Das Mosel Musikfestival startet Mitte Juli mit abwechslungsreichem Programm

Abwechslungsreiches Programm : Mosel Musikfestival - Singen, springen, streichen, schrammeln

Das Mosel Musikfestival startet bald – mit Heimatklängen, Kulinarischem, deutschem Dixie-Rap und viel Exotik.

Sie spielen Bach am Bach, nachts im Dom und schrammeln in römischen Thermen. Mal ganz klassisch, mal auf Armenisch, mal deutsch gerappt oder mit einem Gläschen Wein dabei. Das Mosel Musikfestival naht.  Mit 470 Künstlern aus 37 Nationen in 54 Konzerten an 43 Spielstätten auf 220 Moselkilometern und einem abwechslungsreichen Programm, das weit mehr bietet als klassische Kammerkonzerte. Ein Festival, das sich dieses Jahr unter das Kultursommer-Motto „Heimaten“ stellt und regionaltypische Klangfarben aus vielen Regionen der Welt bietet. Ein roter Faden wie dieser wird sich unter der Intendanz von Tobias Scharfenberger nun jedes Jahr durchs Programm ziehen. 2018 war es  das Marx-Jubiläum mit dem dazu passenden Thema Industriekultur. Für das kommende Jahr verspricht der Intendant ein schillernd sinnliches Programm. Doch ab Mitte Juli erst einmal „Heimaten“. Der TV hat mit Intendant Tobias Scharfenberger über seine Highlights, die Finanzen oder besonders witzige Konzerte gesprochen.

Die drei Highlights des Intendanten

Zugegeben – eine gemeine Frage an jemanden, der so viel Zeit damit verbracht hat, 54 Konzerte auf die Beine zu stellen. Und so muss Tobias Scharfenberger kurz nachdenken, ehe er antwortet. „Definitiv einer der Exoten“, also: Neue Musik von beiden Enden der Seidenstraße (11. August, Kloster Machern) oder das Nagash-Ensemble (23. August, Kloster Machern), das Klänge aus dem alten Armenien mit solchen aus dem 21. Jahrhundert verschmelzt. Zweitens: „Das Abschlusskonzert wird ganz toll“ – der von Scharfenbergers Vorgänger Hermann Lewen entdeckte Pianist Kit Armstrong spielt am 3. Oktober in St. Maximin, Trier. Drittens: Der Cape Town Opera Chorus, der Ende September nachts im Dom auftritt. Die Südafrikaner kontrastieren spirituelle Musik aus Europa und Afrika miteinander. „Da spreche ich als Sänger“, sagt der Bariton. Afrikanische Stimmen seien die schönsten überhaupt.

Stars

Seit der neue Intendant das Ruder übernommen hat, finden sich zwar weniger bekannte Namen im Programmheft, doch gibt es sie nach wie vor. „Mit den Stars ist das so eine Sache“, sagt Scharfenberger. So fülle die Pipaspielerin Wu Man in ihrer chinesischen Heimat riesige Hallen, sie sei dort ein Mega-Star. Dem deutschen Publikum besser bekannt sein dürften Schauspielerin Katja Riemann, die Texte von Roger Willemsen zitiert, Star-Bariton Franz Grundheber, Pe Werner, die mit ihrem Quartett in Kröv Lieder aus ihrem Album „Im Mondrausch“ präsentiert oder Meister-Pianist Kit Armstrong. Zudem ist sich der Intendant sicher, dass man von der koreanischen Pianistin Yeol Eum Son (13. September, Kloster Machern) noch viel hören wird.

Die größten Lokalmatadoren

Der aus Trier-Biewer stammende Weltstar Franz Grundheber gibt am 3. November sein Debüt im Trierer Dom – und zwar an einem Abend, an dem neben Brahms Deutschem Requiem auch ein sehr persönliches Requiem des Trierer Komponisten Joachim Reidenbach zu hören ist. Countertenor Fritz Spengler, den viele noch vom Trierer Theater kennen, singt am 1. September in Longuich. Am 10. August widmet sich der aus Wittlich stammende Pianist und Bach-Preisträger Markus Burger zusammen mit Jan von Klewitz (Saxophon) und dem Athos Ensemble den schönsten deutschen Volksliedern. Und nicht zuletzt singt Tobias Scharfenberger selbst – und zwar 46 kleine Liebeslieder (18. Juli, Machern).

