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Interview Sebastian Langner und Johannes Baum
Das Konzept: Junge Musiker und harte Knochen

Das Rheingold-Trio tritt am 29. September als Konzert Nr. 2 im aktuellen Programm des Wittlicher Musikkreises auf.
Das Rheingold-Trio tritt am 29. September als Konzert Nr. 2 im aktuellen Programm des Wittlicher Musikkreises auf. FOTO: TV / Veranstalter
Wittlich. 25 Jahre Musikkreis Wittlich: Ein Gespräch über die neue Saison an der Lieser und die Perspektiven im Verein.

Vor 25 Jahren hat die Stadt Wittlich das Experiment gewagt und die Verantwortung für die städtischen Kulturveranstaltungen einem eigens gegründeten, eingetragenen Verein übertragen – dem „Musikkreis Wittlich“. Mit der Übernahme durch den Verein fanden sich auch rasch Akteure, die ihre Mitglied­schaft nicht als Formalie ansehen, sondern für die musikalische Sache brennen. Nach 25 Jahren ist jetzt im Vereinsvorstand schon die zweite Generation aktiv. Für die aktuelle Spielzeit präsentiert der Musikkreis in Wittlich ein Programm, das alles Mögliche sein kann – nur nicht langweilig. TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach mit Sebastian Langner und Johannes Baum vom Wittlicher Musikkreis.

Herr Baum, Herr Langner, ein Konzert der diesjährigen Wittlicher Veranstaltungsreihe liegt nun schon hinter uns. Hat die Veranstaltung mit den jungen Preisträgern Ihre Erwartungen erfüllt?

LANGNER Ja, auf jeden Fall. Es waren exzellente junge Musiker, bei denen man sich wirklich die Frage stellt, wie jemand in so jungen Jahren so etwas schafft. Es waren Musiker der Jahrgänge 2002 bis 2007. Ich musste zweimal hinschauen – ist das wirklich wahr?

BAUM Es war auch atmosphärisch eine sehr schöne Veranstaltung. Und für die jungen Leute fantastisch, weil sie ohne Wettbewerbsdruck auftreten konnten. Das hat denen gutgetan und uns auch.

Welche Rolle nimmt nun dieses Konzert im Wittlicher Gesamtprogramm ein. Ist es ein – sagen wir: vorgeschaltetes Konzert, dem dann später die großen Konzerte folgen?

LANGNER Dass das Konzert am Anfang steht, ist eventuell ein Zufall. Das hängt zusammen mit der Jahreshauptversammlung unseres Vereins. Wir hatten gehofft, dass nach den Konzert und dem anschließenden Sektempfang zur Versammlung mehr Mitglieder kommen würden als üblich.

Und kamen mehr?

LANGNER Nein! (lacht) Der mangelnde Zuspruch ist ja nicht negativ. Man bleibt ja bei einer Jahresversammlung weg, weil ja alles gut läuft. Die Leute genießen unsere Programme und sind offensichtlich einverstanden damit.

Wenn ich Sie richtig verstehe, ist das Rheingold-Trio am 29. September Konzert Nr. 2 im aktuellen Programm?

LANGNER Ganz klar: Wir müssen die Veranstaltung mit den jungen Leuten ernsthaft als vollwertiges Konzert auffassen, auch wenn der Eintritt frei war. Aber dieses Preisträgerkonzert gehört einfach zu unserer Konzertreihe dazu.

Ich weiß nicht, ob ich mich täusche, aber kann es sein, dass Sie bei den Kammerkonzerten sozusagen von der reinen Lehre abweichen? Also vom Prinzip: fünf oder sechs Kammerkonzerte mit hochkarätigen Interpreten und anspruchsvollen Programmen – und nichts außerdem. Ihr Programm ist ja nun wesentlich bunter. Zeichnet sich bei Ihnen eine Wendung ab, eine Kurve vielleicht ins Populäre? Sie haben ja auch wieder Kooperationen – zum Beispiel mit den Mozart-Wochen in Prüm Sind das nur Zufälle, oder gibt es da auch eine Tendenz? Oder hat es das in Wittlich schon immer gegeben?

LANGNER Das ist schon immer so gewesen. Allerdings: Da spielen auch Zufälle eine Rolle – wen man zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen verpflichten kann. In dieser Saison haben wir im Prinzip schon das, was wir sonst auch haben.

Das heißt: Sie nehmen im Programm keine Kurve, sondern steuern weiter geradeaus?

LANGNER So ist es. Und Kooperationen, zum Beispiel mit der Villa Musica, sind für uns wichtig. Erstens bekommen wir so hervorragende Leute, und zweitens tut uns die Kooperation auch finanziell gut.

Was das Publikum angeht: Beobachten Sie Tendenzen, die neu sind und auf die Sie vielleicht reagieren müssen? Woanders wird ja die Überalterung beklagt. Wie sieht es bei Ihnen aus?

BAUM Wir müssen schon schauen, dass man mehr junge Leute ins Boot bekommt. Das geht nicht von heute auf morgen. Das heißt: Mittelfristig muss uns etwas einfallen. Aber es gibt ja in Wittlich schon Veranstaltungen, bei denen die Schulen beteiligt wurden.

LANGNER Und die jungen Preisträger, die gehören auch dazu … Letztlich sind wir nicht unzufrieden. Wir haben im Durchschnitt einen ganz guten Besuch – ungefähr 2350 Personen pro Saison. Uns ist klar: Wir können eine bestimmte Klientel nicht ziehen, die nur aufs Event schielt. Die gehen eher zu Veranstaltungen, wo zum Beispiel Wein ausgeschenkt wird. Zu uns kommen Leute, die auch die harten Knochen im Programm vertragen. Oder die ein Stück kennen und es noch einmal hören wollen.

Und wie sieht es aus mit den beiden Orchesterkonzerten?

LANGNER Sie wissen ja, der Musikkreis besteht 25 Jahre. Da kooperieren wir auch mit der Musikschule, die ja 50 Jahre besteht. Und die Stadt richtet im Wittlicher Eventum alle zwei Jahre eine Orchesterveranstaltung aus. Da hat sich in diesem Jahr angeboten, das gemeinsam zu stemmen. Und wir hoffen, dass wir beide Veranstaltungen gut füllen können.

Die Programme kommen von den Interpreten, oder greift ihr da ein?

LANGNER Also, wir stehen auf dem Standpunkt: Man muss auch Rücksicht nehmen auf das, was die Musiker gerade erarbeitet haben. Das können die auch am besten. Da ist es gut, wenn man die einfach mal machen lässt. Die Singphoniker haben eine Reihe von Programmen auf Lager. Ich war in Wien und habe im Jüdischen Museum eine Aufnahme mit Kreisler gehört. Und ich war hin und weg. Es war so unheimlich gut. Und nun kommen die beiden Wiener Jungs – Schubert und Kreisler – zu uns. Da bin ich bei der Programmauswahl mal Egoist gewesen.

Wissen Sie, dass ein Trierer Musiker und Konzertveranstalter bei den Anfängen der Singphoniker Pate stand?

LANGNER, BAUM (erstaunt)… nein

Es war Karl Berg. Der hat als einer der Ersten in den 1980ern die Singphoniker engagiert. Und als sie dann Anfang der 1990er erneut in Trier gesungen haben, haben sie sich ausdrücklich und öffentlich bei Berg bedankt. Das ist durchaus ein Grund, sich wieder an Karl Berg zu erinnern. Der war wirklich ein Multitalent.