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Das Monster ist immer der Dackel

Das Monster ist immer der Dackel

Wer Spaß am ganz normalen Wahnsinn hat oder einfach mal ein paar Denkanstöße braucht, ist in der aktuellen Ausstellung der Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst richtig. Rätselspaß mit Tiefgang ist dort angesagt.

Trier. (ER) In der Galerie Palais Walderdorff spielt Jens Andres Bilderdomino. Dazu legt er Versatzstücke aus Wirklichkeit und Fantasie aneinander, so dass völlig ungewohnte Bildzusammenhänge entstehen. Pfiffig und höchst unterhaltsam macht er das, hintergründig und ein bisschen bissig, aber immer witzig. Nicht nur stilistisch kommt in diesen Bildern voller Seh-Überraschungen, bei denen Comic, Pop, Realismus und abstrakte Malerei Pate standen, allerhand zusammen. Dürers Hase trifft sich in Andres' Bilderrätseln mit einer schwarzen Krähe, die uns an Einsamkeit im Allgemeinen und Schuberts "Winterreise" im Besonderen denken lässt. Eine hellblaue Schildkröte als Schiedsrichter

Im Schutz des röhrenden Hirschs, der sich wichtig tut, macht es sich ein grasgrünes Nilpferd gemütlich. Gerade haben wir das kleine rosa Monster darüber im Geist geknuddelt, da fährt uns der Schreck in die Glieder. Hinter dem niedlichen Tier springt ein Ratte hervor. Andernorts in Andres Tierleben verbellt eine Mischung aus Dackel und Vorsteherhund ein zähnefletschendes Ungeheuer. Dazwischen sitzt als Schiedsrichter eine stoische hellblaue Schildkröte, während im Hintergrund ein aus dem Science Fiction entlehntes Wesen mit Silberblick dem aufgeregten Treiben zuschaut. Und selbst das ansonsten eher am Wiederkäuen interessierte Rind scheint sich Gedanken zu machen, wie weit Herz und Magen zusammenhängen und woher die bunten Kleckse nebenan kommen. Etwa aus seinem Hinterteil? Natürlich werfen Jens Andres' Bilderrätsel mehr Fragen auf als sie beantworten. Was Wunder, dass sich Mensch wie Maulwurf auf der Suche nach dem Glück im Labyrinth verirren. Auf solch offene Fragen legt Andres es freilich an. "Was ich fürchte ist Gedankenlosigkeit", heißt eine Arbeit. Hätte er nicht extra erwähnen müssen, sieht man doch.Bis 3. August, Di-Fr 11-13 und 14-17 Uhr, Sa, So 10-13 Uhr, Telefon 0651/66671, www.gb-kunst.de.