Das Oratorium „Dream of Gerontius“ wird in Trier aufgeführt

Oratorium : Wiedergutmachung für Edward Elgar

Ein Riesenprojekt: Das Oratorium „Dream of Gerontius“ mit dem Trierer Spee-Chor und zwei Heidelberger Chören.

Im Oktober 2003 wurde die Aufführung von Edward Elgars „Dream of Gerontius“ durch den Trierer Bach-Chor in der Konstantin-Basilika zu einem spektakulären Erfolg. Der TV sprach damals von einem „Musikdrama auf den höchsten Höhen der Chorsinfonik“ und forderte beinahe ultimativ, dieses Oratorium ins Repertoire der Konzertchöre aufzunehmen. Jetzt scheint es, als würde sich heute kaum jemand erinnern an die eindringliche Musik, die großartige Aufführung und die enthusiastische Resonanz. Jedenfalls verläuft der Vorverkauf zur Trierer Aufführung mit dem Spee-Chor am 23. November (19 Uhr, St. Maximin) nach Angaben aus dem Chor eher schleppend. „Das könnte für uns finanziell ein Problem werden“, sagt Thomas Kraemer, unterstützendes Mitglied im Spee-Chor und einer der Organisatoren. Teuer für die Veranstalter wird das Projekt allemal.

Dabei waren die Superlative von 2003 keineswegs übertrieben. Der „Traum des Gerontius“, so der vollständige Titel in deutscher Übersetzung, verbindet genial musikdramatische Bildkraft mit stiller, introvertierter Frömmigkeit. „Ein absolutes Meisterwerk“, sagt Jan Wilke, Leiter der Trierer Aufführung. Und ergänzt: Der „Gerontius“ stehe auf der „höchsten Stufe der Oratorien“, vergleichbar Mendelssohns „Elias“ oder der „Missa solemnis“ von Beethoven. Der Text von John Henry Newman beschreibt den Tod eines Menschen und das Weiterleben seiner Seele im Jenseits und hat dabei auch Züge einer naiv-kindlichen Religiosität. Aber wie so oft bei Vertonungen überbietet die Musik den Text, und das Ergebnis ist ein Oratorium von größter Anschaulichkeit und beklemmender Gefühlskraft.

Für die Formation mit dem Spee-Chor Trier, dem Anglistenchor Heidelberg (Einstudierungen Jan Wilke) und der Studentenkantorei Heidelberg (Einstudierung Christoph Andreas Schäfer) ist der „Gerontius“ ein Riesenprojekt. Der Heidelberger Studentenchor gab dazu den Anstoß. Mittlerweile haben die Chöre in bislang 14 Proben das Werk erarbeitet. Und sollte es bei den Sängerinnen und Sängern jemals Zweifel am kompositorischen Niveau der Musik gegeben haben, dann verlor sich der mit wachsender Probenzahl immer weiter. „Es hat sich eine echte Liebe zu Elgar eingestellt“, sagt Margarete Metzen, 1. Vorsitzende des Spee-Chors. Beste Voraussetzungen für ein Vorhaben, dem man Erfolg nur wünschen kann. Die Konzerte in Trier (23. November, 19 Uhr, St. Maximin) und Heidelberg (24. November) könnten so etwas werden wie eine Wiedergutmachung für Elgars große Musik. Die wurde völlig zu Unrecht im deutschen Musikleben Jahrzehnte lang ignoriert. Vielleicht ist gerade jetzt der passende Zeitpunkt gekommen für eine echte Elgar-Renaissance.

Samstag, 23. November, 19 Uhr, Trier-St. Maximin: Edward Elgar, The Dream of Gerontius (Der Traum des Gerontius). Renée Morloc, Mezzosopran, Peter Davoren, Tenor, Wilfried Staber, Bass, Friedrich-Spee-Chor Trier, Studentenkantorei Heidelberg, Anglistenchor Heidelberg, Orchester L’arpa festante. Vorverkauf: ticket regional. www.speechor.de