| 21:12 Uhr

Das Kind im Manne Alfons

Witziges und anrührendes Kabarett mit Alfons in der Tufa. TV-Foto: Dirk Tenbrock
Witziges und anrührendes Kabarett mit Alfons in der Tufa. TV-Foto: Dirk Tenbrock FOTO: Dirk Tenbrock (DT) ("TV-Upload Tenbrock"
Trier. Bei seinem ersten Auftritt in Trier hat der aus dem Fernsehen bekannte französische Kabarettist Alfons die Zuschauer auf eine Reise durch seine Kindheit geschickt. Mit Witz, Poesie und Spontaneität gewann er die Herzen. Dirk Tenbrock

Trier. Rappelvoll ist der große Saal der Trierer Tuchfabrik am Freitagabend. Lange Schlangen vor der Tür zeugen von der großen Beliebtheit des aus der ARD bekannten Reporters "Alfons", der schon seit über 20 Jahren mit französischem Akzent, orangener DDR-Trainingsjacke und seinem großen Puschel-Mikrofon die Befindlichkeiten der Deutschen in satirischen Interviews auf die Schippe nimmt.
Dabei lebt der 48-Jährige von seiner Authentizität, nichts an ihm wirkt - trotz aller Überzeichnung - aufgesetzt.
Neben diesen Interviews, als Highlights immer wieder zwischendurch auf einer Leinwand präsentiert, zeigt der gebürtige Pariser Emmanuel Peterfalvi (so lautet sein Name im richtigen Leben) aber auch ungewohnte Seiten.
Sein Programm "Wiedersehen mit Freunden" basiert auf der wahren Geschichte seiner lebenslangen Freundschaft mit zwei Jungen aus dem 13. Pariser Arrondissement, die er an diesem Abend erzählt.
Melancholisch ist das, anrührend, philosophisch, traurig und, natürlich, sehr witzig. In schwierigen familiären Situationen, in der Schule und auf dem "Terrain vague", einer Brache mitten im Paris der 1970er Jahre, erleben Alfons und seine Freunde Jérôme und Jean-François die Begegnung mit dem Clochard-Philosophen, den sie Archimedes nennen, als bereichernde Inspiration auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden.
Da driftet mancher Zuschauer ab, die Mienen werden ernst. Alfons jedoch schafft es immer wieder, mit humorvollen Reflexionen diese Spannung zu durchbrechen.
Die Film-Einspieler wären entbehrlich, sorgen aber immer wieder für befreiendes Lachen. Am stärksten ist der Mann, der schon seit vielen Jahren in Hamburg wohnt, aber in seinem spontanen Witz, inspiriert durch Zuschauerreaktionen, die er einfordert. Da läuft er zur Hochform auf, sprüht vor französischem Esprit und spielt mit den wechselseitigen Klischeevorstellungen über Deutschland und Frankreich.
Er darf das, denn er weiß es, und er kann es auch ganz formidable! Ein Beispiel? Während Franzosen ihrer Wut in einer spontanen Demonstration Ausdruck geben, müsse man in Deutschland erst einmal Formulare und Genehmigungen ausfüllen, und auch mit den Molotowcocktails sei das nicht so einfach, auf den Flaschen sei ja noch Pfand. Wenn er durch den Clochard Archimedes vom Kind im Manne spricht, das es zu erhalten gilt, ist Alfons ganz leise, ganz bei sich. Ihm und seinen Freunden ist das innere Kind jedenfalls erhalten geblieben, wie ein Video zum Abschluss zeigt.
Intelligentes Kabarett mit leisen Tönen, das leider heute sehr selten ist. "Ungewohnt, aber schön", sagt Yvonne, die selbst seit vielen Jahren als Französin in Deutschland lebt.
Begeisterter Applaus des Publikums zum Abschluss.