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Das Rüstzeug für den eigenen Stil

Das Rüstzeug für den eigenen Stil

Drei Jahre liegt es zurück, dass die Europäische Kunstakademie erstmals ein Kunststudium angeboten hat. Sechs Semester später steht die Vergabe der ersten 40 Diplome bevor. Die Absolventen verabschieden sich mit einer Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird.

Trier. Die sechs Semester sind geschafft, die ersten Diplomanden des Kunststudiums an der Europäischen Kunstakademie (EKA) haben ihren Abschluss so gut wie in der Tasche. 44 Studierende (90 Prozent Frauen) sind 2010 an den Start gegangen, vier haben abgebrochen, die anderen haben das Ziel erreicht. Ab Sonntag zeigt die erste Gruppe von ihnen bis zum 16. Juni Gemälde, Zeichnungen, Videos und Installationen, die in der Akademie-Zeit entstanden sind. Die zweite Gruppe der Studierenden präsentiert sich in der Woche vom 23. bis 30. Juni in der Kunsthalle der EKA.
Die Ausstellung ist der letzte Teil des Studiums, das sich schwerpunktmäßig der Malerei widmet. Der Studienverlauf führt von praktischen Seminaren über kunstgeschichtliche Vorträge bis zu Übungen im Kunstmanagement. Die Dozenten sind zehn professionelle Künstler mit akademischer Ausbildung.
Die Hochschulreife ist keine Voraussetzung, um an der EKA zu studieren. Hier zählen allein Talent und Motivation, sagt die Akademieleiterin Gabriele Lohberg. "Das Konzept ist aufgegangen", bilanziert sie und attestiert dem Studium eine "inhaltlich gute Mischung", die ihre Eleven ans Ziel führte: "Wir haben den Studierenden das Rüstzeug gegeben, einen eigenen Stil entwickeln zu können." Wir haben drei Studenten nach ihren Erfahrungen befragt:

Tanja Bollendorf (37) aus Luxemburg:
Für sie war das Studium der entscheidende Schritt, ihre Kunst vom Hobby auf ein professionelleres Niveau zu heben. "Ich habe meine Technik klar verbessert und das Thema Bewegung für meine Malerei gefunden." Wie sie das Thema umsetzt, zeigt Tanja Bollendorf bis zum 23. Juni in einer parallelen Ausstellung unter dem Titel "Figur im Quartett" mit drei Studienkolleginnen in der Tufa. Die Künstlergruppe, die in der EKA zusammenfand, plant weitere gemeinsame Ausstellungen und steht stellvertretend für die Professionalisierung der Absolventen. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung habe auch die Beschäftigung mit Kunsttheorie und Kunstgeschichte innerhalb des Studiums, sagt Tanja Bollendorf.
In ihrem Leben behält die Kunst allerdings auch mit Diplom den Status "berufsbegleitend". Ihren Job im Marketing will die Psychologin nicht an den Nagel hängen. Trotzdem ist die Malerei für die Luxemburgerin längst mehr als ein Hobby. Denn sie bietet ihr die Möglichkeit, sich intuitiv auszudrücken.

Ulli Kowalke (61) aus Hannover:
Ulli Kowalke malt seit 20 Jahren. An der EKA schätzt er die "guten Bedingungen" und die Internationalität: "In unserem Blockstudium sind eine Isländerin und zwei Frauen mit koreanischen Wurzeln." Für ein Studium in Trier hat sich der Hannoveraner, der in Altersteilzeit arbeitet, nicht zuletzt wegen der Stadt und der Mosel entschieden. Dem Studium an der EKA gibt der Diplomand die Note "Gut". Für wichtig erachtet er, dass es die kunsthistorische Grundlage geschaffen hat, sich in der Kunstwelt orientieren zu können und das eigene Werk einzuordnen.
Kowalke, der in einer Ateliergemeinschaft in Hannover malt, sagt: "Ich habe jetzt meinen eigenen Stil stärker im Blick." Seine Pläne für die Zukunft: Er wird weiter ausstellen. Mit anderen Studenten hat er an der EKA die Gruppe Unit 9 gegründet. Dank des Erlernten wisse er nun, Ausstellungen besser vorzubereiten, als er es früher getan hat. Zu den Studieninhalten gehört nämlich auch die Beratung, wie sich Künstler auf dem Kunstmarkt etablieren können.

Petra Kohns-Merges (48) aus Farschweiler:
Für Petra Kohns-Merges hat das Studium vor allem eins gebracht: "Ich habe gelernt, meiner Kunst zu vertrauen und Bilder aus anderen Blickwinkeln zu interpretieren als früher." Der Austausch und die gemeinsame Entwicklung der Studierenden haben ihr geholfen, ihren eigenen Weg zu finden.
Sie attestiert dem Studium an der EKA ein "hohes Niveau". Selbstständiges Arbeiten sei ein zentraler Anspruch an die Studierenden. "Man muss schon einige Erfahrung im Bereich Zeichnen-Malerei mitbringen", sagt sie rückblickend. Sie selbst malt seit acht Jahren und hatte vor dem Studium verschiedene Kurse belegt.
Mit dem Diplom hat sie sich neue Türen geöffnet. Ihren Job als Bankangestellte hat sie für die Kunst auf eine halbe Stelle zurückgefahren. Im Herbst beginnt sie als Dozentin der Volkshochschule in Farschweiler Malerei zu unterrichten. Und bis Ende 2014 hat sie bereits vier Einzelausstellungen in Luxemburg, Frankreich und Trier im Terminkalender stehen.
Extra

Vom 9. bis 16. Juni: Rose Antony, Ursula Bauer, Johanna Bendler, Hanna Bogisch-Kötter, Tanja Bollendorf, Sonja "Sophia" Carta, Hans Gaubatz, Thora Karlsdottir, Marina Kefer, Mirese Kirsch, Petra Kohns-Merges, Ulli Kowalke, Sonja Lefèvre-Burgdorf, Antje Loew, Monika Mathei, Petra Neumahr, Choon Sim Rödiger, Juliette Rollinger-Haag, Christa Spencer, Nam-Sook Till-Park, Carmen Weber. Vom 23. bis 30. Juni: Meta Backes, Tanja Bonaventura-Kleber, Edith Buchhalter-Thomas, Martine Folschette-Krier, Karin Haubrich, Christa Herrig, Johanna Kirf, Sylvia Klein, Hannelore König, Simone Lubberich, Gudrun Maas-Ehre, Christine Maaz-Renic, Leonie Mertes, Uta Parmaksiz, Klaus Räsch, Anette Riebel-Mehne, Hans Ruther, Ruth Weber. sys Die Ausstellung "Punktlandung" in der Europäischen Kunstakademie ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.