfestival lädt ein zu Marx-Salons, an denen unter anderem der Linken-Politiker Gregor Gysi teilnimmt. Bei der Veranstaltung „Marx träumt vom Sommer“ ist auch Tatort-Schauspieler Dominique Horwitz zu Gast in der Region. Das Broadway-Kino zeigt außerdem in 15 Vorführungen den Film vom jungen Karl-Marx. Darüber hinaus gibt es noch 60 Vorträge: der Londoner Marx-Biograf Gareth Stedman liest am 23. Mai beispielsweise in der Promotionsaula.

... kreativ: Auch 20 musikalische Veranstaltungen sind geplant. Spannend dabei: Komponisten aus der ganzen Welt sind eingeladen, sich mit den Gedanken von Karl Marx auseinanderzusetzen und musikalisch mit Leben zu füllen. Schauspieler lesen dazu aus den Briefen, die Marx seiner Familie und dem Philosophen Friedrich Engels schickte. Eine Serie soll Trierer porträtieren, die den Namen Marx tragen.

... digital: Facebook, Twitter und Co. gab es nicht, als Marx lebte. Aber zum 200. Geburtstag gehören auch die sozialen Medien dazu. Über einen Instagram-Kanal können Nutzer Fotos einbinden. Auf einer digitalen Plattform sollen Netzwerke von Marx, Biographien und Bezüge zur heutigen Zeit zugänglich sein. Eine mobile App soll Besucher durch das Karl-Marx-Jahr lotsen.

... bunt: Trier soll das Karl-Marx-Jahr auch feiern, sagen die Veranstalter. Und besonders den Geburtstag am 5. Mai. Dann gibt es unter anderem ein Bürgerfest in der Stadt, Feiern im Karl-Marx-Viertel und die Enthüllung der 5,50-Meter großen Philosophen-Statue aus China.  Ob diese per Bahn, Flugzeug oder Schiff nach Trier verfrachtet wird, lässt Wolfram Leibe offen, der auf einen Transport bis März hofft, zumal der Sockel in Trier gefertigt werde. „Je länger es dauert, desto wahrscheinlicher kommt die Statue mit dem Flieger“, sagt er.

Was Wolfram Leibe vom Karl-Marx-Jubiläum erwartet, sagt er im Interview auf
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