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Das Musikfestival „rainy days“ in Luxemburg und sein Motto „less is more“ - eine Bilanz

Weniger ist mehr : Beim Luxemburger Musikfestival „rainy days“ genügt ein Feuerzeug als Instrument

Als Instrument genügt ein Feuerzeug. Die Luxemburger „rainy days“ 2019 und ihr Motto „less is more“

Man konnte am Sonntag Nachmittag den Eindruck haben, bei den „rainy days“ der Philharmonie sei alles schon gelaufen. Doch die Zuschauer verweilten länger als üblich. Nika Schmitts Klanginstallation „Echotrope“ mit ihren sich nähernden und wieder entfernenden Klöppelschlägen vermittelte ein weites Raumgefühl. Stärker als beim dichten Publikums-Andrang der Traditionskonzerte wurde der Bereich inmitten der 823 Säulen zur eigenständigen Größe. Die musikalische „Wunderkammer“ mit teilsimultan verlaufenden Kurzkonzerten in der gesamten Philharmonie entwickelte sich zu einem großen Ereignis.

Das Abschlusskonzert mit 13 Schlagzeugern des Luxemburg-Saarbrücker „Ensemble Percussion under Construction“  konzentrierte sich bei  Steve Reichs „Music für Pieces of Wood“ auf das minimalistische Instrumentarium von fünf Holzstäben. Und Emmanuel Séjourné verteilte in „Haben Sie Feuer“ (Vous avez du feu) bewegliche Punkt-Lichtquellen virtuos  im abgedunkelten Kammermusiksaal und demonstrierte: Ein Feuerzeug genügt als Instrument.

Wie weit trägt angesichts der enormen Vielfalt und Experimentierlust das diesjährige Motto „Weniger ist mehr“? Die Organisatorinnen, an ihrer Spitze Chefdramaturgin Lydia Rilling, bezogen von Anfang an Distanz zu einer allzu engen Auslegung der Formel Kunst der Reduktion. Sie ließen auch Veranstaltungen zu, die mit Reduktion wenig zu tun hatten. So ließen sich bei Dirigent David Reiland und dem „Orchestre national de Metz“ (29. 11.) die Kompositionen von Clara lannotta (*1983) und Franck Bedrossian (*1971)  nur mit Mühe als Ergebnisse solcher Reduktion verstehen. Sie glänzten stattdessen mit einer klangtechnisch  hochsensiblen Orchestersprache. Auch Ravels „Bolero“ mit seinem auskomponierten Crescendo lässt sich allenfalls als umgekehrte Reduktion verstehen.

Nicht immer führte die Suche zu überzeugenden Resultaten. Gerade die Veranstaltung, die im Vorfeld als die spektakulärste galt, wurde zum glatten Misserfolg. Vordergründig stand alles zum Besten. Gerhard Richters abstrakte Kunst in der Filmfassung von Corinna Belz und Steve Reichs minimal music mit dem „Ensemble intercontemporain“ sind glänzende Vertreter ihrer Profession.

Trotzdem kam zwischen Musik und Film keine erkennbare Verbindung zustande. Bei aller Vielfalt an Formen und Farben verblieb die Optik im Dekorativen, und die Musik ihrerseits kam aus dem  Zirkel von Beziehungslosigkeit und Zufälligkeit nicht heraus. Trotz der hochprofessionellen Qualitäten: Die Chancen, die dieses Projekt eröffnete, wurden glatt verschenkt.

Was möglich gewesen wäre, zeigte sich an der „Happiness machine“ (1.12.) zum Abschluss mit dem Klangforum Wien. Elf Kurzfilme – teils spielerisch skurril, teils politisch engagiert und immer auf Tuchfühlung zwischen Bildern und eigens komponierter Musik. Kein Groß-Event, aber ein gründlich und sensibel erarbeitetes Projekt. Im Vergleich zu Reich/Richter war weniger tatsächlich mehr.