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Das Kino-Gespräch: „Die Bully-Parade – Der Film“: Witze aus der Sofa-Ritze

Kino-Gespräch : „Die Bullyparade – Der Film“: Witze aus der Sofa-Ritze

Die TV-Volontäre Adrian Froschauer und David Falkner waren im Kino – und tauschen sich aus. Das Thema: „Die Bullyparade – Der Film“, der am Donnerstag angelaufen ist. Eine Rezension in Gesprächsform.

David Falkner: Du hast im Gegensatz zu mir die „Bullyparade“ gesehen, als sie noch im Fernsehen lief. Das war 1998 bis 2002. Lange her. Kannst du mir als Kenner sagen, was „Bullyparade – Der Film“ eigentlich genau ist? Ich weiß nämlich nicht, was ich da gerade gesehen habe.

Adrian Froschauer: Im Grunde ist der Film eine Episode der „Bullyparade“, aber auf 100 Minuten Länge ausgewalzt – eine Nummernrevue aus fünf unabhängigen Sketchen, die Figuren und Gags der Fernsehshow aufgreifen. Winnetou-, Sissi- und Star-Trek-Parodien - kennt man ja. Einen roten Faden oder eine Rahmenhandlung gibt es nicht.

Falkner: Die erste Episode ist sehr kurz, eine Verballhornung des Filmklassikers „Zurück in die Zukunft“ (“Zurück in die Zone“): Zeitreisende Ossis – und ich meine das nicht despektierlich, nein, das ist eben der Humor dieses Films – verhindern den Mauerfall, inklusive Originalaufnahmen von Günter Schabowski und David Hasselhoff. Ein ziemlich fader Treppenwitz, aber ein Einstieg, der genug knallt, um zumindest meine Aufmerksamkeit zu erregen. Die anderen Episoden sind länger.

Froschauer: Zu lang. Einzelne Witze haben gutes Timing, aber die meisten werden unnötig in die Länge gezogen. In einer Szene findet Winnetou einen Bootsverleih mitten in der Wüste – schön absurd. Aber anstatt es dabei zu belassen, unterhalten sich die Figuren dann darüber, wie absurd das ist, damit der Zuschauer es auch ja versteht. Manche Kultgags aus der Fernsehshow werden ohne Kontext und ohne Pointe eingebaut, nur um die Fans zu bedienen. Wie findest du das denn als jemand, der die Sendung nie gesehen hat?

Falkner: Diese Gags waren für mich auch nicht weniger sinnvoll als der Rest des Films. Ich habe vor Jahren die beiden Bully-Filme „Der Schuh des Manitu“ (2001) und „(T)Raumschiff Surprise“ (2004) gesehen, im Grunde ja auch Auskopplungen der „Bullyparade“, und habe viele Witze wiedererkannt. Ob man dieses Wiederkäuen bekannter Scherze jetzt gut oder faul findet, muss wohl jeder selbst entscheiden.

Froschauer: Wie fandest du den Film denn insgesamt?

Falkner: Hundsblöd. Aber er will ja hundsblöd sein, das kann man ihm gar nicht vorwerfen. Bei mir haben die subtileren Witze besser funktioniert, die nicht viel Aufwand betreiben und dem Zuschauer nicht direkt ins Gesicht gehalten werden. Das passiert leider zu selten. Stattdessen werden Klischees hochgenommen, die vor 20 Jahren mal lustig waren: missmutige Ossis, tuntige Schwule, Schmuddelseiten im Internet. Was 1998 funktioniert hat, funktioniert heute nicht mehr. Das sind Witze aus der Sofaritze, es fehlen Tempo, frischer Humor und der Mut und der Wille, neues auszuprobieren.

Froschauer: Ein Reinfall.

Falkner: Nein, das jetzt auch nicht. Der Film gibt ja gar nicht vor, mehr zu sein als eine olle, alberne Sketchshow. Und handwerklich ist er richtig gut. Kamera, Schnitt, Schauspiel, Effekte – das ist alles super!

Froschauer: Das muss ich zugeben: Michael „Bully“ Herbig ist ein guter Regisseur. Auch für die Fernsehshow hat er selbst die albernsten Sketche auf Hollywood-Niveau produziert. Damit haben sich Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian (der mir in diesem Film am besten gefallen hat) von der Konkurrenz im Fernsehen abgehoben. Für das Kino reicht das aber nicht. „Die Bullyparade – Der Film“ ist Blödsinn in handwerklichem Hochglanz, aber einfach nicht witzig. Ganz übel sind die Promi-Auftritte! Da tauchen ohne Pointe Peter Maffay, Til Schweiger oder Elias M’Barek auf, und man soll lachen, weil ... man das Gesicht erkennt? Aber welche Episode hat dir noch am besten gefallen?

Falkner: Eindeutig der Western-Sketch „Winnetou in Love“! Der hat eine Geschichte erzählt, in der kurioser Unsinn passiert – und nicht umgekehrt eine Geschichte um ein paar verkalkte Witze herumkonstruiert. Und was fandest du am besten?

Froschauer: Den Abspann.

Falkner: Weil’s endlich vorbei war?

Froschauer: Auch. Im Abspann wurden vermasselte Szenen von den Dreharbeiten gezeigt. Die waren wirklich witzig, und da hat auch das Trierer Publikum tatsächlich am lautesten gelacht. Was das jetzt über den Film aussagt, sei mal dahingestellt.