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Das Rätsel der gestohlenen Stimmen

Wo sind nur all die Stimmen hin? Susi (Mitte, Marie Scharf) macht sich mit ihrem Hund Otto (Niklas Maienschein) auf die Suche, während ihre Mutter (links, Vanessa Jeker) sich in den Bösewicht verliebt. Foto: Simon Hegenberg
Wo sind nur all die Stimmen hin? Susi (Mitte, Marie Scharf) macht sich mit ihrem Hund Otto (Niklas Maienschein) auf die Suche, während ihre Mutter (links, Vanessa Jeker) sich in den Bösewicht verliebt. Foto: Simon Hegenberg FOTO: (g_kultur
Trier. Das Weihnachtsmärchen des Trierer Theaters verspricht spannende Unterhaltung. Mindestens 30 Aufführungen sind geplant. Premiere ist am kommenden Donnerstag. Katharina de Mos

Trier Am Porta-Nigra-Vorplatz. Eine strampelnde Frau wird von zwei Männern auf eine der Säulen gehievt. Spitze Schreie, Gelächter, Kameras klicken. Eine Mutter schimpft mit ihren weinenden Kindern, Touristen husten, Stadtbusse röhren, Autos hupen, Tauben gurren, Fahrradkuriere sausen vorbei und Skateboards schnurren über den Asphalt. Alltag in Trier. Was wäre, wenn all diese Geräusche plötzlich verstummen?
"Passen Sie auf, er stiehlt alle Stimmen", sagt eine Frau in einem lila gepunkteten Kleid zu verdutzt dreinblickenden Passanten und zeigt auf einen wahrhaft grimmigen Gesellen. Schwarzer Mantel, schwarze Fingernägel, düsterer Blick.
Während ältere Leute verunsichert weiterhasten, bleiben Kinder mit glänzenden Augen stehen und studieren den Flyer, den die Schauspieler ihnen in die Hände drücken. Er wirbt für das Weihnachtsmärchen des Theaters: "Das Rätsel der gestohlenen Stimmen", das am kommenden Donnerstag Premiere hat.
Alexander May, Chefdramaturg des Theaters Trier, verspricht eine Mischung aus "Momo" und "Der kleine Lord", eine fantasievolle Geschichte, tolle Figuren und Dialoge sowie reichlich Spannung für alle ab fünf Jahren. Tatsächlich klingt die Story so, als könnte sie auch älteren Menschen einen Adventsnachmittag versüßen: Da wären ein ziemlich eigenwilliges Mädchen, ihr treuer Hund und ein Schurke, der anderen die Stimmen klaut, bis sämtliche Geräusche verstummen. Kurz: Die Kleine muss eben mal das Böse besiegen und die Welt retten.
Susi (Marie Scharf) lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter (Vanessa Jeker). Ihr Vater (Klaus Michael Nix) ist verschollen, seit er an einem Ballonwettbewerb teilgenommen hat. Und so verbringt das Mädchen sehr viel Zeit mit seinem Hund Otto (Niklas Maienschein) im Garten der leer stehenden Nachbarvilla. Eines Tages zieht dort Herr Akustikus (Butz Buse) ein. Susis Mutter verliebt sich sofort in den neuen Nachbarn. Doch die Kleine und Otto können ihn nicht ausstehen.
Denn Akustikus mag keine Geräusche, weder die von Kindern und Hunden, noch von Sängern. Ja, er hasst sie so sehr, dass die beiden eines Tages erschreckt beobachten, wie Akustikus die Stimme des Opernsängers Herr Pichler (Klaus Michael Nix) mit einer seltsamen Apparatur aus dessen Körper hinaussaugt. Nachdem er auch dem Hund das Bellen genommen hat, entscheiden Susi und Otto, in die Villa ihres gruseligen Nachbarn einzudringen und die Stimmen wieder zu befreien.
Damit endet Teil 1 des Stücks. Teil 2 spielt laut May in der Villa, die voller Räume, Gänge und Schatzkammern ist. Durch die Dachkammer fliegen hupende Fledermäuse und die Ratten im Keller röhren wie Rennautos. Nichts klingt hier normal. Wo nur bewahrt Akustikus die gestohlenen Stimmen? Susi und Otto machen sich auf die Suche. Und die Kinder im Zuschauerraum können ihnen dabei helfen: Denn sie entscheiden, welche Zimmer der Villa die Schauspieler als Nächstes betreten. So ist die Handlung in jeder Vorführung ein wenig anders. Sechs verschiedene zweite Teile gibt es laut May. Für Lehrer, die sich sorgen, es könnte sich um ein klassisches Mitmachtheater handeln, gibt der Dramaturg Entwarnung: Die Kinder halten einfach Karten hoch, um zu entscheiden, ob die Schauspieler einen Geheimgang oder die rostige Treppe nehmen. Das war's.
"Alan Ayckbourn hat ein unglaublich gut geschriebenes Stück geliefert", sagt May. In London erfreue sich "Das Rätsel der gestohlenen Stimmen" seit 25 Jahren ungebrochener Beliebtheit. Und so hofft er auch in Trier bei der Inszenierung von Matthias Kaschig auf regen Besuch. Denn: Mag es auch um ein Kinderstück gehen - für die Theaterfinanzen spielt es eine riesige Rolle.
Diese sahen in den vergangenen beiden Spielzeiten auch deswegen schlecht aus, weil das Kinderstück jeweils nur 25 statt 40 Mal gezeigt wurde. Dennoch zog das vorige Weihnachtsmärchen "In 80 Tagen um die Welt" die mit Abstand meisten Besucher der Saison (12 381, Auslastung knapp 80 Prozent) was zeigt, wie wichtig es für die Bilanz ist.
"Das Rätsel der gestohlenen Stimmen" soll bis März mindestens 30 Mal zu sehen sein. Wenn die Geschichte von Susi und Otto bei Lehrern und Kindern gut ankommt, auch öfter.
Die (noch nicht ausverkaufte) Premiere ist am Donnerstag, 23. November, um 11 Uhr im großen Haus. Karten gibt es für zehn Euro, ermäßigt 7,50 Euro an der Theaterkasse und online. Schulvorstellungen (vormittags an Schultagen) können ausschließlich an der Theaterkasse gebucht werden.
Die nächsten Termine: Sonntag, 3. Dezember, 16 Uhr, Montag, 4. Dezember, 10 Uhr, Dienstag, 5. Dezember, 10 Uhr, Mittwoch, 6. Dezember, 10.30 Uhr und 16 Uhr, Donnerstag, 7. Dezember 10 Uhr, Freitag, 8. Dezember 10 Uhr, Samstag, 9. Dezember 18 Uhr, Sonntag, 10. Dezember 11 und 16 Uhr. Weitere Termine unter <%LINK auto="true" href="http://www.theater-trier.de" text="www.theater-trier.de" class="more"%>

Der böse Herr Akustikus (Butz Buse). Foto: Katharina de Mos
Der böse Herr Akustikus (Butz Buse). Foto: Katharina de Mos FOTO: (g_kultur