Besonders witzig und originell geht es zu, wenn sich das Parnass-Ensemble am 29. September in Traben-Trarbach der Dichterin Friederike Kempner widmet – einer Meisterin der unfreiwilligen Komik. Völlig aus dem Rahmen fallen Goldmeister und die Ragtime Bandits, die mit ihrem Open-Air-Konzert im Innenhof des kurfürstlichen Palais Mitte August auch viele Zuhörer ansprechen dürften: Sie mixen Swing und alte Dixie-Titel mit deutschem Rap, Brass, Banjo und Klavier. Geschrammelt wie in Wiener Heurigenlokalen wird am 20. September in den Trierer Viehmarktthermen. Und dann wären da noch Carmina Burana, die nicht von 220 Musikern zu Gehör gebracht werden – wie dies vor einigen Wochen in der Prümer Basilika geschah –, sondern nur von dreien. Wer wissen will, wie das funktioniert, findet im Club Toni am 27. September eine Antwort.

Was für die Jugend

Das klassische Klassikpublikum mag ja ein älteres sein. Doch hat das Mosel Musikfestival Kinder und Jugendliche keineswegs vergessen. Das in der Vorsaison eingeführte und nun leicht abgespeckte Kinderprogramm „Sommersprossen“ bietet zwei Familienkonzerte – eines davon mit Schülern der Grundschule Leiwen und dem preisgekrönten und 2018 gefeierten Percussion-Duo Alexander Glöggler und Philipp Jungk (25. September, Forum Livia, Leiwen).

„Jedes Jahr gehen Tausende Bewerbungen von tollen jungen Leuten ein“, sagt Scharfenberger. Die neue Reihe „Jugendstil“ gibt hochkarätigen jungen Künstlern die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen.

Und im Rahmen des Projekts festival@school entwickeln rund 140 Schüler des Wittlicher Peter-Wust-Gymnasium ein völlig neues Konzertformat – ein Loungekonzert mit dem Vision String Quartett (20. September).

Budget

Ach, das liebe Geld. Nach einer finanziell nicht ganz einfachen ersten Festivalsaison unter neuer Intendanz im Jahr 2018 – die Zahl der verkauften Tickets war um 33 Prozent auf rund 11 000 gesunken, was ein Minus von knapp 84 000 Euro zur Folge hatte – haben die Gesellschafter ihren Anteil aufgestockt: von jährlich 116 000 Euro auf 180 000 Euro. Insgesamt stehen dem Festival rund eine Million Euro zur Verfügung: Jeweils ein Drittel kommt von der öffentlichen Hand, von Sponsoren und – so ist jedenfalls der Plan – über Ticketverkäufe herein. 2018 lag die durchschnittliche Auslastung der Konzerte bei 68 Prozent, für die neue Spielzeit strebt Scharfenberger 75 Prozent an.  „Unser Programm ist so vielfältig wie wohl selten zuvor. Es gibt fantastische Musik aus aller Welt zu entdecken, die Qualität der Künstler ist herausragend, und es ist für alle Generationen etwas dabei.“

Unter freiem Himmel

Sommer, Sonne, Open Air: So manche Musik wird unterm Sternenzelt erklingen. Das Fukio Saxophonquartett spielt am 12. Juli in der von einer Moselschleife und steilen Weinbergen umgebenen Ruine von Kloster Stuben. Im August locken zwei Open-Airs nach Trier: Am 17. August spielen „I Liguriani“ im Innenhof des kurfürstlichen Palais traditionelle italienische Musik in frischem Gewand. Einen Tag später trifft dort deutscher Hip-Hop auf Swing mit „Goldmeister und den Ragtime Bandits“.

Ausverkauft: So beliebt, dass es schon keine Karten mehr gibt, sind die meisten der kulinarischen Weinklang-Konzerte, Bach am Bach, das Open Air in der Klosterruine,  Robert Neumann in Schloss Lieser. Nachts im Dom und die exotischen Konzerte (Seidenstraße und Nagash-Ensemble) verkaufen sich sehr gut. Wer Karten will, sollte also nicht zu lange zögern.

Der Start

Offiziell startet das Festival am 13. Juli mit einem ungewöhnlichen Programm: Unter dem Titel „Kein schöner Land“ singt der Knabenchor Hannover, begleitet von Canadian Brass, deutsche Volkslieder, die sich mit dem Thema Heimat befassen – mal romantisch, mal revolutionär.

Dass Mosel und Musik bestens zusammenpassen, wird das Mosel Musikfestival bald wieder beweisen. Das Vision String Quartet steht exemplarisch dafür, wie bunt und abwechslungsreich das Programm wird: Die vier Berliner kombinieren klassische Kammermusik mit Jazz, Pop und Rock (19. September, Robert-Schuman-Haus, Trier). Gespielt wird auf 220 Moselkilometern. Unten: Die Brauneberger Juffer. Foto: Ch. Arnoldi

Ein Überblick über das gesamte Programm, Infos und Tickets unter www.moselmusikfestival.de

Mehr von Volksfreund