Das Mosel Musikfestival kann sich seit langem auf  Hilfe verlassen. Jetzt hat im  Förderverein ein Generationenwechsel stattgefunden.

Kultur : Zwei Freunde der Musik

Das Mosel Musikfestival kann sich seit langem auf  Hilfe verlassen. Jetzt hat im  Förderverein ein Generationenwechsel stattgefunden.

Eindrucksvolle 21 Jahre hat Wolfgang Lichter verdienstvoll und hochengagiert den Verein der Freunde des Mosel Musikfestivals  geleitet. Jetzt hat der studierte Musikpädagoge (Jahrgang 1933) und Leiter der Bernkasteler Kammermusikvereinigung  den Stab an die nächste Generation  weitergegeben. Neuer Vorsitzender ist Dirk Eis aus Trier ( der TV berichtete). Zeit für den gerade ernannten Ehrenvorsitzenden, Rückblick zu halten und einen Ausblick zu geben.

Für ihn sei es von Anfang an selbstverständlich gewesen, ein so wichtiges Projekt wie das Mosel Musikfestival  zu unterstützen, erzählt Lichter. Nicht nur, dass er seinerzeit mit seiner Kammermusikvereinigung das erste Konzert des Festivals spielte. Die vordringliche Frage nach Amtsübernahme sei gewesen: „Wie fördern wir das Festival?“ Woraus sich schlüssig die nächste ergab: „Wie bekommen wir mehr Mitglieder in den Verein?“ Um es gleich zu sagen: Die Strategie des  Ehrenvorsitzenden hatte Erfolg. Während Lichters Amtszeit wuchs der gemeinnützige Förderverein von 50 auf stolze 538 Mitglieder. Was auch finanziell zu Buche schlug: Heute – so Lichter – verfüge der Verein über ein Budget von rund 20000 Euro aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Selbstverständlich ging es nicht nur ums schnöde Geld. Mindestens ebenso wichtig war die ideelle Unterstützung. Das Festival, das zunächst noch als Mosel Festwochen firmierte, musste  etabliert werden. Ein Kampf an allen Fronten. Mit politischen Mandatsträgern jeder Art habe er gesprochen, erzählt Lichter. Gelegentlich habe er regelrecht  rhetorische Schlachten geschlagen, berichtet der leidenschaftliche Kulturaktivist augenzwinkernd. Trotz wachsender Zustimmung habe man ganz schnell begriffen, dass das Festival nicht als Bildungsveranstaltung verstanden werde.  So hatte ein hochkarätig besetzter Vortrag in der Wittlicher Synagoge zum Thema „Das Jüdische  in der Musik“ kaum Resonanz gefunden.

Bildungsinitiativen hat der Verein dennoch realisieren können. Regelmäßig finanziert der Freundeskreis Besuche von Festivalkonzerten für Schüler und Lehrer. Zudem unterstützt  er den alle drei Jahre von der gleichnamigen Gesellschaft ausgeschriebenen Hermann-Schröder-Preis mit 1000 Euro, deren Beirat Lichter angehört. Der Preis, der nach dem in Bernkastel-Kues geborenen Komponisten und Hochschullehrer benannt ist, fördert Nachwuchs-Organisten. Des Weiteren finanziert der Verein jährlich ein Konzert im umfangreichen Programm. Natürlich – so Lichter – habe man auch den eigenen Mitgliedern etwas übers Programm und ermäßigten  Eintritt  hinaus bieten wollen. Weshalb der Freundeskreis mit großem Erfolg Konzertfahrten zu renommierten Häusern im In- und Ausland organisierte, unter anderem nach Amsterdam zum Concertgebouw Orchestra, nach Metz,  Freiburg und Düsseldorf.

Und Rückschläge? Negative Erlebnisse habe er keine gehabt, freut sich der ehemalige Vereinschef. Das Festival sei immer attraktiver geworden. „Es war eine schöne Zeit“, resümiert der neue Ehrenvorsitzende, „mit vielen Kontakten und interessanten Begegnungen“. Eine der denkwürdigen sei die mit dem jungen hochbegabten Cellisten Benedict  Kloeckner im Kloster  Machern gewesen. Für seine Vorstandskollegen  hat er viel Lob. „Ich hatte sehr gute Leute im Vorstand“.

Dem bleibt der Träger des Bundesverdienstkreuzes auch weiter erhalten, wenn mit Dirk Eis die nächste Generation am Ruder ist. Der  musikaffine Verwaltungsbetriebswirt aus Trier ist seit langem Fan und regelmäßiger Besucher des Festivals. Für das Amt stand er gern zur Verfügung. Ein Bilderstürmer ist der 40-Jährige, der auch einen Master in Ökonomie und Management besitzt, nicht. Der Leiter der Abteilung Beteiligungsmanagement der Stadt Trier setzt auf Evolution statt Revolution. „Wolfgang Lichter hat als Vorsitzender extrem viel richtig gemacht“, sagt Eis anerkennend. „Das will ich fortführen“. Natürlich gelte es, auch neue Impulse zu setzen, die sich aus den veränderten Gewohnheiten der Gesellschaft und einer anderen jüngeren Generation ergäben. Es gehe darum, Neues neben Bewährtem zu unterstützen – wie etwa die herausragenden Vorteile des Standorts mit seinen einzigartigen Spielstätten. Förderungswürdig seien  aber auch zeitgenössische Events und attraktive kleine Formate. Auch Eis will dem Freundeskreis in seiner Amtszeit „etwas mitgeben“, das die Mitgliedschaft attraktiv macht. Neben den Vorteilen beim Ticketkauf denkt er an exklusive Konzerte für Mitglieder und Gesprächsrunden mit Künstlern. Natürlich steht auch für ihn die Mobilisierung der Jugend an, der Hoffnungsträgerin nicht nur der Kulturwirtschaft.  „Ich will auch jüngere Schichten ansprechen“, sagt Eis. Verstärkt will er Social  Media  nutzen. Alleingänge kommen für ihn nicht infrage. „Natürlich  werden alle unsere Maßnahmen in enger Zusammenarbeit mit dem Festival geschehen.“

Wolfgang Lichter war lange Vorsitzender des Musikfestival-Fördervereins. Foto: Freunde des Mosel Musikfestivals
 Dirk Eis, der neue Vorsitzende der Freunde des Mosel Musikfestivals. Foto: Freunde des Mosel Musikfestivals

Eva-Maria Reuther

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