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Das Rokokokleid: Eine Spielwiese für die Damen

Das Rokokokleid: Eine Spielwiese für die Damen

Ein Rokokokleid aus broschierter Seide ergänzt ab sofort die Textilienabteilung des Stadtmuseums Simeonstift. Es stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Trier. "Das langwierigste war die Anfertigung der Büste", erklärt Ralf Schmitt, Diplomdesigner und Dozent in der Fachrichtung Mode an der Hochschule Trier hat gerade die letzten Handgriffe an dem Rokokokleid aus broschierter Seide gemacht. "Die Körper waren früher anders als die heutigen, weil Kinder meist schon mit fünf Jahren in ein Korsett hineinwuchsen. Deshalb haben sich die Rippenbogen verschoben", erklärt er.
Mode ist nicht nur Schmitts Fachgebiet und Beruf, sondern auch sein Hobby. Seit 1996 arbeitet er freiberuflich als Kostüm- und Textilienrestaurator. Dabei kam er auch mit dem Kleid aus dem Jahr 1775 in Berührung, das in einem guten Zustand war.
"Kleider aus dieser Zeit sind erstaunlich robust - robuster als etwa viele Kleider aus den 1920er Jahren, weil kaum Chemie verarbeitet wurde." Oftmals konnten Kleider weiterverschenkt und vererbt werden. Viele Roben blieben erhalten: im Kostümfundus von Theatern, unerkannt in Privathaushalten oder wie beim Fall des Trierer Bürgermeisters Ludwig Karl Gottbill, der 1769 sein Amt antrat. Sein Gehrock blieb im Familienbesitz und wurde bis 1950 jährlich zu Kostümfesten getragen.
Eine solche Geschichte kann das cremefarbene Kleid mit den weinroten Schleifen nicht vorweisen: Es wurde nach der Auflösung des Kostümfundus eines Theaters am Bodensee bei einer Auktion ersteigert. "Wir wissen nicht, wem es gehört hat. Trotzdem erzählt es die Geschichte der Dame, die es getragen hat. Die Kleidung der Frau war der Repräsentant der wirtschaftlichen Erfolge ihres Mannes, und Mode war in damaliger Zeit eine Spielwiese für die gelangweilten Ehefrauen", erzählt Schmitt. sbra
Zu sehen ist die Robe in der Textilienabteilung des Stadtmuseums Simeonstift.