Das Philharmonische Orchester der Stadt Trier eröffnet die Konzertsaison.

Sinfoniekonzert : Ein herrlich frischer Start in die Konzertsaison im Theater

Das Philharmonische Orchester der Stadt Trier eröffnet die Konzertsaison.

Vielfarbig, subtil und virtuos hat das Philharmonische Orchester der Stadt Trier im Theater seine Konzertsaison eröffnet. Präzise und dynamisch dirigierte Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach das reizvolle Programm.

In den tschechischen Wald  ging es gleich eingangs  mit der Suite aus Leoš  Janáčeks  Oper „Das schlaue Füchslein“. Das Orchesterstück ist eine Bearbeitung des 1. Aktes des Bühnenwerks durch den Dirigenten Václav Talich. Der 1854 geborene Janáček ist ein Meister, der in Klang gefassten Psychoanalyse und der Naturerfahrung. Die Trierer Musiker erwiesen sich als beredte Mittler seiner wortlosen „Sprachmelodien“. In Zeiten, da man sich  notwendigerweise verstärkt  auf die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Natur besinnt, ist das Werk neuerlich hochaktuell.

Allerdings hat es, wie an diesem Abend zu erfahren war, auch musikalisch nichts an Reiz verloren. Feinsinnig und klar konturiert  machte das Orchester die Stimmungen des Waldes, die Seelenlagen seiner Tiere und Menschen hörbar, wie auch den Gegensatz zwischen der wilden Natur und der gezähnten sprich zivilisierten der Försterei und ihres Lebens. Dabei behielten die Musiker stets die  lyrische wie mystische Stimmung der Musk im Blick.

Hochvirtuoses war dagegen in Sergej Prokofjews 3. Klavierkonzert im strahlenden C-Dur angesagt. Der junge mehrfach ausgezeichnete Pianist Vasyl Kotys setzte mit sichtlicher Lust am Spiel gleichermaßen auf Vitalität wie Artistik, denen das Orchester mit seinem stark rhythmischen Part gleichsam Halt verlieh. Prokofjews Neoklassizismus durch den Rachmaninow wie Tschaikowsky klingen, wurde im Spiel des ukrainischen Jungstars zum atemberaubenden Hochseilakt mit geradezu akrobatischen Verschränkungen der Hände, aberwitzigen Läufen, einer wilden Jagd über die Tastatur,und einem aufschreckenden Diskant. Derart entwickelte der Nachwuchs-Pianist seine ganz eigene Lesart. Jung, kraftvoll und  mit unübersehbarer Lust am halsbrecherischen Risiko riss sein Prokofjew das Publikum zu Begeisterungsstürmen mit.

Zum Schluss die alte Gretchenfrage „Ist es Liebe“ oder besser „Klingt Liebe so?“ Ludwig van Beethovens 4. Sinfonie hört sich jedenfalls auch noch nach über 200 Jahren danach an.  Bekanntlich wird das Werk von der Musikgeschichte im engen Zusammenhang mit  der Liebe des Komponisten  zur verwitweten Grafin Josephine Deym gesehen. Zeitzeugen berichten vom verliebten, witzigen ungewohnt heiteren und lebenslustigen Großmeister. Gefühlslagen, die sich in seiner 4. Sinfonie fraglos  widerspiegeln.

Einmal mehr wurden die Musiker und ihr durchhörbares Spiel unter Hochstenbachs dynamischem Dirigat zu emphatischen Interpreten. In ihrem ausdrucksvollen Spiel befreite sich die Musik gleich im ersten Satz aus dem düsteren Adagio in ein wunderbar leichtes heiteres Allegro. Klangsinnlich und voll Wärme  erklang das Adagio des 2. Satzes. Schließlich im 3. Satz  kam der himmelstürmende, ausgelassene, zuweilen witzige  Beethoven zu Wort, in dessen Musik die Freiheit galoppiert, bevor die Sinfonie kraftvoll, wenn auch mit ein paar düsteren Unterströmungen im finalen Allegro  endet.

Ein herrlich frischer  Start in die neue Konzertsaison. Viel Beifall im Großen Haus.

Mehr von Volksfreund